TRAUERMOTIV GESTOCHEN

Enkelin trägt ihren Opa auf der Haut

Wie kann man einem geliebten Menschen nach seinem Tod ein Denkmal setzen? Die 37-jährige Tätowierin Andrea Skibbe aus Gramzow hatte da eine Idee...
Claudia Marsal Claudia Marsal
Opas Gesicht auf dem Arm.
Opas Gesicht auf dem Arm. Claudia Marsal
Ein Herz und eine Seele.
Ein Herz und eine Seele. Claudia Marsal
Gramzow.

Herzen, Blumen, Ranken, Runen – es gibt vermutlich viele Tattoo-Motive, die man sich am Körper einer jungen Frau gut vorstellen kann. Dass auf dem Arm einer zierlichen Zweifach-Mama aber das Gesicht des Großvaters prangt, dürfte Seltenheitswert haben und immer wieder für Fragen sorgen. Das ist Andrea Skibbe natürlich bewusst. Aber gerade deshalb hat sich die 37-Jährige entschieden, ihren geliebten Opa auf ihre Haut stechen zu lassen. Die Geschichte hinter diesem Tattoo geht zu Herzen.

„Meine große Schwester und ich hatten seit jeher eine besondere Beziehung zu unserem Opa. Er war für uns lange Zeit praktisch Vaterersatz”, sagt die Gramzowerin. Nach der Kita beziehungsweise Schule führte der erste Weg stets zu ihm in seinen Garten in Schönermark bei Passow. Fast alle positiven Erinnerungen der mittlerweile erwachsenen Enkelin haben mit ihrem "Öpchen” zu tun. Dementsprechend groß war ihr Schmerz, als er starb.

Zum zweiten Mal schwanger

„2015 war ich das zweite Mal schwanger. Im selben Jahr fand man Flecken auf seiner Lunge. Er wollte lange nicht, dass wir das erfahren, um uns nicht zu beunruhigen. Letzten Endes lag Opa vier Wochen lang im Koma, bis der Entschluss fest stand, ihn ins Hospiz nach Eberswalde verlegen zu lassen”, erinnert sich Andrea Skibbe zurück. Mit dem Gedanken, dass das ihr letzter Klinikbesuch bei ihm sein würde, betrat sie am Abend vorher das Krankenzimmer. Und da lag ihr Großvater mit offenen Augen im Bett. „Diese füllten sich sofort mit Tränen, als er mich sah. Und ich hatte das Gefühl, dass es meine letzte Chance sein wird, ihm nochmal alles zu sagen, was noch zu sagen war.” Bis heute erinnert sich die Uckermärkerin an diesen Moment zurück: „Er hielt meine Hand und drückte sie, weil er sich nicht mehr anders verständigen konnte...” Am nächsten Tag war er tot.

Schlimmes Schicksal im KZ

Gefragt, warum ihr Opa bis heute ihr Ein und Alles ist, sagt die junge Frau, dass das vermutlich auch mit seinem schlimmen Schicksal zu tun hatte.Mit gerade mal 15 Jahren sei er von den Russen verschleppt und ins KZ verbracht worden, gibt die Enkelin seine Schilderung wieder: „Er galt als politischer Gefangener, blieb drei lange Jahre eingesperrt und hat viele Menschen sterben sehen – Kinder, Freunde....”

Ihre Art, sein Leben nach seinem Tod noch besser zu verstehen, ist auch abgesehen von dem Tattoo sehr unkonventionell. Im letzten Jahr gingen ihre Schwester und sie noch einmal den schweren Weg, den der Opa gehen musste. Sie besuchten seinen Geburtsort. Die Frauen fuhren ins KZ Ravensbrück, in dem man ihn „zwischengelagert” hatte. Ende 2019 werden sie in das KZ Jamlitz reisen, an den letzten Ort seiner Odyssee.

Auf immer verbunden

„Wir fühlen uns ihm dadurch nochmal etwas näher”, sagt Andrea Skibbe. Aber warum noch dieses Tattoo? „Er war ein Mensch, der an seinem Schicksal nie zerbrochen ist, der uns Dinge lehrte, die im Leben wichtig sind und die ich auch heute meinen Kindern mitgeben kann. Er hat meine kleine Tochter leider nie kennengelernt. Und mein Sohn, der fünf war, als der Urgroßvater starb, wird ihn bald vergessen haben. Aber dass die beiden mich fragen werden, warum er auf meinem Arm ist und ich dadurch dann wieder von ihm erzählen kann, lässt ihn nie in Vergessenheit geraten...”

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