Asylbewerberheim Prenzlau

Ein Viertel der Flüchtlinge ist unter 18 Jahre alt

Geflochtene Zöpfe, modische Jungsfrisuren und zarter Babyflaum bestimmen das Bild in der Prenzlauer Unterkunft. Aktuell tummeln sich hier 83 Kinder.
Der Anteil afrikanischer Kinder ist groß im Prenzlauer Heim. Viele von ihnen kommen aus Somalia.
Der Anteil afrikanischer Kinder ist groß im Prenzlauer Heim. Viele von ihnen kommen aus Somalia. Claudia Marsal
Volker Bühring, Regionalleiter des Betreibers, der Firma Human Care.
Volker Bühring, Regionalleiter des Betreibers, der Firma Human Care. Claudia Marsal
Aufregende Momente – wie hier bei der Geschenkeübergabe durch den Weihnachtsmann in der vergangenen Woche – s
Aufregende Momente – wie hier bei der Geschenkeübergabe durch den Weihnachtsmann in der vergangenen Woche – sind leider rar. Claudia Marsal
83 Mädchen und Jungen leben in der Flüchtlingsunterkunft.
83 Mädchen und Jungen leben in der Flüchtlingsunterkunft. Claudia Marsal
Prenzlau

Sie heißen Nzinga, Asal, Esma oder Petinat und stammen aus Somalia, Afghanistan, Syrien oder Tschetschenien. Viele von ihnen sind im Alter von nur wenigen Wochen nach Deutschland „verpflanzt“ worden beziehungsweise schon hier geboren – die Flüchtlingskinder von Prenzlau. Aktuell leben exakt 83 Mädchen und Jungen aus 16 Nationen in der Asylbewerberunterkunft in der Berliner Straße. Tendenz steigend, denn einige Frauen im Heim sehen erneut Mutterfreuden entgegen. Schon jetzt ist die Unterkunft mit insgesamt 334 Bewohnern gut gefüllt.

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In der Einrichtung ist man sich bewusst, dass der hohe Anteil von Minderjährigen besonderer Berücksichtigung bedarf. Volker Bühring, Regionalleiter der Betreiberfirma Human-Care, verweist diesbezüglich mit Stolz auf das große Spielzimmer im Haupthaus sowie das gemeinsam mit der Volkshochschule eingerichtete Lerncafè, welches mit reichlich Laptops und Computern ausgestattet wurde. Was das Toben im Freien anbelangt, sind die Voraussetzungen momentan aber eher unbefriedigend, räumt Bühring ein. Es gibt derzeit nur eine eher kleine Freifläche zum Spielen auf dem direkt an der Bundesstraße gelegenen Grundstück. „Im Investplan sind aber Mittel für die Neugestaltung eines großen Spielplatzes drin“, setzt der Regionalleiter schnell hinzu. Zum Glück befindet sich vis a vis eine große Schulsportanlage.

Räumliche Enge

Ihnen als Verantwortlichen sei natürlich klar, dass in Anbetracht der räumlichen Enge in den Zimmern Alternativen auf dem Hof geboten werden müssen, versichert Bühring. Sechs Quadratmeter Platz seien per Gesetz pro Nase vorgeschrieben. Diesen Mindestraum könne man bieten, betont der Betreiber: „Aber auf Dauer ist das natürlich viel zu wenig.“ Vor allem bei Familien mit mehreren Kindern werde es schnell eng und laut in den Räumen, weiß Volker Bühring. Hinzu komme die ohnehin nicht unproblematische Vielzahl von Nationen, Kulturen, Sprachen und Lebensgewohnheiten bei gemeinschaftlicher Nutzung von Sanitäranlagen und Kochgelegenheiten.

„Die Menschen müssen hier auf engstem Raum manchmal über Jahre miteinander auskommen. Dass das nicht ganz konfliktfrei abläuft, kann man sich sicher vorstellen, das würde es auch bei deutschen Bewohnern nicht“, vermutet der Human-Care-Sprecher. Letztlich seien es die recht lange Verweildauer und die daraus resultierende Perspektivlosigkeit, die an den Nerven der Bewohner zehrten und zu Konflikten führten. „Wer nur eine Duldung oder Gestattung hat, kann nicht planen, weil er nie genau weiß, was aus seinem Asylverfahren wird.“ Einer der Bewohner sei bereits mehr als zwei Jahrzehnte hier untergebracht, führt der Regionalleiter ein Extrembeispiel an; auf drei bis fünf Jahre brächten es aber etliche Migranten hier.

Fix eingelebt

Das ungewisse Schicksal sei der Integration natürlich nicht förderlich. Bühring zufolge kompensierten die Kinder das alles noch am besten, vermutlich auch, weil sie durch die Betreuung in Kita und Schule den meisten Kontakt zu den Einheimischen hätten und sich fix in der neuen Umgebung einlebten. Die Knirpse erlernten die deutsche Sprache in der Regel mit erstaunlicher Geschwindigkeit und fänden sich schon nach kurzer Zeit im Alltag des neuen Landes problemlos zurecht, schätzt der Human-Care-Vertreter ein: „Wir müssen alles daran setzen, sie gut zu integrieren. Das sind wir den jungen Menschen schuldig.“ Dementsprechend begeistert war man bei Human-Care von der Initiative der Bürgerstiftung Barnim/Uckermark, die die Mädchen und Jungen vorm Fest mit personalisierten Geschenken überrascht hatte. „Kaum jemand hier konnte sich in den letzten Wochen dem Weihnachtszauber entziehen, der über der ganzen Stadt lag“, schätzt Bühring ein. Deshalb sei die Begeisterung über diese Aktion bei allen Familien groß gewesen, obwohl der Weihnachtsmann als solcher vor der Ankunft in Deutschland nicht allen bekannt gewesen sei, manifestierte Bühring abschließend.

Human-Care ist ein Familienunternehmen mit über 35-jähriger Erfahrung im Bereich Bau und Betreiben von Gemeinschaftsunterkünften sowie in der Betreuung und Beratung von Geflüchteten, Aussiedlern und Asylbewerbern. „Wir helfen Menschen, die in Notsituationen zu uns kommen und unsere Unterstützung benötigen“, ist auf der Internetseite zu lesen.

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