Drei Jahre lang hörte ein Wildschwein auf den Namen des russischen Präsidenten. Jetzt soll er umbenannt werden.
Drei Jahre lang hörte ein Wildschwein auf den Namen des russischen Präsidenten. Jetzt soll er umbenannt werden. (Symbolfoto) dpa
Um sich gegen Putin zu positionieren, schüttete ein Wirt Wodka weg.
Um sich gegen Putin zu positionieren, schüttete ein Wirt Wodka weg. Uwe Anspach
Wegen des Ukraine-Kriegs wollte ein Bäcker den Russischen Zupfkuchen aus dem Angebot nehmen beziehungsweise den Zusatz &b
Wegen des Ukraine-Kriegs wollte ein Bäcker den Russischen Zupfkuchen aus dem Angebot nehmen beziehungsweise den Zusatz „Russischer” von den Angebotstafeln streichen. Fotolia
Kommentar

Der umbenannte 200 Kilo-Putin und andere Absurditäten

Bestrebt, angesichts des Kriegswahnsinns ja das Richtige zu tun, treibt der Aktionismus teils wundersame Blüten, meint unsere Redakteurin Claudia Marsal.
Prenzlau

Als wir dieser Tage aus dem Österreich-Urlaub kommend, den Freistaat Bayern durchquerten, gab es beim dortigen Lokalsender nur ein einziges Thema. Reportern war in einem bajuwarischen Tierpark ein Wildschwein namens Putin aufgefallen. Seit drei Jahren kam der 200 Kilo-Koloss russischer Abstammung wohl zum Zaun geprescht, wenn man ihn so rief. Doch was die Namensgeber 2019 noch cool fanden, war den Franken jetzt mehr als peinlich. Der Leiter der Anlage erklärte deshalb, dass er es nicht mehr übers Herz bringe, den Vierbeiner mit dem Namen des „Widerlings“ herbeizulocken, und er den Keiler deshalb medienwirksam umbenennen wolle. Woraufhin sich die Hörer sofort mit Vorschlägen überschlugen.

Klitschko, komm' her!

Nun bin ich ja weder Schweine- noch Regierungschef-Experte, aber ich gehe mal davon aus, dass das Ganze den beiden Putins herzlich egal sein dürfte. Wobei der Vierbeinige von ihnen unter Umständen ein Problem bekommen könnte. Denn ob er beim Füttern fortan weiß, dass er gemeint ist, wenn der Chef Wolodymyr, Selenskyj oder Klitschko brüllt – das waren die Top 3 der Hörercharts, wage ich zu bezweifeln. ‚Na, wenn die angesichts des furchtbaren Krieges keine anderen Sorgen haben‘, sagte ich noch zu meinem Mann, nur um wenig später zu erfahren, dass ein Bäcker in Baden-Württemberg den Russischen Zupfkuchen aus der Theke nehmen beziehungsweise das „Russisch“ von den Schildern entfernen will.

Russisches Dorf

Tags darauf sah ich im Netz Bilder eines Gastwirts, der Wodka in den Ausguss kippte; wobei er auf Nachfrage einräumen musste, dass dieser wohl gar nicht aus Putins Reich kam. Dem Ganzen die Krone auf setzte am Wochenende eine Info aus dem Breisgau. Hier musste sich der Chef des Vergnügungsparks Rust dafür rechtfertigen, dass er einen Teil seines Geländes, das Russische Dorf, nicht geschlossen hält. Im Interview stand er zu seiner Entscheidung und verwies darauf, dass hier Historie abgebildet werde und zudem bei ihm Ukrainer und Russen einträchtig zusammenarbeiten würden. Letztere wegen ihrer Nationalität rauszuschmeißen, lag ihm wohl fern. Vernünftige Entscheidung, dachte ich mir, aber die Mehrheit sieht das wohl anders. Was meinen Sie: Helfen Maßnahmen wie die vorab geschilderten, das Kriegsleid zu beenden? Sind sie wichtig oder überflüssiger Aktionismus, der die Falschen trifft?

 

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Kommentare (1)

Wir sollen für die Freiheit der Ukraine frieren und die Landwirtschaft einstellen. Sozusagen "Jetzt haben wir Putin es gegeben!" Womit ich bei meinem Lieblingsthema im modernen Deutschland bin: der zunehmend maroden Bildung.