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Henning Ihlenfeldt war ganz aus dem Häuschen, als er in einem alten DDR-Katalog auf genau die Anzeige stieß, mit der der Strandkorb damals beworben wurde. privat
Bäckermeister Henning Ihlenfeldt
Bäckermeister Henning Ihlenfeldt Claudia Marsal
Auktion

Dieser DDR-Strandkorb passte sogar in den Trabi

Henning Ihlenfeldt freut sich schon auf die nächste „Kunst&Kuriosa“ in Fürstenwerder. Dort kommt ein besonderes Stück aus dem Osten unter den Hammer.
Fürstenwerder

Kataloge sind keine Erfindung des Westens. Auch zu Ost-Zeiten konnten Bürger besondere Waren schon per Versand ins Haus bestellen, erzählt Henning Ihlenfeldt. Der geschichtsinteressierte Uckermärker ist sogar noch im Besitz eines alten Exemplars. Dabei handelt es sich um die Herbst/Winter-Ausgabe der Jahre 1974/1975, deren Herausgeber das Konsument-Warenhaus aus Karl-Marx-Stadt war. Den 150 Seiten starken Katalog zieht der 68-Jährige aus Fürstenwerder gern zu Rate, wenn er bei Führungen durch die Heimatstube seines Ortes nach Preisen in der einstigen DDR gefragt wird.

„Vieles weiß man ja noch“, versichert der pensionierte Bäckermeister: „Aber bei manchen Dingen komme sogar ich ins Staunen.“ Alles, was mit der Zeit vor der Wende zu tun habe, sei höchstinteressant für die Besucher, bilanziert der Ehrenamtler. Mit der Sonderausstellung „Haushaltstechnik made in GDR“ habe man deshalb voll ins Schwarze getroffen, setzt er stolz hinzu. Diesen Bereich des Heimatmuseums würde der Initiator gern noch erweitern.

Geld für den Verein

Doch alles, was dort angeschoben wird an Projekten, kostet Geld. Geld, das vom Verein erst erwirtschaftet werden muss. Gute Anlässe dafür sind die jährlichen Auktionen „Kunst & Kuriosa“, die im Andenken an ihren, 2013 verstorbenen Ideengeber Oliver Spitza bis heute fortgeführt werden. Die nächste Versteigerung soll im Mai 2021 stattfinden und möglichst viele Euro in die leeren Kassen spülen. Einen Publikumsmagneten hat Henning Ihlenfeldt schon aufgetrieben. Doch noch steht das gute Stück in der Lausitz. Dabei handelt es sich um einen, bei DDR-Bürgern einst immens beliebten transportablen Leicht-Strandkorb. „Dieser war so begehrt, weil er in den Trabi-Kofferraum passte“, verrät der Rentner lachend. Der Verkaufspreis für das gleichermaßen hübsche wie praktische Strandzubehör lag einst bei 250 Ost-Mark.

Diese Information wiederum hat Henning Ihlenfeldt dem besagten Konsument-Katalog entnommen. Das war viel Geld, wenn man in Betracht zieht, dass das monatliche Durchschnittseinkommen in der DDR im Jahr 1970 bei 755 Mark lag. Aber dafür hatte das Modell „Duett“ ja auch einiges zu bieten, wie die Katalogmacher damals versicherten. Sie priesen in der Anzeige das leichte und bequeme Verstellen der Sitz- und Liegeflächen sowie den Sonnen- und Windschutz durch strandkorbähnliche Dach- und Seitenverkleidung an. Auch die Fußteile mit Kunstlederbezug sowie die Sitzfläche aus strapazierfähigem Gewebe mit synthetischem Vlies waren wohl eine Besonderheit.

Nur 20 Kilo schwer

Kaum zu glauben ist zudem das Gewicht der Rarität. Bei Maßen von 1,15/0,8/1,45 Metern brachte es der „Duett“ auf gerade mal 20 Kilo. Er konnte also auch von der Frau des Hauses bequem an den Strand gebracht werden. Ihlenfeldt verdankt diesen Schatz seinem ehemaligen Studienfreund Gerd Rückert, der bis zur Rente eine Bäckerei im Süden Deutschlands betrieben hat und auf Baumkuchen spezialisiert war. „Die leckeren Kuchen habe ich für ihn vor Weihnachten immer bei mir im Laden mit angeboten“, erinnert sich der Fürstenwerderer schmunzelnd zurück. So habe sich ihre Freundschaft über die Jahre intensiviert. Der Familienvater aus der Uckermark kann es deshalb kaum erwarten, dass die Corona-Beschränkungen wieder gelockert werden, sodass er den alten Kumpel besuchen und den Dachbodenfund abholen darf. Denn das nächste Studientreffen lässt noch auf sich warten. „Erst 2022 haben wir unser goldenes Jubiläum.“

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