STRESS IM RE3

Drängelei im Zug ist mittlerweile ganz normaler Wahnsinn

Mit seinem Protestruf spricht Ralf Riechert vielen Bahnpendlern aus der Seele. Die Bahn verweist bei überfüllten Zügen auf die Eigenverantwortung.
Beim Einstieg tragen alle wie vorgeschrieben Masken. Aber die Einhaltung eines Mindestabstandes ist überhaupt nicht m&oum
Beim Einstieg tragen alle wie vorgeschrieben Masken. Aber die Einhaltung eines Mindestabstandes ist überhaupt nicht möglich. privat
Prenzlau.

So als hätte es die Coronakrise nie gegeben – dieses Bild aus dem überfüllten Regionalexpress RE 3 Stralsund – Berlin spricht Bände. Nur die Masken zeigen, dass etwas anders ist. Unser Leser Ralf Riechert hat sich mit diesem Problem an die Redaktion des Uckermark Kurier gewandt. In diesem Fall gehörte seine Tochter zu den Betroffenen, die auch das Foto schoss. In der Bredouille seien aber wohl alle Pendler, die vor allem sonntags mit der Bahn wieder in Richtung Berlin reisen und dort das reine Chaos erlebten.

„Sowohl um 16 Uhr als auch um 18 Uhr sind die Züge bereits in Prenzlau hoffnungslos überfüllt. Die Reisenden stehen eng gedrängt, wie Ölsardinen in der Dose auf den Gängen und auf den Treppen. Fahrräder werden, notfalls hochkant, zwischen die Reisenden gestellt”, beschreibt Ralf Riechert das nicht hinnehmbare Szenario: „Die Bahn versagt hier einerseits als Dienstleister, und andererseits verhindert sie, dass die Reisenden auch nur ansatzweise irgendwelche Hygieneregeln einhalten können. Aber um die Einhaltung genau dieser Regeln hatte die Bahn in unserer Region unlängst ein riesiges Trara gemacht.”

Polizeieinsatz

Der Familienvater spielt damit auf einen Vorfall an, „bei dem sich ein AfD-Abgeordneter im ICE (der Zug war mit Sicherheit nicht überfüllt) offenbar geweigert hatte, eine Maske zu tragen. Dieses Fehlverhalten sorgte dafür, dass bundesweit in der Presse darüber berichtet wurde. Das passt doch absolut nicht zusammen!” Was die staatlich verhängten Corona-Regeln angehe, hinterfrage er diese mittlerweile ganz genau, betont der Uckermärker. „Vorrangig geht es mir hier aber um den Sicherheitsaspekt”, sagt unser Leser: „Natürlich hätte ich mich wegen dieser unzumutbaren Zustände an die Bahn oder das Verkehrsministerium direkt wenden können. Ich bin mir aber sicher, dort nicht 'gehört' zu werden. Vielleicht hat die Redaktion Interesse daran, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und Verantwortliche zur Rede zu stellen.”

Maskenpflicht

Das haben wir getan. Zurück kam ein knappes Statement der Kommunikationsabteilung der Deutschen Bahn. Eine Sprecherin teilte mit, dass in Corona-Zeiten Eigenverantwortung im öffentlichen Raum gefragt sei, und dazu gehöre der ÖPNV. „Eben weil das Gebot, Abstand zu halten, in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer und überall eingehalten werden kann, ist es Pflicht, Mund und Nase zu bedecken. Das begrüßen wir als Verkehrsunternehmen sehr und appellieren an die Verantwortung jedes einzelnen, sich und andere zu schützen. Eigenverantwortung heißt aber auch, bei einem vollen Bus oder Bahn gegebenenfalls eine andere Verbindung zu wählen. Geduld und Gelassenheit helfen uns allen in diesen Zeiten.”

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Kommentare (8)

Die Bahn verweist bei überfüllten Zügen auf die Eigenverantwortung.
Wenn das nicht das höchste Maß an Arroganz von Seiten der Bahn darstellt. Ich kann das nicht anders interpretieren, als wenn die Bahn sagen würde: Unser Unternehmen kann nichts dafür, dass die Züge zeitweise überfüllt sind, Schuld haben die Fahrgäste allein, denn die können sich ja zeitlich besser verteilen, so dass es nicht zu den Überfüllungen kommt.

Das Unternehmen Bahn fühlt sich also nicht verpflichtet, bedarfsgerecht für Beförderung zu sorgen? Sind Kunden nur noch ein notwendiges Übel, um Renditen für die Anleger an der Börse zu generieren?

Völliger Unsinn, der Kommentar.

Deutsche Bahn AG.
Schon allein der Name besagt, es ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft.

Also stimmt, völliger Unsinn der Kommentar, bloß weil du nicht weißt, wo du die Aktien kaufen kannst.

Und, irgendwas passiert bisher?

Und wieder wird die Bahn für etwas beschuldigt, für das sie überhaupt nicht verantwortlich ist. Wie im Artikel steht geht es hier um den RE3, das ist Regionalverkehr und dieser ist Ländersache. Der VBB und das Land Mecklenburg Vorpommern haben DB Regio Nordost beauftragt nur alle 2 Stunden mit 5 Doppelstockwagen nach/von Stralsund zu fahren, für diese Leistung wird die Bahn von jenen bezahlt und für mehr auch nicht. Die Bahn fährt dementsprechend nur das was bestellt wurde, denn sie darf nämlich nicht die Fahrgeldeinnahmen behalten, sondern führt diese an den VBB ab der auch die Fahrpreise bestimmt und aus allen Fahrgeldeinnahmen plus den vom Bund bereitgestellten Regionalisierungsmitteln alle ÖPNV-Teilnehmer für die gefahrenen Leistungen bezahlt, Beschwerden also bitte an den VBB und das Land MV richten. Die Bahn würde im Sommer auch stündlich nach Stralsund fahren wenn sie dafür bezahlt wird.

"Zurück kam ein knappes Statement der Kommunikationsabteilung der Deutschen Bahn."

Die Kommunikationsabteilung hat also in der Hinsicht versagt, weil sie nicht offen die Hintergründe dargelegt und statt dessen das alleinige Argument Eigenverantwortung der Fahrgäste bringt?

Ob es nun tatsächlich an der Kommunikationsabteilung oder beim journalistischen Teil (NK) liegt, werden wir wohl nie erfahren.

die DB ist zwar eine AG, befindet sich aber zu 100% in Staatsbesitz. Kaufen kann man die Aktien nicht. Also: erst denken, dann posten!

...ändert das?
Es wird trotzdem im Normalfall Dividende ausgeschüttet, an wen ist egal.
Bisher hat der Bund nur 1x auf die Ausschüttung verzichtet.