In vielen Größen muss Marion Deniz schon passen, weil die Regale leer sind.
In vielen Größen muss Marion Deniz schon passen, weil die Regale leer sind. Claudia Marsal
Marion Deniz kümmert sich mit ihrem Team um Bedürftige in Prenzlau.
Marion Deniz kümmert sich mit ihrem Team um Bedürftige in Prenzlau. Claudia Marsal
Dünne Sandalen statt dicker Stiefel.
Dünne Sandalen statt dicker Stiefel. Claudia Marsal
Kinderkleiderkammer sendet SOS

Dicke Jäckchen und kleine Schühchen fehlen

Die Spendenbereitschaft nimmt ab, doch in vielen Familien wächst die Not. Marion Deniz von der Prenzlauer Kinder-Service-Stelle sendet einen Hilferuf.
Prenzlau

„Wir müssen leider feststellen, dass die Bekleidungsspenden für die Prenzlauer Kinder-Service-Stelle weiter nachlassen. Das macht sich aktuell gerade bei warmen Wintersachen sehr bemerkbar. Es fehlt vor allem an festen Schuhen, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder”, beklagt Leiterin Marion Deniz und zeigt auf die Regale, in denen zumeist nur noch dünne Sandalen und leichte Turnschuhe stehen. Benötigt würden angesichts der sinkenden Temperaturen aber dicke Boots und gefütterte Stiefel. Einen großen Mangel gibt es mittlerweile auch bei den Kindersachen für Jungs.

Vor allem in den Größen 104 bis 164 sieht es mau aus, resümiert die Chefin der KSS, die ihren Sitz am Georg-Dreke-Ring 93 hat: „In den Regalen für die Mädchen fehlen ebenfalls die Wintersachen, besonders ab Größe 134.” Aber auch Kinderbettwäsche und Schlafanzüge sind rar, setzt sie betroffen hinzu: „Winterjacken und Schneeanzüge ab Größe 104 haben wir fast gar nicht mehr.” Das ist fatal, denn angesichts der Wirtschaftskrise sind die Zahlen der Bedürftigen in die Höhe geschnellt. Immer mehr Menschen sind auf Unterstützung von Kleiderkammern und Suppenküchen angewiesen.

Höchste Inflationsrate

„Die jetzt zweistellige Teuerung ist die höchste jemals gemessene Inflationsrate seit dem Zweiten Weltkrieg”, sagte Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin bereits im Oktober in Gespräch mit dpa: „Das wird leider dazu führen, dass es Wohlstandsverluste gibt. Das wird die Mehrheit der Menschen betreffen.” Laut Statistischem Bundesamt ist etwa ein Drittel der Menschen nicht mehr in der Lage, unerwartete Rechnungen zu bezahlen. Grabka, beim DIW Experte für Verteilungsfragen, konstatierte: „Bei diesen Menschen ist jetzt die Verunsicherung besonders groß. Das geht bis in die Mittelschicht hinein.”

Schon 2021 waren nach Daten des Statistischen Bundesamts rund 13 Millionen Menschen in Deutschland armutsgefährdet, 15,8 Prozent der Bevölkerung. Laut Definition sind das Menschen, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügen. Derzeit sind das laut Grabka für einen Einpersonenhaushalt 1266 Euro monatlich. Der Paritätische Gesamtverband bezeichnet laut dpa sogar 13,8 Millionen Menschen oder 16,6 Prozent als arm.

Keine Rücklagen mehr

„40 Prozent der Haushalte haben überhaupt keine Rücklagen und können auch keine bilden”, sagte Ulrich Schneider, der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, der Presseagentur dpa. Er hält die Teuerungskrise für weit schlimmer als die Corona-Pandemie.

Marion Deniz ist darüber bestens im Bilde, denn sie und ihre Mitstreiter sind mit ihrem kleinen Verein nicht nur mit der Kleiderkammer aktiv: „Wir unterstützen Hilfebedürftige viel umfassender. Beispielsweise durch ergänzende Angebote von der mobilen Bürgerhilfe, wo wir Gespräche führen, oder bei der Weitervermittlung an andere bestehende Hilfsangebote von Netzwerkpartnern.” In der aktuellen Krise sieht die 62-Jährige allerdings nicht nur die Not ihrer Mitmenschen. Die Prenzlauerin konstatiert ebenfalls betroffen, dass die Helfer selbst in Schwierigkeiten geraten, vor allem durch die gestiegenen Kosten für Strom und Betriebskosten: „Das sind schon schlimme Zeiten; auch für kleine, gemeinnützige Vereine und Initiativen.”

Telefon: 0163 8354596

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