KINDHEITSERINNERUNGEN

Die fast vergessene Kunst des Murmelns

Stubenarrest war früher die schlimmste Strafe für Kinder. Freizeit spielte sich damals meist draußen ab. Uckermärker erinnern sich...
Claudia Marsal Claudia Marsal
Dieses Bild zeigt die einstige Vizemeisterin im Sandbahnmurmeln, Casta Toll aus Angermünde.
Dieses Bild zeigt die einstige Vizemeisterin im Sandbahnmurmeln, Casta Toll aus Angermünde. Patrick Pleul
Prenzlau.

Petra Kemnitz ist Jahrgang 1961, hat also noch miterlebt, dass sich die Kindheit vornehmlich im Freien abgespielt hat. Umso glücklicher war die Milmersdorferin, als sie jüngst im Uckermark Kurier einen Artikel über die hohe Kunst des Murmelns las. Die 58-Jährige sandte uns daraufhin ihre Erinnerungen daran. Man musste nur ein ebenes Gelände mit festem Sandboden suchen und mit dem Absatz ein Loch ins Erdreich drehen: Hacke aufsetzen, Fußspitze anheben, um die eigene Achse drehen, Rand vom Loch flach zum Gelände glätten, damit die Murmeln ohne Hindernisse rollen können. Dann wurden die  Murmeln verteilt. Je Kind gab es die gleiche Anzahl, meistens fünf.

Abstand zum Murmelloch

Dann musste man mit ein paar Schritten Abstand zum Murmelloch einen Querstrich als Startlinie ziehen. Im Anschluss wurde eine Murmel auf die Linie gelegt und mit dem gekrümmten Zeigefinger und viel Schwung in Richtung Loch geschubst. So ging das reihum. Wenn die Murmel im Loch war, durfte man die nächste nehmen. Jeder Teilnehmer hat reihum einen Schuss, bis alle Kugeln im Loch waren, ähnlich wie beim Golf. Wer zuerst alle drin hatte, war der  Gewinner und bekam als Lohn die Murmeln der anderen Spieler, die durch den Spielverlauf schon im Loch waren. Man trat dann wieder erneut gegeneinander an und konnte seine Murmeln zurück gewinnen, oder auch nicht.

Wertvoller Schatz

Es konnte durchaus sein, dass man mit seinem „Schatz“, dem vollen Murmelbeutel, zum Spielen antrat und mit leerem Säckchen nach Hause ging. Wenn es ganz schlecht lief,  wurden später im Dorfkonsum neue gekauft. Oder der Papa brachte aus der Werkstatt Nachschub von kaputten Kugellagern mit. Unsere Leserin weiß noch, dass es unterschiedliche Arten gab, beispielsweise die bunten „Bugger“ aus Steinzeug in unterschiedlichen Größen. Noch wertvoller waren aber „Stahler“ - also Stahlkugeln oder Walzen aus defekten Kugellagern. Als King galten die Besitzer der „Glaser“, die gab es selten, meist aus dem „Westen“.

Oft geschachert

Mit Murmeln wurde auch oft geschachert, also getauscht. Kurs: Zehn „Bugger“ gegen eine „Glaser“ oder eine „Stahler“ gegen fünf „Bugger“. „Wir hatten auf jeden Fall Spaß. Mit diesem Spiel haben wir uns stundenlang im Freien die Zeit vertrieben, genauso wie mit Gummi-Hopse oder Springseil. Macht heute leider keiner mehr“, bedauerte sie abschließend. Auch Eberhard Schulz meldete sich auf den Murmel-Artikel zu Wort. Der 72-Jährige erinnert sich noch gern an dieses Spiel zurück. Der Prenzlauer weiß bis heute, wie wertvoll die "Glaser" waren. Er persönlich hatte aber die dicken Stahlkugeln am liebsten.

Können Sie sich noch erinnern? Dann schreiben Sie uns doch oder rufen Sie an. Telefon 03984 864712

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