Von links: Carla Kniestedt (Bündnis 90/Grüne, MdL), Cornelia Willing und Martina Hübner
Von links: Carla Kniestedt (Bündnis 90/Grüne, MdL), Cornelia Willing und Martina Hübner Oliver Hauck
Von links: Cornelia Willing, Martina Hübner und Carla Kniestedt (B´90/Grüne, MdL).
Von links: Cornelia Willing, Martina Hübner und Carla Kniestedt (B´90/Grüne, MdL). Oliver Hauck
Sterbebegleitung in der Uckermark

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Der „Uckermärkische Hospizverein e.V.” ermöglicht Schwerstkranken, ihre letzte Lebensphase in Würde und Selbstbestimmung zu verbringen.
Prenzlau

Die rund fünfzig ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins sind engagierte Menschen aus den verschiedensten Berufsgruppen zwischen 25 und 75 Jahren. Sie haben sich intensiv mit den Themen Krankheit, Sterben, Tod und Trauer auseinandergesetzt und wurden in einem einjährigen Kurs sorgfältig auf ihre ehrenamtliche Aufgabe vorbereitet. Cornelia Willing, Koordinatorin des Vereins, und Martina Hübner, ehrenamtliche Hospizbegleiterin, begrüßten in dieser Woche die Landtagsabgeordnete Carla Kniestedt (B´90/Grüne), die nach Prenzlau gekommen war, um sich über die Arbeit des Vereins zu informieren.

„Ambulante Hospizarbeit ist etwas ganz Wertvolles”, sagt Cornelia Willing, „weil Menschen am liebsten zu Hause sterben möchten. Wir ermöglichen ihnen das, indem wir ihnen Helfer an die Seite stellen, die sie unterstützen, ihnen zuhören und die für sie da sind.” Martina Hübner, die zugleich Mitglied des Vorstands ist, ergänzt: „Wir sind nicht pflegerisch oder medizinisch tätig, sondern bringen Zeit mit für Gespräche, zum Vorlesen, Rausgehen und zur Entlastung der pflegenden Angehörigen. Wir gehen in Krankenhäuser, Heime und in stationäre Hospize, dahin, wo die Sterbenden im Moment zu Hause sind.”

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Manche Sterbende hätten einen großen Gesprächsbedarf, andere gar nicht. „Zum Beispiel möchte ein Mensch noch seine Lebensgeschichte aufschreiben, kann aber nicht mehr selbst schreiben. Ein anderer hat furchtbare Angst und braucht jemanden, der seine Hand hält und einfach durch Körperkontakt für ihn da ist.” Der letzte Weg bringe Sterbende und Angehörige auch in Konflikte, Dinge würden nicht ausgesprochen, weil man sich gegenseitig nicht belasten wolle, so Willing. Da sei es gut, wenn von außen jemand dazukommt, der erst dem einen, dann dem anderen zuhört und beide schließlich zusammenbringt. Dann plötzlich könne der Sterbende darüber sprechen, wie er beerdigt werden möchte oder, dass er keine medizinische Behandlung mehr wünscht, außer schmerzfrei gehalten zu werden.

Wer kann Sterbebegleiter werden? Cornelia Willing: „Wer das machen möchte, sollte mit sich selbst im Reinen und gefestigt sein. Wir laden die Menschen zu einem Gespräch zum Kennenlernen ein und fragen sie, welche Erlebnisse sie mit Tod und Sterben hatten. Unsere ehrenamtlichen Helfer durchlaufen einen 14-monatigen Vorbereitungskurs. Mancher merkt dabei, dass er die Auseinandersetzung mit Themen wie Selbsterfahrung und Trauer zunächst für sich selber braucht. Wenn er dann sicher genug ist, kann er auch für andere da sein. Und selbst wenn er während dieser Schulung sagt: ich traue es mir nicht zu, meine Situation erlaubt es grade nicht, dann nimmt er trotzdem in die Welt mit, was er dabei gelernt hat.”

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Willing und Hübner wünschten sich, dass an Schulen in Persönlichkeitsbildung investiert würde. Fachwissen werde genug vermittelt. „Intellektuell haben wir uns gebildet, aber Herzensbildung und Persönlichkeitsentwicklung, da ist viel verloren gegangen”, glaubt Willing. Als weiteres Thema liegt ihr die Trauerarbeit am Herzen: „Wir haben eine Trauergruppe ins Leben gerufen, die sich für einen Zeitraum von 13 Monate trifft, damit wir mit den derzeit acht Teilnehmern je ein Mal Geburtstag, Hochzeitstag, Todestag des Angehörigen, Weihnachten und Ostern erleben können. Die Gruppe wird von Ehrenamtlichen begleitet, die dafür eine spezielle Schulung erhielten.” Bei der Trauerarbeit sei es aber auch wichtig, Einzelgespräche anbieten zu können, wie es Cornelia Willing vorrangig tut. Für die Ausbildung von sechs bis acht weiteren Ehrenamtlern zu diesem Zweck benötige der Verein 7000 Euro. „Für Trauerarbeit gibt es kein Geld von den Krankenkassen, obwohl sie hohe Kosten für Psychologen und stationäre Aufenthalte sparen, wenn Menschen einen Anlaufpunkt haben, wo sie über ihre Trauer reden können”, so Willing.

Die gelernte Krankenschwester Cornelia Willing und die Psychologin Martina Hübner sind an tatkräftiges Anpacken ohne Jammern gewöhnt und betonen zum Abschluss: „Wir machen diese Arbeit mit Herzblut und großer Freude. Für uns gibt es keine schönere Tätigkeit als diese und wir haben tolle Mitarbeiter an unserer Seite.”

Spendenkonto des „Uckermärkischen Hospizvereins” bei der Sparkasse UckermarkIBAN: DE62 1705 6060 3571 0037 20BIC: WELADED1UMP

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