Die Spielstätte in der Nähe des Templiner Museums für Stadtgeschichte hat ihren besonderen Reiz, den Einheimisc
Die Spielstätte in der Nähe des Templiner Museums für Stadtgeschichte hat ihren besonderen Reiz, den Einheimische und Gäste zu schätzen wissen. Michaela Kumkar
Szene aus „Der Krämerskorb” mit Martin Schneider, André Zimmermann und Constanze Hosemann
Szene aus „Der Krämerskorb” mit Martin Schneider, André Zimmermann und Constanze Hosemann Michaela Kumkar
Sommertheater

Deftiger Humor vor schöner Templiner Kulisse

Theater an Spielstätten und unter freiem Himmel, damit punktet die Tour der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen. Auch in Templin.
Templin

Das Sommertheater in historischen Stadtkernen ist zurück an seiner angestammten Templiner Spielstätte: Am Sonnabend wurde der Innenhof in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum für Stadtgeschichte wieder zum Spielort für das theater 89. Im vergangenen Jahr hatte sich man sich in Templin noch für das Berliner Tor als Kulisse entschieden. Über die Rückkehr 2022 freute sich nicht nur die Kur­städterin Heidi Heine: „Das ist hier einfach ein ganz romantischer Ort“, meinte sie. An dem bot das professionelle Freie Theater mit Sitz in Naugarten in der Nordwestuckermark diesmal kurze Szenen von Hans Sachs, in der Regie von Hans-Joachim Frank. „Der Nürnberger Schumacher, Spruchdichter, Meistersinger und Dramatiker Hans Sachs (1494-1576) war weithin bekannt, seine Stimme hatte Gewicht“, hieß es in der Programmankündigung. „Mit ihm regten sich öffentliche Kritik und Selbstkritik.“ Die Sprüche des angesehenen Handwerkers seien schnell als Kommentare zu alltäglichen und historischen Ereignissen verbreitet worden.

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Für seine sehr humorvollen, mit Gesangseinlagen versehenen Inszenierungen wird das theater 89 seit Jahren in Templin geschätzt. Andrea Kokot hat bereits mehrere Vorstellungen in ihrer Heimatstadt gesehen. Ihr gefällt, dass Profis klassische Stücke auf die Bühne bringen verriet sie. „Und das unter freiem Himmel“, so der Templiner Roland Wienecke. Auch er schwärmte von den Leistungen der Schauspieler, ebenso wie seine Frau, Almut Wienecke. Diesbezüglich bedienten André Zimmermann, Constanze Hosemann, Martin Schneider und Christian Schaefer, die am Samstagabend auf der Bühne standen, wohl nicht nur ihre Erwartungshaltungen. Die alten Verse, in denen Hans Sachs an großen und kleinen Betrügereien seiner Zeit aufs Korn genommen hatte, setzten alle mit großer Spielfreude um. Etwa beim „Narrenschneiden“. André Zimmermann geriet in einen wahren Rausch, als er einem Kranken den Bauch aufschnitt, um ihn von seinen Lastern, Hochmut, Eigensucht, Trägheit, Zorn und Völlerei, zu befreien. Oder Christian Schaefer, der in „Das Kälberbrüten“ so herrlich komisch den Bauern gab, der nicht aus dem Bett kam.

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Gesungen wurde natürlich auch an diesem Theaterabend. Da gab es sehr berührende Momente, beispielsweise beim Duett von Constanze Hosemann und Martin Schneider „Es ist ein Schnee gefallen“ oder aber als alle vier Protagonisten „Der Mond ist aufgegangen“ vortrugen. Zu vorgerückter Stunde. Im Publikum wurde leise mitgesungen. Ohne Zugaben wollten die Zuschauer die Schauspieler nicht von der Bühne lassen.

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Diese Sommertheatertour, die noch bis zum 3. September in verschiedenen Städten Station macht, läuft in Regie der Arbeitsgemeinschaft (AG) Städte mit historischen Stadtkernen und des Landesverbandes Freier Theater Brandenburg. „Die AG gibt es seit 30 Jahren. Templin gehört zu den Gründungsmitgliedern“, erinnerte Sebastian Tattenberg, Vertreter der Stadtverwaltung, zu Beginn des Abends, den 90 Gäste erlebten. Er erwähnte auch das Motto des Sommertheaters in diesem Jahr: „Kulturgut Alt(e)Stadt genießen“. In Templin ist das an diesem Abend mehr als gelungen.

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