BERUFSNACHWUCHS

Ex-Königin von Wolfshagen findet Glück in der Pflege

2015 wurde Lisa Gest mit dem Rosenkranz von Wolfshagen gekrönt. Kurz darauf nahm das Leben der ehemaligen „Majestät” eine entscheidende Wende.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Lisa Gest (links), hier mit Chefin Dorit Schauer (Mitte) und Praxisanleiterin Andrea Schwabe, kümmert sich mit Leidenscha
Lisa Gest (links), hier mit Chefin Dorit Schauer (Mitte) und Praxisanleiterin Andrea Schwabe, kümmert sich mit Leidenschaft um Patienten wie den 29-jährigen Denny. Claudia Marsal
Lisa Gest bei ihrer Krönung im Jahr 2015
Lisa Gest bei ihrer Krönung im Jahr 2015 Claudia Marsal
Prenzlau.

1,6 Millionen Menschen sind in Deutschland in der Kranken- und Altenpflege tätig. Das sind viel weniger als benötigt. Die Arbeitsagenturen melden aktuell knapp 20 000 offene Stellen. Diese nachzubesetzen wird immer schwerer. „Vor allem weil Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen und miserable Bezahlung abschreckend wirken”, sagt Lisa Gest. Sie gehört zu denen, die den Beruf trotzdem ergreifen möchten, „weil die Patienten uns brauchen.” Die 29-Jährige ist an die Öffentlichkeit gegangen, um andere zu ermutigen, sich ebenfalls zu trauen.

Die Prenzlauerin stand beruflich schon auf festen Füßen, als sie den Bruch in ihrer Biographie wagte. „Ich hatte gemerkt, dass mich mein Job als Zahnarzthelferin nicht mehr erfüllt”, blickt sie zurück.

Intensivpflege-WG

Dann habe sie durch Zufall gehört, dass der Intensivpflegedienst Anker noch Mitarbeiter sucht. Am 2. Januar 2017 klingelte sie kurzentschlossen bei der WG in der Brüssower Straße. Sie hatte vermutlich Glück, dass Andrea Schwabe ihr die Tür aufmachte. Zum einen kannten sich die Damen schon, zum anderen brannte auch sie für ihren Beruf in der Pflege und steckte Lisa Gest damit an. Nach einem neunmontigen Praktikum stand für den Neuankömmling fest; „dass die Arbeit genau das war, was ich mir immer vorgestellt hatte: eine abwechslungsreiche Tätigkeit mit Verantwortung und Gestaltungsspielraum.”

Sie entschied sich in dieser Situation deshalb gegen die schnelle Variante, was der 200 Stunden-Helfer-Kurs gewesen wäre, sondern schrieb sich für die dreijährige Ausbildung an der Medizinischen Schule ein. Mit Mitte 20 gehörte sie dort zwar alterstechnisch schon zum Mittelfeld. „Aber das Lernen fiel mir leichter als erwartet. Ich sehe meinem Abschluss im nächsten Herbst zuversichtlich entgegen.”

Examinierte Altenpflegerin

Praxisanleiterin Andrea Schwabe teilt diese positive Prognose. Sie lobt den Neuzugang als blickig, wissbegierig und ehrgeizig. Alles Eigenschaften, die Chefin Dorit Schauer nur begrüßen kann, wie sie sagt: „Lisa ist wirklich eine Bereicherung für uns.” Die Inhaberin des Intensiv-Pflegedienstes kann es wie der Rest der Mannschaft daher kaum erwarten, die junge Frau ab Oktober 2020 als examinierte Altenpflegerin in der Lohnliste stehen zu haben.

Lisa Gest wiederum gibt dieses Lob zurück. Die Arbeitsbedingungen hier seien viel besser, als sie erwartet hätte. „Auf drei Patienten kommt eine Pflegefachkraft plus Helfer. Da hat man dann natürlich Zeit für jeden”, versichert die Prenzlauerin. Das wiederum bringe auch ihren Angestellten Zufriedenheit, ist sich Dorit Schauer bewusst. Sie habe selbst lange in Heimen gearbeitet und dort erfahren müssen, wie unglücklich man nach Schichtende oft gewesen sei, weil vieles unerledigt blieb und man dem Einzelnen nicht gerecht werden konnte. Der Personalschlüssel sei somit das A und O, wenn man die Zustände nachhaltig ändern wolle, sagt sie abschließend.

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