Janine Schmidt holte ihre in Aufregung versetzte Oma dann mit dem Auto aus Templin ab.
Janine Schmidt holte ihre in Aufregung versetzte Oma dann mit dem Auto aus Templin ab. Claudia Marsal
Jederzeit ist mit Kontrollen zu rechnen.
Jederzeit ist mit Kontrollen zu rechnen. Jens Büttner
Die 3G-Regel gilt bis auf Weiteres.
Die 3G-Regel gilt bis auf Weiteres. Robert Michael
Missverständnis

Enkelin muss Oma nach 3G-Kontrolle mit dem Auto abholen

Was ist schief gelaufen in der Kommunikation? Rosemarie Enzmann versichert, ihren Handy-Code gezeigt zu haben. Die Kontrolleure stellen es anders dar.
Prenzlau

Janine Schmidt und ihre Oma sind ein Herz und eine Seele. Weil die 33-Jährige die einzige Enkelin von Rosemarie Enzmann ist, die in Prenzlau lebt, teilt sie mit ihrer noch recht mobilen Großmutter viele Momente des Alltags. Entsprechend geschockt war die junge Sekretärin, als sie von folgender Begebenheit erfuhr: Ihre Oma war am Mittwoch mit dem Bus nach Templin gefahren. Die 74-Jährige wollte dort einen Augenarzttermin wahrnehmen. Beim Einstieg in Prenzlau fielen der Seniorin zwei Uniformierte auf, die sich bei der Weiterfahrt als Corona-Kontrolleure vorstellten. Die beiden wollten von der Rentnerin ihren Impfnachweis sehen, den die ältere Dame eigenen Aussagen zufolge auch bei sich trug, sogar in digitaler Form auf dem Handy. „Zwei Impfungen hat sie schon, fürs Boostern ist sie angemeldet“, erzählte die Enkelin der Redaktion im Nachgang. Man kann sich vorstellen, wie aufgeregt Rosemarie Enzmann war, als ihr bei der Kontrolle gesagt wurde, dass ihr Status für eine Mitfahrt im Bus nicht reicht.

Nach Templin gefahren

Sie hätte sich vor dem Einstieg testen lassen müssen, habe ihre Großmutter zu hören bekommen, berichtet Janine Schmidt. Man habe ihre Oma nicht nur durch die angedrohte Ausstellung eines Bußgeldes in Aufregung versetzt, sondern auch durch das Verbot, anschließend ungetestet wieder die Rückreise anzutreten, schimpft Janine Schmidt. Da Rosemarie Enzmann in der Kurstadt Templin keine Teststation mehr fand, die am Mittwochnachmittag auf hatte, rief sie in ihrer Verzweiflung die Enkeltochter an. Diese setzte sich dann ins Auto und legte die 36 Kilometer zurück, um ihre Oma heimzuholen.

+++ UVG kontrolliert 3G-Regel in Bussen stichprobenartig +++

„Das ist doch keine Art, mit den Menschen umzugehen“, machten sich die beiden Frauen beim Uckermark Kurier Luft: „Dann hätte man im Vorfeld öffentlich informieren müssen, dass auch Geimpfte und Genesene nun sogar noch einen Test brauchen und Ungeimpfte den Bus gar nicht mehr nehmen dürfen.“

Laut des neuen Infektionsschutzgesetzes des Bundes besteht in Berlin und Brandenburg allerdings grundsätzlich „nur“ eine 3G-Pflicht im öffentlichen Personennahverkehr sowie im Fernverkehr. Die Nichteinhaltung der Regelungen kann zum Ausschluss der Fahrt führen und eine Geldbuße von bis zu 2500€ ausgesprochen werden. Kontrolliert wird demnach der Status genesen, mindestens zweimal geimpft oder getestet, wobei ein negativer Coronatest vor Zutritt nicht älter als 24 Stunden sein darf, beim PCR-Test beträgt die Frist 48 Stunden. Es sind keine Selbsttests gültig. Die 3G-Nachweispflicht gilt für alle, auch diejenigen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Von den Kontrollen im Bus ausgenommen sind Kinder unter 12 Jahren und alle Schüler innerhalb der Schulzeit. Beim Verkehrsunternehmen UVG war zu erfahren, dass die Kontrollen nicht von Mitarbeitern des eigenen Hauses, sondern von Polizei oder Ordnungsämtern durchgeführt würden. Sie als Hausherr müssten das gestatten.

Eine Impfung reicht nicht

Zuständig für besagte Kontrolle war das Ordnungsamt des Landkreises Uckermark. Die dortige Pressestelle sagte nach Recherche im Haus, dass die Kollegen dort richtig gehandelt hätten. Ihrer Darstellung nach habe die Dame keinen Impfnachweis vorgezeigt und ihnen erzählt, erst die erste Impfung bekommen zu haben. Daraufhin habe man der Rentnerin erklärt, dass zwei vonnöten wären oder aber eben ein Test.

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Die Prenzlauerin habe die Fahrt trotzdem bis nach Templin fortsetzen dürfen. „Es ist auch kein Bußgeldverfahren eingeleitet worden, sondern es erging nur der Hinweis, dass sie den Nachweis über die vollständige Impfung nachträglich in der Behörde vorzeigen könnte und dann sowieso keine Strafe erfolgt wäre.“ Sprecherin Ramona Fischer warb um Verständnis für die Kontrollen. Sie verstehe natürlich, dass gerade alte Menschen in solchen Situationen sehr aufgeregt wären, dementsprechend sensibel gingen die Mitarbeiter auch vor. Es gehe nicht darum, jemanden zu bestrafen, sondern nur die Regeln umzusetzen. Wieso es in diesem Fall zu einer widersprüchlichen Darstellung der Situation kam, wisse sie allerdings auch nicht.

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Kommentare (2)

da waren die Kontrolleure doch bestimmt stolz wie Bolle, einer alten Dame die Weiterfahrt zu verbieten. Honecker hätte ihnen bestimmt den Karl-Marx-Orden überreicht.......in Grund und Boden schämen, sollten die sich

So einfach
geht Einschüchterung bei Senioren, in dem man diesen ein Verbot, anschließend ungetestet wieder die Rückreise anzutreten, aussprach. Über den Tellerrand blicken, können diese Kontrolleure nicht. Sie fahren auf Staatskosten im ausgedünnten öffentlichen Nah- und Fernverkehr. Verständnis sollte man für solche Corona-Kontrolleure nicht haben! Immerhin hatten diese das Glück, ihre eigenen Großmütter nicht "erwischt" zu haben.