UCKERMARK-ABSCHIED

Eine Weltenbummlerin kehrt wieder heim

23 Jahre lang war die Uckermark Magdalena Fuchs' Zuhause. Doch jetzt geht die Schwanebergerin weg. Mit dafür verantwortlich ist der Tod ihres Mannes.
Magdalena Fuchs nimmt wenig mit ins neue Domizil. Aber ihre beiden Hunde sind mit von der Partie.
Magdalena Fuchs nimmt wenig mit ins neue Domizil. Aber ihre beiden Hunde sind mit von der Partie. Claudia Marsal
Das Anwesen in Schwaneberg hat neue Besitzer gefunden.
Das Anwesen in Schwaneberg hat neue Besitzer gefunden. Claudia Marsal
Prenzlau.

Kurz vor ihrem 75. Geburtstag bereiten sich einige Menschen gedanklich sicher schon auf den Umzug ins Altersheim vor. Nicht so Magdalena Fuchs. Sie geht seit jeher eigene, unkonventionelle Wege. Wer die Schwanebergerin kennt, wird über ihre nächsten Pläne daher kaum erstaunt sein. Die agile Mutter eines 53-jährigen Sohnes packt zurzeit Koffer, weil sie in ihre alte Heimat Österreich zurückgehen wird. Sie hatte das Land in den Alpen einst ganz jung verlassen – „aus purer Neugier auf die große, weite Welt.“ Von 1966 an lebte sie an ganz vielen anderen Ländern. 1997 verschlug es sie schlussendlich in die Uckermark, von wo aus sie dank der Autobahnnähe zu ihren Jobs in die Hauptstadt pendeln konnte. Doch nach knapp 23 Jahren in Schwaneberg hat sich die langjährige Chefsekretärin der Charité nun ein kleines, hübsches Bauernhaus in Kärnten gekauft.

Kauf aus der Ferne

Ihr neues Domizil kennt Magdalena Fuchs bislang nur von Bildern. Aufgrund des coronabedingten Reisestopps hatte sie vor ihrem Umzug selbst noch keinen Blick auf das Anwesen werfen können. Die Verhandlungen in Österreich begleiteten ihr in der Nähe lebender Bruder und ihr Neffe. „Ich hatte da vollstes Vertrauen. Wenn sie sagen, es passt, dann wird das schon stimmen“, gesteht sie lachend im Interview mit dem Uckermark Kurier.

Maßgeblich verantwortlich für den Entschluss, Deutschland im Alter wieder zu verlassen, sei der Tod ihres Mannes vor zwei Jahren gewesen, sagt die Witwe nachdenklich. Ohne seine Unterstützung habe sie sich mit dem riesigen Hof samt der über 20 Tiere zunehmend überfordert gefühlt, blickt die Pferdeliebhaberin zurück. Daran konnte auch die tatkräftige Hilfe ihrer Nachbarn letztlich nichts ändern, wie sie rückblickend sagt. „Obwohl ich mit denen wirklich Glück hatte, richtig viel Glück“, wie sie dankbar ergänzt. „Die Schwaneberger haben mir seit meiner Ankunft im Oktober vor 23 Jahren mit Rat und Tat zur Seite gestanden, um das Haus und den Hof erst mal bewohnbar zu machen“, resümiert sie dankbar: „Ich war nach meinem ersten Besuch hier zwar total begeistert, was das Anwesen anbelangte, aber wenig zuversichtlich, dass es vorm Abriss zu retten ist. Das stand nur eine Ruine in einem katastrophalen Zustand. Am Ende war es mein toller Mann, der merkte, wie sehr ich das hier wollte. Er hat gesagt: Wir kaufen das jetzt. Wir schaffen das.“

Wunderbare Ärztin

Zu großem Dank verpflichtet sei sie auch ihrer „wunderbaren Ärztin Hanka Vallentin, die mir in den Folgejahren aus einer schweren Erkrankung herausgeholfen hat. Ein Dank geht außerdem an alle Leute in der Gemeinde, die mir ihr Vertrauen geschenkt hatten, mich im Gemeinderat für ihre Interessen einzusetzen. Nicht zu vergessen der Uckermark Kurier, durch den mir folgende Chancen eröffnet wurden: Ein Aufruf des Wallmower FCKW zum Mitmachen beim Karneval und Auftritten bei privaten Feierlichkeiten brachte mir Tanzen und Fröhlichkeit. Das hat mit bewirkt, dass die Folgen meiner Erkrankung schnell abgemildert werden konnten. Ein Inserat der „Akademie 2. Lebenshälfte“ in der Zeitung motivierte mich danach zu einer Ausbildung zum Touristenführer. In der Folge konnte ich viele Reisegruppen in Tagesausflügen mit unserer schönen Uckermark bekannt machen. Ein Angebot eines Taxiunternehmens zum gelegentlichen Krankentransport fand ich ebenfalls in der Zeitung und konnte damit in sehr interessanter Weise meine Rente aufbessern. Nicht zu vergessen der Aufruf von Dr. Dieter Korth zu einem literarischen Treffen im Dominikanerkloster und sein darauf folgendes Engagement zur Bildung des Prenzlauer Autorenkreises. Das bewirkte viele interessante Jahre und nette Bücher der Autoren dieser Gruppe. Dank an das Dominikanerkloster, in dessen Bibliothek unsere Autorengruppe allmonatlich tagen durfte.“

Nette Künstler

Sehr gern zurück denkt Magdalena Fuchs zudem an alle Künstler, die bereitwillig ihre Ateliers für ihre Touristengruppen geöffnet hatten und den Besuchern gerne alle Fragen beantworteten.

„Jetzt übergebe ich den Hof in jüngere, kräftigere Hände, die voll Begeisterung vieles noch viel schöner gestalten werden“ – Magdalena Fuchs ist überzeugt, dass sich alles zum Guten wendet. Sie sagt das voller Sympathie für die neuen Besitzer. Die gelernte Bürokauffrau wünscht den zwei Männern aus Berlin, dass sie ebenso tatkräftig unterstützt werden wie sie bei ihrer Ankunft. Und um ihnen den Start in Schwaneberg zu erleichtern, hat die 74-Jährige für den 29. Juli eine große Party vorbereitet, auf der sich beide Seiten begegnen sollen. „Nur geladene Gäste, ich bitte das zu verzeihen, aber ein öffentliches Fest hätte den Rahmen gesprengt.“ Sie selbst hat an diesem Tag noch wichtige Behördengänge vor sich. Denn den bürokratischen Aufwand des Wohnortwechsels über Ländergrenzen hinweg hatte die vor Jahren schon eingebürgerte Deutsche unterschätzt. Vor allem die Neuversicherung bei einer Krankenkasse erwies sich als große Hürde bei ihrem Plan, im Geburtsland in der Nähe ihrer Verwandten den (Un-)Ruhestand bestreiten zu können.

 

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