LIEBE IN CORONA-ZEITEN

Der einsame Gang zum Prenzlauer Standesamt

Conny und Ronny Schulz planten ein rauschendes Hochzeitsfest. Doch dann kam alles anders. Am Ende verlor die Braut sogar etwas Wertvolles.
Conny und Ronny Schulz trauten sich trotzdem.
Conny und Ronny Schulz trauten sich trotzdem. privat
Prenzlau.

So hatten sich Conny und Ronny Schulz ihre Fahrt in den Hafen der Ehe sicher nicht vorgestellt. Als der 37-Jährige am 8. Januar 2020 um die Hand seiner Liebsten anhielt, schwebte den beiden ein schönes Hochzeitsfest vor. Die Braut in spe machte sich auch alsbald an die Vorbereitungen. Eine Partylocation direkt am Uckersee war schnell gefunden, auch mit einem Caterer kam das junge Paar fix überein. In froher Erwartung schickten die beiden die Einladungskarten für ihren großen Tag heraus.

Am 11. April wollten sie in Prenzlau die Ringe wechseln. Doch dann kam die Corona-Pandemie und brachte alle Pläne ins Wanken. Mit großer Sorge verfolgte die 32-Jährige jeden Tag aufs Neue die Schlagzeilen. Doch was sie sah und hörte, stimmte sie nicht zuversichtlich. Im Gegenteil, die Büroangestellte begann langsam, um ihre Hochzeit zu fürchten. Weil Conny Schulz im achten Monat schwanger ist und das Baby unbedingt mit verheirateten Eltern zur Welt kommen sollte, entschieden sich die zwei für einen ganz radikalen Schritt. Sie verlegten den Termin im Standesamt kurzerhand vor.

Mutterseelenallein

„Mir war nämlich klar, dass es nicht besser werden würde mit den Beschränkungen des öffentlichen Lebens”, erzählte die Kreisstädterin dem Uckermark Kurier. Deshalb marschierten sie am 17. März mutterseelenallein zu ihrer Trauung. „Es durfte niemand dabei sein, das war schon hart”, erinnert sich Conny Schulz traurig zurück. Aber da sie sich unbedingt das Eheversprechen geben wollten, zogen die Brautleute die Sache durch. Nachgefeiert werden kann schließlich jederzeit, sagten sie sich. Ein paar Tage nach der Vermählung spielte das Schicksal den beiden allerdings nochmal übel mit. Obwohl der frischgebackene Ehemann, der als Pfleger im Schichtdienst arbeitet, wegen der Schwangerschaft seiner Frau versucht, ihr alle Einkäufe abzunehmen, musste sie eines Tages noch einmal aus dem Haus.

Belohnung ausgesetzt

Ausgestattet mit Desinfektionsmitteln fuhr die werdende Mama zwei Warenhäuser ab. Sie erinnert sich noch genau, dass sie nach dem Einkauf bei Marktkauf den Ring abgezogen und ihre Hände desinfiziert hatte. „Da muss ich ihn wohl auf die Mittelkonsole gelegt haben, jedenfalls war er später weg”, erzählt die junge Frau. Es folgte eine stundenlange panische Suche nach dem Schmuckstück. Doch es fehlte jede Spur von dem schmalen Reif. Letztlich entschied sich Conny Schulz zu einer Suchanzeige im Internet. Sogar eine Belohnung lobte das Paar aus, um den Ring wiederzubekommen. Parallel dazu vergoß Conny Schulz Tränen ohne Ende. Ihr Ehemann war schon richtig in Sorge um sie. Sicher hätten sie den Ehering jederzeit nachkaufen können.

„Doch das wäre nicht dasselbe gewesen”, ist ihnen bewusst. Denn nur das originale Exemplar hätten sie unter so widrigen Umständen im Standesamt gewechselt. „Das wollten wir unbedingt wiederhaben.” Am Sonntag dann kam die Erlösung. Eine Bekannte der Frau hatte das Schmuckstück entdeckt. Jetzt steckt es wieder am Finger der frischgebackenen Braut und bleibt dort hoffentlich auch – zumindest so lange, bis im Juni das erste gemeinsame Kind der Turteltauben das Licht der Welt erblickt. Wir drücken ganz fest die Daumen.

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