ANWESEN VERKAUFT

Die schwerkranke Frau Holle in der Uckermark gibt auf

24 Jahre lang wurden Besucher in Metzelthin in sagenhafte Welten entführt. Damit ist jetzt aus ganz persönlichen Gründen Schluss.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Sigrid Hollendorf gibt nach 24 Jahren auf.
Sigrid Hollendorf gibt nach 24 Jahren auf.
Metzelthin.

Die meisten Märchen nehmen ein gutes Ende. Das von Frau Holle aus Metzelthin leider nicht. Noch bis Herbst 2018 hatte die 66-Jährige um die Rettung ihres Refugiums gekämpft. Sigrid Hollendorf suchte händeringend nach jemandem, der ihr Lebenswerk, das „Metzelthiner Märchenland“, weiterführt. Doch der Traum ging nicht in Erfüllung. Aktuell ist die schwerkranke Rentnerin dabei, ihr Anwesen zu räumen. Nach 24 Jahren wandern die, einst von Jens Mielke aus Lychen mit viel Liebe gefertigten Märchenfiguren, in den Fundus eines Feriendorfes. Auch den Backofen, den Märchenbrunnen und den Rapunzelturm – allesamt gefertigt von ihrem Mann – werden sie zurücklassen müssen.

Neuer Besitzer will Anwesen übernehmen

Der neue Besitzer der Immobilie drängt verständlicherweise, dass die Familie das Haus verlässt. „Man glaubt ja gar nicht, was sich im Laufe der Zeit so alles angesammelt hat“, wirbt die Uckermärkerin um Verständnis dafür, dass es vielleicht doch etwas länger dauert als versprochen.

Wer sie kennt, wird darüber nicht verwundert sein. Schließlich lebte „Frau Holle“ ihre Rolle von der ersten Minute an mit Leib und Seele. Tausende Kinder hat sie in den vergangenen Jahren in sagenhafte Welten entführt und dafür gesorgt, dass Familien entspannte Stunden hatten.

Bisherige Betreiberin schwer erkrankt

Dass es das fortan nicht mehr geben soll, kann sie selbst am allerwenigsten begreifen. Doch ihre Krankheit hat sie in die Knie gezwungen, da ist Sigrid Hollendorf ganz ehrlich. „Man muss wissen, wann Schluss ist“, sagt die lange über den Kulturbund beschäftigte Frau. Dankbar an sie zurück erinnern werden sich vermutlich einige Uckermärker, die über Arbeitsbeschäftigungsmaßnahmen im „Märchenland“ wieder eine sinnvolle Beschäftigung fanden. Auch die ehemalige Lehrerin selbst blickt gern auf das Vergangene zurück.

„Aber jetzt ist es Zeit, nach vorn zu schauen“, sagt sie pragmatisch, dankbar, ein erfülltes Leben gehabt zu haben. Jetzt will sie mit ihrem Mann in Templin Fuß fassen. Nach dem Verkauf des Hauses hat das Paar in der Kurstadt eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung angemietet. „Das wird eine Umstellung, keine Frage. Aber meine Gesundheit setzt mir Grenzen, die nicht zu ignorieren sind.“

Familie gibt der Rentnerin Kraft

Die mehrfache Oma möchte noch so viel Zeit wie möglich mit ihrem Mann und der Familie verbringen. Vor ein paar Tagen erst wurde das fünfte Enkelkind geboren. Ereignisse wie dieses geben ihr noch Kraft, auch wenn die Ärzte längst ihr Ende prophezeit haben. Viele Menschen hätten den Tod vor Augen, und jeder habe eine eigene Art, damit umzugehen, sagt sie im Interview.

„Ich versuche, mir die Zukunft schlecht zu reden“, verrät die kleine, humorvolle Frau schmunzelnd. „Wenn ich sehe, was in der Welt so los ist, fällt das manchmal auch gar nicht schwer“, setzt sie mit Verweis auf die unhaltbaren Zustände an den Schulen hinzu. Zu ihrer aktiven Zeit im Schuldienst habe das Unterrichten noch Spaß gemacht.

Ein großes Herz für Kinder

„Ich liebe Kinder über alles, deshalb habe ich mich ja auch so für den Ausbau des ‚Märchenlandes‘ eingesetzt. Aber die Zeiten haben sich geändert.“ Sigrid Hollendorf hofft, dass sie die vielen Besucher in guter Erinnerung behalten. Vor allem, weil sie längst nicht überall mit Verständnis für die Verkaufsentscheidung rechnen konnte. „Die Leute dürfen mir nicht böse sein. Glauben Sie, wenn ich gekonnt hätte, wäre ich weiter ‚Frau Holle‘ geblieben.“ Ihr letzter Dank gilt Horst Höle, dem Mann, der als „Hexe“, mit ihr bis zuletzt die Stellung in Metzelthin gehalten hat.

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