HOTELBETT-ZWANG

Dieser Trucker lobt das Kabinenschlafverbot: längst überfällig

Lkw-Fahrer Henry Kolster findet, dass sich Berufskollegen zu viel gefallen lassen. Er hat wegen besserer Arbeitsbedingungen in Dänemark angeheuert.
Henry Kolster hofft, dass sich für ausländische Fahrer etwas zum Guten wendet.
Henry Kolster hofft, dass sich für ausländische Fahrer etwas zum Guten wendet. Privat
Prenzlau.

„Gut gemacht“ – Trucker Henry Kolster hat für das neue Mobilitätspaket der EU für Lkw-Fahrer nur Lob übrig. „Es war längst überfällig, dass die EU da mal zwischengehauen hat“, sagt der 63-Jährige und meint damit vornehmlich die schlechten Arbeitsbedingungen, mit denen insbesondere die Kollegen aus Osteuropa leben müssten.

Er selbst hat mit 56 Jahren nochmal den Wechsel zu einer dänischen Spedition gewagt. Vor allem des Geldes wegen – „hier bekomme ich viel mehr“, versichert der Lkw-Fahrer: „Und der Umgangston ist ein anderer.“ Im ganzen skandinavischen Raum sei zu beobachten, dass die Firmen um ein Vielfaches kollegialer und fairer mit den Mitarbeitern umgingen, berichtet Henry Kolster im Interview mit dem Uckermark Kurier.

Super Gewerkschaften

Dafür nehme er die weite Entfernung zum Wohnort in Kauf. „Schuld“ an den besseren Arbeitsbedingungen seien vor allem die Gewerkschaften, die in Dänemark eine enorme Schlagkraft hätten, setzt er hinzu. Die Spediteure wüssten auch, dass der Staat arbeitsrechtliche Verstöße hart ahnde, führt Henry Kolster weiter aus. Quasi Lernen durch Schmerz, denn die Strafen hätten es in sich, sagt der Trucker, der vornehmlich Chemie durch die Lande fährt, und lacht.

Dass die EU da jetzt in allen Ländern schärfer hinschauen werde, findet er super. Kolster ermuntert seine Berufskollegen deshalb, sich schlechte Behandlung nicht mehr gefallen zu lassen. „Wir Fahrer sind doch mittlerweile Goldstaub geworden. Und so muss man dann auch mit uns umgehen.“ Er kann beispielsweise nicht verstehen, dass mit der Umsetzung des Mobilitätspakets die Trucker nun Angst vor den Hotelkosten bekämen.

Firmen in der Pflicht

„Die muss doch nicht der Fahrer bezahlen. Dafür hat der Betrieb aufzukommen. Die Firma ist in der Pflicht, sich um vernünftige Übernachtungsmöglichkeiten zu kümmern. Und wenn sie das nicht will, dann muss sie sich andere Mitarbeiter suchen – so zu den schlechten Konditionen noch welche zu finden sind.“ Der Witwer erläutert, dass deutsche Lkw-Fahrer im Schnitt auf 2200 Euro brutto im Monat kämen. Letten, Litauer und andere Osteuropäer würden noch viel schlechter bezahlt. „In Skandinavien könnten sie mitunter das Doppelte verdienen“, zeigt er Perspektiven auf. Der zweifache Vater wünscht sich, dass die Speditionen, die in den letzten Jahren fleißig ‚ausgeflaggt‘ und billige, ausländische Subunternehmer gebunden hätten, jetzt dafür vollumfänglich zur Verantwortung gezogen würden.

Sklaverei abschaffen

„Denn genau darauf zielen die neuen Festlegungen ab. Hier will niemand die Fahrer bestrafen oder ihnen das Schlafen in der Koje verbieten. Das dürfen sie ja weiterhin. Nur nicht ständig, und nicht wie viele Osteuropäer ein halbes Jahr lang und mehr am Stück. Das grenzt doch an Sklaverei und gehört endlich unterbunden. Die armen Jungs tun mir immer sowas von leid, wenn wir irgendwo zusammen stehen. Sie haben es verdient, dass man sich um sie gekümmert hat.“ In Kolsters Augen hat die EU damit nach langer Zeit mal wieder ein vernünftiges Gesetz auf den Weg gebracht, für das sie nicht gescholten, sondern ausdrücklich gelobt werden sollte.

Für ihn ging die Woche diesmal übrigens schon am Donnerstag zu Ende, „weil es bei skandinavischen Firmen überhaupt kein Problem ist, spontan mal frei zu nehmen. Die Unternehmen haben auch die Belange der Arbeitnehmer im Blick, weil sie wissen, dass Motivation für den Beruf ganz wichtig ist. So wie man in den Wald hinein ruft, schallt es heraus ...“

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Kommentare (1)

Interessanter Blickwinkel, verglichen mit dem anderen Beitrag der hier neulich erschien. Ich kann beide Sichtweisen verstehen und hoffe mal, dass es für alle zu Verbesserungen kommt ohne dass die Schwachen dafür zahlen müssen.