BETRIEBSGEHEIMNIS VERRATEN

Darum hofft der Bauunternehmer nicht auf die zweite Million

Frank Borcherts Firma muss auch weiter gut laufen. Schließlich hat er seinem technischen Leiter bereits ein Versprechen gegeben. Und seiner Frau auch.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Firmenchef Frank Borchert (links) und sein Mitarbeiter Peter Rutter sind überzeugt, dass der Erfolg dem Unternehmen hold
Firmenchef Frank Borchert (links) und sein Mitarbeiter Peter Rutter sind überzeugt, dass der Erfolg dem Unternehmen hold bleibt. Aber sicherheitshalber streicht der Unternehmer auch noch mal übers glücksbringende Hufeisen. Claudia Marsal
Damme.

„Ach, wenn meine Lehrer von damals mich heute so sehen könnten“ – Frank Borchert steht spitzbübisch grinsend neben seinem Firmenwagen und reibt gedankenverloren an einem rostigen Hufeisen herum, das er auf einer seiner Baustellen auf dem Sims gefunden hat. „Sie brauchen es ja niemanden verraten“, flüstert er dann: „Aber in Mathe war ich zuerst gar nicht so eine Leuchte.“

Seine Lehrer seien in der siebenten/achten Klasse schier an ihm verzweifelt, setzt er schmunzelnd hinzu; seine Eltern vermutlich ebenso. Doch irgendwann bekam der 61-Jährige offensichtlich die Kurve. Denn sonst stände er heute nicht da, wo er steht. Frank Borchert ist mittlerweile Chef eines florierenden mittelständischen Unternehmens, das vor allem mit Industriemontage und Bausanierungen Umsatz macht. Dem Betrieb geht es gut, schätzt der Inhaber stolz ein. Er selbst legt bei den Kunden aber nur selten Hand an. „Dafür habe ich zehn gut ausgebildete Mitarbeiter“, klärt Frank Borchert auf.

Mathe-Allergie überwunden

Ihm obliegen der kaufmännische Teil und die Akquise. „Und das meistere ich wohl ganz gut“, sagt er dann mit neckischem Unterton – Bezug nehmend auf den Anfang des Gesprächs: „Das mit dem Rechnen und Kalkulieren habe ich wohl doch noch begriffen.“ Die Mathe-Allergie der Jugendzeit liegt jedenfalls in tiefster Vergangenheit. Seit 1990 schon schlägt sich der Familienvater aus Damme als Selbstständiger durch. Erst versuchte der gelernte Uhrmacher und Kraftfahrer mit Handel sein Glück. 2004 dann hob er den Baubetrieb aus der Taufe. „Ich habe nie eine Pleite oder einen Konkurs hingelegt“, stellt Frank Borchert zufrieden heraus. Das können längst nicht alle aus dieser Branche von sich behaupten. Nach den Gründen befragt, räumt der Geschäftsmann ein, dass dazu vermutlich auch ein Quäntchen Glück gehört habe.

Andere Unternehmer gerieten vielleicht irgendwann an die falschen Partner oder Großkunden, die ihnen Unmengen Geld schuldig blieben. Aber Frank Borchert ist auch überzeugt, dass für den wirtschaftlichen Erfolg vernünftiges Kalkulieren genauso unabdingbar sei, womit man wieder beim Thema Rechnen wäre. Und noch eins hält der sympathische Bau-Löwe für unabdingbar im Geschäft: die nötige Portion Gelassenheit, oder anders gesagt den Ruhepuls von 50. „Wissen Sie, junge Frau, welcher Spruch bei uns im Büro hängt? Da steht: ‚Wir sind tiefenentspannt, emotionslos, geschmeidig und zielführend‘. Das sollte man vielleicht nicht ganz so ernst und wortwörtlich nehmen. Aber im Prinzip trifft es den Kern. In der Ruhe liegt die Kraft.“

Qualität muss stimmen

Wer so wie er mit vielen Stammkunden rund um den Kirchturm arbeite, könne auf Dauer nur bestehen, wenn die Qualität stimme, ist der Uckermärker sicher. Und da seien Hektik und Oberflächlichkeit eben ganz schlechte Berater. Ein Indiz dafür, dass nicht nur die Auftraggeber zufrieden sind, sondern auch die Kollegen, sei unter anderem die gesicherte Nachfolge im Unternehmen. „Ich arbeite bereits meinen technischen Leiter als späteren Chef ein“, erzählt Frank Borchert stolz. „Das ist ein ganz ambitionierter, technisch versierter junger Mann. Gerade mal 32 Jahre alt. Der hat erkannt, dass Handwerk goldenen Boden hat. Ich kann mich also langsam an den Gedanken Ruhestand gewöhnen“, sagt er dann mit verschmitztem Seitenblick auf einen seiner älteren Mitarbeiter. Der 57-jährige Peter Rutter grient zurück, vermutlich weil er nach vielen Jahren Betriebszugehörigkeit weiß, dass alles nicht so heiß gegessen wird, wie man es gekocht hat.

Soll heißen, der Boss liebäugelt natürlich nicht zeitnah mit der Rente. „Noch fühle ich mich fit und habe Spaß daran, in die Firma zu gehen.“ Der Unternehmer weiß aber auch, dass es ihm, so der Zeitpunkt ran ist, nicht langweilig werden wird. „Meine Frau und ich sind schon immer gern auf Reisen gewesen. Es gibt viele Ziele, die wir noch nicht durch haben. Momentan dirigiert zwar unser alter Schäferhund den Radius. Was nicht heißt, dass wir nur in Deutschland unterwegs sind. Ganz Skandinavien hat er schon mit uns bereist.“ Aber angesichts der über 84 Menschenjahre, die der Vierbeiner nun schon auf Erden weile, müsse man sich an den Gedanken gewöhnen, dass jeder Trip der letzte mit ihm gewesen sein kann. „Und ohne Tier eröffnen sich uns reisetechnisch natürlich dann ganz andere Ziele“, verrät Frank Borchert lachend, dass seine Frau schon mit einer Kreuzfahrt liebäugele.

Hurtigruten ein Traum

„Die Hurtigruten wären ja etwas für uns. Bis hoch ans Nordkap und zurück. Darauf hätten wir schon beide Lust“, räumt er ehrlich ein. Aber bis dahin gelte es erst noch, den aktuellen Bauboom mitzunehmen. Doch dabei regiere das Motto: Leben und Leben lassen. „Wissen Sie, mit der zweiten Million habe ich gar nicht erst angefangen, weil es schon mit der ersten nicht geklappt hat“, behauptet der Geschäftsmann augenzwinkernd im Interview.

Will heißen, wer nicht gänzlich die Bodenhaftung verliere und es mit dem Geldverdienen-Wollen übertreibe, dem werde auch langfristig Erfolg zuteil. Er jedenfalls habe vor, seinem Nachfolger einen gesunden Betrieb zu hinterlassen und natürlich Kundschaft, die weiß, dass der Slogan: Heizung/Sanitär/Trockenbau/Fliesen – Alles aus einer Hand“ keine Schaumschlägerei, sondern ein ernst zu nehmendes Versprechen sei, welches man zu erfüllen gedenke. „Schließlich gibt es keine bessere Werbung als Mund-zu-Mund-Propaganda.“

 

 

 

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