JUGENDFEUERWEHR

Dieser Lkw-Fahrer holt die Kids vom PC weg

Viele Eltern verzweifeln, weil ihre Kinder in der Freizeit nur gammeln. Das muss nicht sein, sagt ein Vater aus Dauer und schmeißt das Feuerwehrauto an.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Tino Maier kommt gern mit seinem „LF 2016“ angefahren, um auf Dorffesten die Kinder durch den Ort zu kutschieren. Er sieht
Tino Maier kommt gern mit seinem „LF 2016“ angefahren, um auf Dorffesten die Kinder durch den Ort zu kutschieren. Er sieht das als beste Gelegenheit der Nachwuchsgewinnung, wie der Uckermärker versichert. Claudia Marsal
Dauer.

Tino Maier hat selbst einen kleinen Sohn. Ole ist acht Jahre alt. Sein Papa kennt also schon die Angst aller Eltern, dass der Nachwuchs in der Freizeit vor Langeweile auf dumme Gedanken kommt. Damit das nicht passiert, hat sich der 38-Jährige ein Ehrenamt übergeholfen. Seine Ortsfeuerwehr musste den Mann aus Dauer nicht lange betteln, als es um die Neubesetzung des Jugendwart-Postens ging. „Wenn jeder sagt, dass er das nicht machen will, findet sich am Ende gar keiner dafür“, blickt der Uckermärker auf die Zeit der Entscheidungsfindung zurück. Daher habe er sich ein Herz gefasst und zusätzlich zu seinen Aufgaben als stellvertretender Ortswehrführer noch dieses Ehrenamt übernommen. „Extra Geld gibt‘s dafür nicht“, stellt der gelernte Kraftfahrer klar.

Einmal Lunte gerochen

Auch auf Dank dürfe man nicht hoffen, setzt er lachend hinzu. Für ihn sei die Begeisterung der Kinder schon das schönste Dankeschön, erklärt Tino Maier seine ganz einfachen Beweggründe, sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Er selbst war 13, als er Lust auf die Feuerwehr bekam, erinnert sich der bei einem Prenzlauer Containerdienst beschäftigte Mann. Einmal Lunte gerochen, ließ ihn die Sache nicht mehr los.

„So geht es wohl den meisten von uns“, versichert der Familienvater: „Und letztlich ist es doch ein schönes Gefühl, wenn man anderen helfen kann“, stellt der Brummi-Fahrer heraus. Ihn müssen die Organisatoren der umliegenden Dorffeste deshalb nicht lange bitten, wenn es darum geht, die Events mit Feuerwehrtechnik zu unterstützen. „Viele Kinder sitzen dann zum ersten Mal in einem Feuerwehrauto“, sagt er dem Uckermark Kurier – aus dem Fahrerfenster seines „LF 2016“ grinsend. Solche Touren mit den Knirpsen weckten bei ihm stets Erinnerungen an die eigene Kindheit, verrät er lachend. Und dass Nachwuchsarbeit wichtig sei, beweise ja die Tatsache, dass viele Junioren später in die richtige Wehr nachrückten.

Wieder ein Kamerad mehr

Sein Team zählt zurzeit 21 Aktive und sieben Kameraden in der Alters- und Ehrenabteilung, hinzu kommt die starke Kindergruppe. „Besser, sie sind in der Freizeit bei uns, als dass sie abgammeln oder irgendwelche Sachen aushecken.“ Stolz ist der Vizechef der Göritzer Wehr, dass 2019 ein neuer Kamerad dazu gekommen ist. „Er war früher mal bei uns, hat ein Haus gekauft und ist jetzt mit Familie in die alte Heimat zurückgekehrt“, erzählt Tino Maier. Von großem Vorteil sei, dass dieser Kamerad hauptberuflich bei der PCK-Feuerwehr beschäftigt sei. Umso mehr müsse man aber anerkennen, dass er sogar in seiner sicher knapp bemessenen Freizeit bereit sei, der Ortswehr unter die Arme zu greifen. „Solche Leute braucht die Uckermark“, versichert Tino Maier und ruft dazu auf, sich in den freiwilligen Feuerwehren zu engagieren. „Jeder kann mal in die Situation kommen, dass er Hilfe braucht. Was, wenn er den Notruf wählt und niemand kommt?“

zur Homepage