PRENZLAUER OPA ÜBERRASCHT

Enkel schicken rührende Botschaft aus der Fremde

Ulrike Daum zog 2005 von Prenzlau nach Frankreich. Doch selbst von Marseille aus blieb die Verbindung eng. Das ist vor allem einem Umstand zu verdanken.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Lieber Gruß aus Marseille.
Lieber Gruß aus Marseille. Claudia Marsal
Dieter Daum
Dieter Daum Claudia Marsal
Prenzlau.

Ob Dieter Daum am Freitag gemeinsam mit Ehefrau Gerlinde am geschmückten Frühstückstisch sitzen wird, weiß Tochter Ulrike nicht genau. Denn während ihr Papa, der seinen 71. Geburtstag feiert, bereits die Rente genießt, sitzt die Mama trotz ihrer 67 Lenze noch fest im Geschäftsführer-“Sattel“ des ASB. Aber eins ist sicher, wenn er sich einen Kaffee eingießt, wird neben der Tasse der Uckermark Kurier liegen. Denn den beziehen die Eltern in Prenzlau schon seit Jahrzehnten. Und weil die Tageszeitung sogar bis ins französische Marseille nachgeliefert wird und die dort lebende Tochter seit über einem Jahrzehnt in der Fremde auf dem Laufenden über die alte Heimat hält, hatte die 39-Jährige eine Idee.

Foto geschickt

Sie schickte zu Wochenbeginn ein Foto ihrer Kinder an die Redaktion, mit der Bitte um Veröffentlichung. Auf dem Bild zu sehen sind der zwölfjährige Samy und die siebenjährige Baya, die damit ihrem geliebten Opa zum heutigen Jubelfest gratulieren möchten. „Ich sehe schon förmlich vor mir, wie er in der Zeitung blättert und dann unseren Schnappschuss sieht“, freut sich Ulrike Daum spitzbübisch. „Joyeux anniversaire!“ – das würde sie ihrem Vater am liebsten auch selbst sagen. „Aber leider können wir nicht direkt mit ihm seinen Geburtstag feiern, doch das wird nachgeholt, denn bald kommen Oma und Opa zu Besuch und darauf freuen sich Samy und Baya schon.“ Jobbedingt kann es die seit 2005 in Frankreich lebende Tochter fast nie einrichten, am 24. Mai in Deutschland zu sehen.

Freude auf Prenzlau

Die zweifache Mutter arbeitet nämlich in einer Autismus-Ambulanz, bei der den Mitarbeitern der Urlaubszeitraum vorgegeben wird, frei haben sie immer während der regulären Schließzeiten. Das ist 2019 glücklicherweise schon im August der Fall. Dann reist die Auswanderin mit ihrem Partner und den beiden Kindern in Prenzlau an. „Diesmal bleiben wir fast drei Wochen“, freut sich die Sozialpädagogin, die es während eines Erasmus-Studienaufenthaltes nach Marseille verschlagen hatte. Sie fand dort die große Liebe und blieb. Mittlerweile habe sie, so Ulrike Daum, das Leben dort schätzen gelernt. Vor allem das milde Klima spreche sehr für die im Süden des Landes gelegene Hafenstadt. Mit knapp einer Million Einwohnern sei diese allerdings etwas weniger idyllisch, als von Auswärtigen immer angenommen, räumt die gebürtige Prenzlauerin ein. Da gehe es in der alten Heimat viel geruhsamer zu. Dank fließender Fremdsprachenkenntnisse komme sie dort aber gut klar, auch der Job mache viel Spaß, setzt Ulrike Daum hinzu.

Zweisprachig erzogen

Zur großen Freude ihrer Eltern wachsen die Enkel zweisprachig auf. „Mutti und Papa hatten anfangs sicher Angst, dass sie sich mit ihnen mal nicht verständigen können. Aber das bewahrheitete sich nicht.“ Dementsprechend eng sei trotz der großen Entfernung – und 1700 Kilometer – die Beziehung zu den Großeltern. Dank eines unlängst eingerichteten Direktfluges von Berlin aus, der nur noch knapp anderthalb Stunden dauert, seien Besuche jetzt auch nicht mehr so mühselig, ergänzt Ulrike Daum im Interview. „Und die Strapazen sind sofort vergessen, wenn meine Eltern dann bei uns auf dem Balkon sitzen und wir gemeinsam Kaffee trinken.“

Gesundheit gewünscht

Fürs neue Lebensjahr wünscht sie ihrem Papa, der vielen sicher aus seiner Tätigkeit beim AWP sowie als Stadtverordneter bekannt sein dürfte, vor allem Gesundheit. Ihre Schwester und sie hätten dank der Eltern eine schöne, unbeschwerte Kindheit gehabt, seien selbst im Studium nie von Geldsorgen geplagt gewesen, weil Mama und Papa für alles sorgten – „das kann man gar nicht hoch genug anrechnen“, ist sie sich bewusst. Deshalb gibt es auch diesmal zum Wiegenfest ein besonderes Geschenk. Dieter Daum darf sich auf eine Zugfahrt entlang der Mittelmeerküste „cote bleue“ freuen, „die hat er sich gewünscht“.

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