EHRENAMT

▶ Dresdner Rettungshunde suchen Vermissten in Schorfheide (mit Video)

Die Hundestaffel ist immer zur Stelle, wenn Menschen plötzlich nicht mehr auffindbar sind. Ihr Engagement ist für die Helfer ein kostspieliges Hobby.
Michaela Träber und Marcel Haase gehören mit ihrer Hündin Zoey seit über einem Jahr zum Team.
Michaela Träber und Marcel Haase gehören mit ihrer Hündin Zoey seit über einem Jahr zum Team. Ines Markgraf
Labrador Bali ist ausgebildeter Rettungshund. Innerhalb weniger Minuten fand er Paula Micklich, die sich im Wald versteckt hat
Labrador Bali ist ausgebildeter Rettungshund. Innerhalb weniger Minuten fand er Paula Micklich, die sich im Wald versteckt hatte. Ines Markgraf
Revierförster Ulf Wosnizek (links) machte die Rettungshundeführer mit dem Einsatzgebiet vertraut und gab einen kurze
Revierförster Ulf Wosnizek (links) machte die Rettungshundeführer mit dem Einsatzgebiet vertraut und gab einen kurzen historischen Abriss über die Schorfheide. Ines Markgraf
Mithilfe von verschiedenen Glocken kann der Hundeführer sein Tier auch aus weiter Entfernung erkennen.
Mithilfe von verschiedenen Glocken kann der Hundeführer sein Tier auch aus weiter Entfernung erkennen. Ines Markgraf
Kristin Steudel weist Rettungshund Bali, einem Hochwindsucher, die Suchrichtung im dichten Wald.
Kristin Steudel weist Rettungshund Bali, einem Hochwindsucher, die Suchrichtung im dichten Wald. Ines Markgraf
Babypuder oder Seifenblasen werden genutzt, um die Windrichtung zu erkennen.
Babypuder oder Seifenblasen werden genutzt, um die Windrichtung zu erkennen. Ines Markgraf
Boitzenburger Land.

Als Revierförster Ulf Wosnizek vor vier Wochen die E-Mail bekam, dass die Rettungshundestaffel aus Dresden händeringend ein Übungsgebiet in einem Wald sucht, stand für ihn fest: „Das muss man unterstützen. Jeder kann schließlich mal in die Lage kommen, dass er die Hilfe der Hundeführer benötigt.“ Außerdem findet der Forstmann dieses Ehrenamt spannend und wünschte sich, dass es auch in der waldreichen Uckermark eine Rettungshundestaffel gibt – im Barnim gibt es eine. „Vielleicht regt der Beitrag dazu an“, hofft er.

[Video]

 

 

Am Sonnabendmorgen begrüßte Ulf Wosnizek die acht Hundeführer, die bereits am Freitag mit ihren Vierbeinern ihre Zelte in Wichmannsdorf aufgeschlagen hatten, in der Landeswaldoberförsterei in Reiersdorf. Nach einer kurzen Lagebesprechung und Einweisung in das fünf Hektar große Suchgebiet gab Staffelleiterin Kristin Steudel (27) die Anweisungen an ihre sieben Mitstreiter an diesem Tag. „Wir sind eigentlich 14 Leute mit zwölf Hunden“, erzählt sie. Gegründet wurde die Rettungshundestaffel 1997, sie ist beim DRK-Kreisverband Dresden angegliedert und gehört zum Verbund sächsischer Rettungshunde. „Das ist ein Zusammenschluss aller Hilfsorganisationen, also Arbeiter Samariter Bund, Bundesverband Rettungshunde, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft und Technisches Hilfswerk. Ziel ist es, die vorhandenen Ressourcen zu bündeln.“

40 bis 50 Einsätze im Jahr

Die Rettungshundestaffel hat durchschnittlich 40 bis 50 Einsätze im Jahr. „Wir kommen zum Einsatz, wenn beispielsweise demente Menschen aus dem Heim oder ihrer Wohnung verschwunden sind, wenn Suizidgefährdete plötzlich nicht mehr auffindbar sind oder wenn sich Kinder verlaufen haben und nicht mehr nach Hause finden.“

Viele der Einsätze beginnen in den Abend- und Nachtstunden. „Die meisten Arbeitgeber stellen die Hundeführer für ihre ehrenamtliche Tätigkeit frei“, sagte Kristin Steudel, die beim Zoll tätig ist. Wer Rettungshundeführer werden möchte, braucht viel Zeit und Geduld, denn nicht nur die Vierbeiner, sondern auch die Menschen werden ausgebildet. „Das dauert bis zu drei Jahre, danach erfolgt eine Prüfung auf einem 30.000 Quadratmeter großen Gebiet, wobei der Hund eine oder zwei Personen suchen muss. Es gibt einen Gehorsam-Anteil und eine Sichtanzeige. Zudem muss der Hundeführer einen Fragenkatalog beantworten.“

Immer wieder neue Mitglieder

Von den Mitgliedern der Rettungshundestaffel hat bisher nur Kristin Steudel mit ihrem sechsjährigen Labrador Bali die Prüfung in der Tasche. Die Gruppe hat sich in den vergangenen Monaten verjüngt, neue Mitstreiter hat die Ausbilderin über Anzeigen und in persönlichen Gesprächen gefunden. Zu diesen gehören Michaela Träber und Marcel Haase, die einen anderthalbjährigen Border Collie besitzen. Das Pärchen hatte Kristin Steudel beim Hundesport kennengelernt. „Wir haben uns das mit unserer Hündin Zoey angeschaut und mitgemacht.“ Das war im Mai des vergangenen Jahres.

Nun stehen jede Woche zwei feste Termine im Kalender des Paares: mittwochs von 19 bis 21 Uhr und sonnabends von 10 bis 16 Uhr. Hinzukommen die nicht vorhersehbaren Einsätze. „An 16 Wochenenden werden wir, die Hundeführer, ausgebildet, dazu gehören unter anderem Erste Hilfe am Hund, Orientierung, Kynologie, Sanitäts- und Funkausbildung“, erzählt Marcel Haase, der als Feuerwehrmann auf dem Dresdner Flughafen tätig ist. Die Kinder der beiden – die 20-jährige Tochter und der Sohn (16) gehen schon ihre eigenen Wege, da bleibt Zeit für dieses anspruchsvolle und vor allem teure Hobby.

Geräte selbst bezahlen

„Die Hundeführer zahlen fast alles aus eigener Tasche. Eine Aufwandsentschädigung erhalten sie nicht. Mein 1200 Euro teures GPS-System habe ich mir selbst zu Weihnachten geschenkt“, sagt Kristin Steudel. „Aber das ist mir mein Hund wert. Ich möchte nicht ohne Hund aus einem Einsatz zurückkehren. Wir suchen überwiegend in Wäldern und auf Wiesen, gehen in die Fläche, anders als Fährten oder Schweißhunde suchen unsere Tiere nach menschlichen Gerüchen. Das heißt, sie suchen nicht eine bestimmte Person. Da kann es auch vorkommen, dass ein Hund mal in eine Grube fällt. Bei Dunkelheit würde ich ihn ohne das GPS kaum finden.“

Der Hund von Kristin Steudel ist voll ausgestattet. Neben dem GPS-Peilsender trägt er eine Rettungsdecke mit einer kleinen starken Lampe sowie drei Glöckchen. „Jeder Hund trägt andere Glocken, sodass die Hundeführer ihre Tiere im Einsatz auseinanderhalten können“, erklärt Michaela Treiber. „Die Tiere kreisen zwischen 50 und 100 Meter um uns herum und suchen den Radius ab.“ Wenn sie einen Menschen gefunden haben, bleiben sie bei ihm und bellen so lange, bis der Hundeführer zu ihnen kommt. Man nennt das Verbellen. Erst, wenn ein Pfiff ertönt, hört er auf und bekommt seine Belohnung. Das kann sein Spielzeug oder ein Leckerli sein.

Im Sommer starke Herausforderung

Für Mensch und Tier sind die Einsätze eine Herausforderung. Im Sommer können die Hunde maximal 30 Minuten, im Winter bis zu 90 Minuten – mit Pause – für die Suche eingespannt werden. „Wir haben eine Beschäftigung gesucht, bei der unser Labrador Leo (4) ausgelastet und gefordert wird“, erzählt Tischler Manfred Schwedtner, der mit seiner Frau Jana, Mitarbeiterin der Landesuntersuchungsanstalt, seit März dieses Jahres das Hobby teilt.

„Die Partner müssen viel Verständnis für das Ehrenamt aufbringen“, weiß auch Kristin Steudel und erinnert sich an eine Woche mit acht Einsätzen. „Ich bin mal während des 80. Geburtstages meiner Oma aufgesprungen und zum Einsatz gefahren. Es wurde ein Kind vermisst. Man muss schon sehr sozial eingestellt sein, um sich für dieses Ehrenamt zu engagieren“.

Rund 200 Euro monatlich

Und genau das ärgert die 27-Jährige auch. Es gibt Menschen, die alles stehen und liegen lassen, ihre Freizeit opfern für Menschen, die in einer Notsituation sind. Am Ende müssen sie dafür auch noch in die eigene Tasche greifen. „Es würden mehr mitmachen, doch sie können es sich einfach nicht leisten. 200 Euro muss man schon monatlich einplanen“, weiß sie zu berichten. Deshalb ist die Rettungshundestaffel in Dresden auch auf Spender angewiesen, die beispielsweise den Erwerb eines Einsatzfahrzeuges ermöglichten.

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