Lohnt es wirklich, die PCK-Raffinerie wegen der Sanktionen dermaßen ins Feuer zu stellen, wie es die deutsche Politik derzeit tut?
Lohnt es wirklich, die PCK-Raffinerie wegen der Sanktionen dermaßen ins Feuer zu stellen, wie es die deutsche Politik derzeit tut? Monika Skolimowska/dpa-Archiv
Kommentar

Das PCK ruinieren, nur damit Putin einmal die Stirn runzelt?

Die Sorgen um die PCK Raffinerie in Schwedt und um Tausende Arbeitsplätze in der Uckermark ist groß. Ein Kommentar von Redaktionsleiter Heiko Schulze.
Prenzlau

Die Uckermärkerinnen und Uckermärker sind innovativ und neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen. Da braucht man sich nur auf den Güstower Lindenberg zu stellen und den Blick schweifen lassen – überall unzählige Windräder, deren erste Generation gerade gegen noch höhere getauscht wird. Oder die riesigen Fotovoltaikanlagen in Haßleben, auf dem ehemaligen Militärflughafen bei Groß Dölln... Das Hybridkraftwerk des Unternehmens Enertrag ist ein weiterer Beleg dafür – so wie die Abermillionen an Euro, die die Eigentümer der PCK Schwedt in den Ausbau ihrer Raffinerie zu einer der umweltverträglichsten und effizientesten Raffinerien Europas steckten.

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Eines sind die Uckermärker allerdings nicht: gutgläubig, um auf vollmundige Versprechen der Politik zu vertrauen. Der Landstrich im Nordosten hatte es doppelt schwer gehabt, nach der Wende, weitgehend aus eigener Kraft die „Toskana des Nordens“ – in vielen mühevollen Schritten – zumindest punktuell in eine „blühende Landschaft“ zu verwandeln. Bodenständig und im Sinne des Wortes geerdet, setzen sie auf Taten, statt Worte. „Erst Lösung, dann Embargo“ – auf diese einfache Formel haben es Tausende bei der Großdemo für den Erhalt der Raffinerie, organisiert vom „Zukunftsbündnis Schwedt“, heruntergebrochen.

Das war am 29. Juni – vor sieben Wochen! Seitdem hören sie von einer 50-prozentigen Liefermenge über den Rostocker Hafen, über Öltransporte (Alcmene) auf der Schiene, sollte sich zum 1. Januar 2023 die freiwillige Selbstverpflichtung der Bundesregierung erfüllen und Deutschland im Alleingang die Druschba-Leitung kappen. Bewusst einen Verlust von circa 300 Millionen Euro jährlich in Kauf nehmend (Aussage Rosneft), dazu steigende Preise, alles andere als umweltgerechte Transportwege. Nur, damit Aggressor Putin bestenfalls einmal die Stirn runzelt?

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Wäre es nicht sinnvoller – gerade auch von einer Regierung mit grüner Beteiligung – dem PCK den langen Atem zu lassen, den es für den Umbau zu einer „grünen Raffinerie“ braucht. Orientiert an der Geschwindigkeit von Fachleuten, nicht von Ideologen, die sich sonst unterstellen lassen müssen, den Krieg als Katalysator zur Umsetzung eigener Visionen zu nutzen. Oder warum will Deutschland in diesem Punkt „Klassenbester“ werden, wo der Kanzler sonst auf abgestimmte Schritte mit den europäischen Partnern pocht?

Die Uckermark und ihre Bürger sollten nicht für die Versäumnisse geradestehen müssen, die Politiker und Diplomaten über Jahrzehnte anhäuften, zumindest zuließen. Sie stehen so schon vor genügend großen Herausforderungen, zu denen nun auch seit vergangener Woche die Umweltkatastrophe an und in der Oder zählt.

Auch dabei fand der für Bundesstraßen zuständige Bund schnell eine juristische Spitzfindigkeit, die verendeten Fische als „Müll“ zu deklarieren und so die Zuständigkeit an die Landkreise zu delegieren. Freiwillige Helfer, darunter Kräfte des THW und der Feuerwehren (ohnehin durch Waldbrände gefordert), sind es, die nun wieder ehrenamtlich und in ihrer Freizeit sich zur Schadensbegrenzung aufmachen. Hätten sie es nicht besonders verdient, dass die Regierung ihre „Protokollnotiz“ zur Kappung der Druschba-Leitung ebenfalls entsorgt und so eine Schadensbegrenzung im Interesse der Uckermärker und ihrer Arbeitsplätze vornimmt? Passiert das nicht, reiben sich nicht zuletzt Raffinerien in anderen, wirtschaftlich stärker aufgestellten Regionen Deutschlands die Hände.

 

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Kommentare (1)

"Ideologen" mit "Visionen"
Bei allem Verständnis für die Sorgen der Menschen in der Uckermark und darüber hinaus - die ich teile - ist es schade, dass Sie es sich nicht verkneifen konnten, das Narrativ grüner Ideologen zu bedienen. Wenn die notwendigen Transformationen allein auf "Ideologien" und "Visionen" beruhten, dürften Sie konsequenterweise das Vorhandensein von Windrädern und Photovoltaikanlagen in der Uckermark nicht gutheißen.