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In der Anzeige wurde des unvergessenen Gatten gedacht, der als Bauer in Reit gelebt hatte. Sie wurde jetzt bei Ebay versteigert. Claudia Marsal
Wilhelm Zimmermann hatte die Kriegsereignisse in diesem Buch aufgearbeitet.
Wilhelm Zimmermann hatte die Kriegsereignisse in diesem Buch aufgearbeitet. Claudia Marsal
Hobbyhistoriker Henning Ihlenfeldt aus Fürstenwerder
Hobbyhistoriker Henning Ihlenfeldt aus Fürstenwerder Claudia Marsal
Millionen Soldaten ließen im Zweiten Weltkrieg ihr Leben.
Millionen Soldaten ließen im Zweiten Weltkrieg ihr Leben. dpa
Nachruf

Ebay-Anzeige klärt Tod eines Soldaten

Henning Ihlenfeldt hat das Schicksal eines in der Uckermark Gefallenen rekonstruiert. Der 68-Jährige zieht ein Fazit aus der Tragödie: „Nie wieder Krieg!“
Fürstenwerder

Mit dem Buch von Wilhelm Zimmermann zu den Kriegsereignissen von 1944/45 hat man in Fürstenwerder bis heute eine umfangreiche Dokumentation zur Geschichte der letzten Kriegstage in der Hand; aufgearbeitet und festgehalten für nachfolgende Generationen. In der Publikation enthalten ist auch eine Bilanz der zivilen und militärischen Personenverluste im Ort. Demnach mussten hier insgesamt 17 deutsche und 19 russische Soldaten ihr Leben lassen. „Dabei ist davon auszugehen, dass diese Zahlen sogar noch höher sein könnten, weil bisher nicht alle Zeitzeugenberichte nachgeprüft werden konnten”, sagt Hobbyhistoriker Henning Ihlenfeldt: „Die deutschen Soldaten wurden nach Kriegsende auf dem Friedhof in Fürstenwerder in einem Sammelgrab beigesetzt. Die meisten dieser Opfer waren junge Flak-Soldaten, die zu den Bedienmannschaften der Geschütze gehörten, die damals rund um den Ort in Stellung gebracht waren.” Ein viel älterer Soldat, so der Forscher, falle dabei aber aus der Reihe.

Russische Offensive

Es ist Johann Schönhuber, Rottmeister der Gendarmerie. Zu dem 43-Jährigen konnte Wilhelm Zimmermann im Nachgang folgende Fakten ermitteln: „Er meldete sich zuletzt im April 1945 unter der Feldpostnummer der 7. Kompanie des Polizeiregiments 50, mit welcher er zum 2. Bataillon dieser Einheit gehörte. Das Regiment war als eine Einheit der Ordnungspolizei aufgestellt und erhielt die vom Reichsführer SS verfügte Bezeichnung „SS Polizei Regiment”, ohne aber damit zur Waffen-SS überzutreten. Im Frühjahr 1945 führte es die Bezeichnung „SS-Polizei-Jäger-Regiment-50” und gehörte zur Division 610, welche dem Oderkorps unterstellt war. Bei Beginn der russischen Offensive am 20. April 1945 hatte die Division 610 einen Frontabschnitt am Westufer der Westoder beidseits der Autobahntrasse zu verteidigen.

Sie wurde jedoch im Verlaufe der Gefechte von Einheiten der 65. russischen Armee zerschlagen und lief teilweise auseinander. Das Bataillon von Schönhuber lag während dieser Kämpfe vorübergehend im Vorwerk Neu Rosow südlich der Autobahn und war hier am 20. und 21. April 1945 in schwere Gefechte verwickelt. Danach nahm er mit seinen Resten und den anderen seiner in totaler Auflösung gemeldeten Division bis zum 28. April 1945 am allgemeinen Rückzug hinter die Uckerlinie und in die C-Verteidigungslinie teil. Dabei sind offenbar Gruppen oder auch einzelne Versprengte des Regiments 50 durch Auffang-Kommandos wieder eingesetzt worden, zur Verteidigung der hier angelegten Stellungen, wofür der Tod Schönhubers in Fürstenwerder durchaus ein Beweis wäre.”

Bei Ebay entdeckt

Durch einen Internetfund Ende 2021 haben sich diese Informationen nun bestätigt. Auf der Fürstenwerder-Seite bei ebay wurde unlängst eine Nachrufanzeige von Johann Schönhuber, gefallen bei den Kämpfen von Fürstenwerder, für 2,99 Euro angeboten. Henning Ihlenfeldt konnte sie ersteigern. Nun ist auch ein Foto von Johann Schönhuber bekannt, freut sich der Historiker: „Damit wird beim Besuch des Soldatengrabes auf dem Friedhof von Fürstenwerder sein Schicksal lebendig, denn der Name ist dort auf einer im Jahr 2004 errichteten Namenstafel verewigt.”

Die Identifizierung Schönhubers sei durch seine Erkennungsmarke möglich gewesen. Wilhelm Zimmermann zufolge war jeder Angehörige der deutschen Streitkräfte damals verpflichtet, diese im Kriegsfall ständig am Körper zu tragen, vorzugsweise an einem Halsband: „Jede Erkennungsmarkennummer wurde gleichzeitig in ein Zentralregister bei der Wehrmacht-Auskunftsstelle eingebracht.

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Mit Hilfe des mit größter Sorgfalt gepflegten Systems konnte schließlich jede Person identifiziert werden, wenn man sie auffand und die Erkennungsmarke sich noch bei ihr befand.” Nach Kriegsende wurden die Marken an den Zentralen Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes oder anderer Behörden weitergeleitet, wo sicher dann auch die Angehörigen von Johann Schönhuber einen Suchantrag gestellt und später die Todesnachricht von Fürstenwerder bekommen hatten. Henning Ihlenfeldt zieht vor allem ein Fazit aus dieser Tragödie: „Nie wieder Krieg!”

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