HILFERUF

Der Küken-Vater aus der Uckermark ist jetzt selbst in Not

Sven Dade hat ein großes Herz. Seit Jahren schon rettet der 53-Jährige kleine Hühnchen aus großer Not. Aber aktuell hat der kranke Mann Sorgen.
Sven Dade sucht dringend Arbeit.
Sven Dade sucht dringend Arbeit. privat
Der Schützling von einst wurde selbst eine gute Küken-Mutter.
Der Schützling von einst wurde selbst eine gute Küken-Mutter. privat
Hund Condor tröstet sein Herrchen.
Hund Condor tröstet sein Herrchen. privat
Die Küken hält er mit seinem Körper warm.
Die Küken hält er mit seinem Körper warm. privat
Auch um Kätzchen kümmert er sich.
Auch um Kätzchen kümmert er sich. privat
Prenzlau.

Dass Hunde manchmal neben ihren Besitzern schlafen dürfen, ist keine Seltenheit. Auch Katzen und Zwerghasen sollen es wohl ab und an in die Schlafstube ihrer Zweibeiner schaffen, sagt man. Küken als Bettnachbarn dürften hingegen eine Rarität sein. Bei Sven Dade ist diese Konstellation allerdings fast an der Tagesordnung. Aktuell schlummert des Nachts wieder ein kleiner Zögling neben ihm auf dem Nachttisch.

Der 53-Jährige hat kleine Kistchen gebastelt, in denen Hühnerbabys schlafen dürfen, wenn sie von ihrer Mutter abgelehnt werden. Das sei gar nicht so selten, wie der gelernte Zootechniker sagt: „Die Glucke ist gnadenlos, wenn nach dem Schlüpfen ein Küken nicht stark genug ist. Das schubst sie weg – zum Sterben.” Aber er selbst könne bei diesen schutzlosen, kleinen Wesen nicht wegsehen, wirbt der Uckermärker um Verständnis: „Ich muss dann eingreifen.”

Blau angelaufen

Der Vater eines 19-jährigen Sohnes päppelt solche Unglücksraben auf seinem Bauernhof bei Schwedt wieder auf. In diesem Jahr sei er schon das vierte Mal als Pfleger gefragt gewesen, wie Sven Dade erzählt. Vor sechs Tagen hatte er entdeckt, dass abermals ein kleines, noch fast nacktes Federknäul blau angelaufen neben einem Ei lag.

„Das habe ich mir dann geschnappt, gestreichelt und in die Hemdtasche gesteckt”, verrät der aus Ferdinandshorst bei Prenzlau stammende Mann, der vor ein paar Jahren zu seiner späten Liebe nach Wendemark gezogen ist. Körperwärme helfe in dieser Situation mehr als man glauben möchte, betont der langjährige Melker: „Und Spucke. Ja, ich weiß, dass sich das erstmal eklig anhört. Aber die Küken brauchen Flüssigkeit. Die gebe ich ihnen in den ersten Tagen aus meinem Mund.” Und wenn sie dann soweit seien, dass sie Nahrung aufnehmen könnten, mahle er Getreide ganz klein oder stecke seinen Schützlingen gefangene Fliegen in den Mini-Schnabel.

Der Schauspieler

„Ich freue mich über jedes Leben, das ich so retten kann.” Dieses Kümmern mache ihn glücklich, und manchmal habe er sogar noch richtig Spaß dabei, wie Sven Dade verrät. Sein derzeitiger Pflegefall entpuppt sich beispielsweise gerade als ein richtiger Schauspieler, wie der Küken-Vater breit grinsend bilanziert: „Wie ein kleines Kind bettelt er um Aufmerksamkeit. Wenn man ihn nur einen Moment aus der Hand legt, macht er einen auf 'Ich sterbe gleich' und fällt um. So wie das Pferd bei Lucky Luke, daran muss ich dann immer denken.” Dabei fehle dem Knirps gar nichts, er werde von Tag zu Tag kräftiger. Keines des Dade`schen Hühner muss übrigens fürchten, einmal bei ihm im Topf zu landen.

„Wieso sollte ich sie schlachten? Sie schenken mir fast jeden Tag ein Ei. Da dürfen sie auch ruhig ewig leben. Das älteste Huhn ist schon sieben Jahre alt.” 30 Stück davon laufen auf seinem Grundstück rum. Sven Dade hält sein Viehzeug übrigens für richtig schlau. „Wenn ich mit meinem kleinen roten Eimer aus dem Haus komme, fangen sie schon an zu rennen. Denn dann wissen sie, dass es gleich Futter gibt.” Ab nächsten Monat bevölkern den Hof außerdem noch Enten. Die holt sich der Uckermärker aber ausschließlich zu Schlachtzwecken. „Vegetarier bin ich nämlich nicht.”

Condor hilft

Doch nicht nur die Beschäftigung mit dem Federvieh macht dem 53-Jährigen Spaß. Er liebt auch seine Katzen und seinen Hund Condor, der ihm aktuell eine ganz große Stütze ist. Sven Dade hat nämlich gerade seinen Job verloren. „Die Förderung war zu Ende, da bekam ich die Kündigung”, erzählt er leise. Ein Grund dafür könnte sein schlimmes Rheuma gewesen sein, vermutet der Familienvater: „Es ist nicht jeder Tag gleich bei mir. Manchmal kann ich nur mit halber Kraft loslegen. Das hat aber nichts mit Faulheit zu tun. Jeder, bei dem ich schon mal tätig war, wird meinen Fleiß bestätigen.” Am liebsten wäre ihm, wenn er etwas mit Tieren oder im Grünbereich machen könnte, leichte Hof- und Ackerarbeit wäre auch möglich. „Vielleicht findet sich ja noch jemand, der mir hilft. So wie ich meinen kleinen, hilfebedürftigen Küken. Ich glaube fest daran, dass es noch mehr gute Menschen gibt.”

Telefon: 0152 55697372

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