Der FDP-Bundestagsabgeordnete Friedhelm Boginski will die Schulen verstärkt digitalisieren.
Der FDP-Bundestagsabgeordnete Friedhelm Boginski will die Schulen verstärkt digitalisieren. Archiv Nk
Deutschlands Schulen gelten bei der Ausstattung mit Computern als rückständig. Der FDP-Politiker Friedhelm Boginski
Deutschlands Schulen gelten bei der Ausstattung mit Computern als rückständig. Der FDP-Politiker Friedhelm Boginski will das ändern. Julian Stratenschulte
Bildungspolitik

FDP-Bundestagsabgeordneter will „Schulen stärker digitalisieren“

Friedhelm Boginski ist seit Kurzem neu für die FDP im Bundestag. Im Interview mit Sven Wierskalla sprach er über sein Ziel, die Schulen digitaler zu machen.
Eberswalde

Friedhelm Boginski war viele Jahre Bürgermeister der Stadt Eberswalde, der Kreisstadt des Barnim. Bei der Bundestagswahl ist er nun über die Liste der FDP für den Wahlkreis Uckermark-Barmin I in den Deutschen Bundestag eingezogen. Als ehemaliger Schulleiter interessiert er sich sehr für die Schul- und Bildungspolitik. Darüber und über die Digitalisierung, die den Liberalen ein wichtiges Anliegen ist, führte Sven Wierskalla ein Interview mit Friedhelm Boginski.

 

Was erwarten Sie von der neuen Bundesregierung aus SPD, FDP und Grünen?

Es freut mich sehr als ehemaliger Bürgermeister und Schulleiter meine kommunalpolitische Erfahrung als Mitglied des Bundestages einbringen zu können. Ich erwarte von der nun gebildeten Bundesregierung, dass sie das Versprechen „Mut zum Fortschritt“ wahr macht. Besonders begrüße ich, dass ein Schwerpunkt auf den Bereich Bildungspolitik gelegt wird. Als Mitglied im Bildungsausschuss ist es mir ein Herzensanliegen, Bildung zu einem gemeinsamen Zukunftsthema aller politischen Ebenen zu machen. Auch aus den Erfahrungen, die ich in Eberswalde sammeln durfte, weiß ich um die besondere Bedeutung des gemeinsamen Ziehens an einem Strang. So muss aus dem Kooperationsverbot zwischen Bund, Ländern und Kommunen ein wirksames Kooperationsgebot werden. Mut zum Fortschritt braucht es aber auch in vielen weiteren Bereichen. So lege ich mein Augenmerk neben der Bildungspolitik vor allem auf die Themen Digitalisierung, Wirtschaft und Innovation im ländlichen Raum. Ich möchte Brandenburg und natürlich besonders meinen Wahlkreis voranbringen, anstatt weiterhin den Stillstand zu beobachten.

 

Welche Impulse erwarten beziehungsweise erhoffen Sie sich von der neuen Bundesregierung für ländliche Regionen und speziell für ihren Wahlkreis Uckermark/Barnim I?

Die neue Bundesregierung muss gewährleisten, dass sie den ländlichen Raum mit all seinem Potenzial nicht vergisst. So dürfen wir bei der fortschreitenden Urbanisierung des ländlichen Raumes nicht seine eigentlichen Bedürfnisse verkennen. So mangelt es in vielen Dörfern und kleinen Städten an zeitgemäßen Internet- und Telefonanschlüssen ebenso wie an (Fach-) Ärzten. Diese Mängel gilt es zu beheben, um gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen.

 

Welche Projekte für den Wahlkreis Uckermark/Barnim I wollen Sie persönlich im neuen Jahr 2022 verfolgen, und was konkret wollen Sie als Bundestagsabgeordneter für die Region erreichen?

Ich möchte dem Nordosten Brandenburgs in Berlin eine kraftvolle Stimme geben, die dafür sorgt, dass der ländliche Raum nicht auf der Strecke bleibt. Hier liegen große Herausforderungen in den Bereichen Digitalisierung, Mobilität und Wirtschaft vor uns. Digitalisierung erachte ich besonders in Schulen als ein großes Thema, das angegangen werden muss. Auch die anhaltende Corona-Pandemie hat aufgezeigt, dass es hier viele Lücken zu schließen gilt. Ich möchte dafür sorgen, dass unsere Schulen dabei unterstützt werden, ihren Schülern den Zugang zum Internet und der entsprechenden Technik zu ermöglichen. Auch das Thema Mobilität und somit der ÖPNV liegt mir besonders am Herzen. So werde ich mich dafür einsetzen, dass der ÖPNV wieder attraktiver wird und (wo möglich) kreisübergreifende Angebote geschaffen werden können. Mein Wahlkreis, der die Uckermark und große Teile des Barnims umfasst, birgt großes Potenzial. Wir müssen Grundlagen schaffen, um es den Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen, diese auszuschöpfen. So muss es künftig möglich sein, dass Unternehmen ohne überzogene bürokratische Hürden Innovationen vorantreiben können. Es darf nicht länger Standard sein, dass eine Großzahl von Projekten scheitert, weil es zu viel Bürokratie gibt.

 

Der Kampf gegen den Klimawandel und das Vorantreiben der Energiewende sind ein besonderer Schwerpunkt der neuen Bundesregierung. Wie kann der Wahlkreis Uckermark/Barnim I mit vielen Produktionsstätten für erneuerbare Energien davon besonders profitieren?

Tatsächlich birgt eine Energiewende große Chancen für die Region. Schon heute arbeiten verschiedenen Unternehmen in meinem Wahlkreis an Innovationen in diesem Bereich. Berücksichtigen müssen wir hier jedoch auch die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum. Aus Berlin lässt sich schnell sagen, dass es beispielsweise mehr Windräder braucht, um die Wende zu ermöglichen. Jedoch dürfen wir nicht vergessen, dass es die Menschen im ländlichen Raum sind, die diese vor der Haustür haben. Ich spreche mich hier klar für ein ganzheitliches Konzept aus. Wir werden den Klimawandel nicht durch erneuerbaren Strom allein in Deutschland aufhalten können. Ziel muss hier vielmehr ein europäisch gedachtes Gesamtkonzept sein, welches auf Innovation und hoher gesellschaftlicher Akzeptanz fußt. Dazu gehört es auch, die Nutzung von Wasserstoff zu ermöglichen. Auch in diesem Bereich gibt es bereits Innovationstreiber in meinem Wahlkreis. Einen ebenso großen Schwerpunkt lege ich auf die Förderung und Zulassung von alternativen Kraftstoffen. Bei diesem Wandel der Energiepolitik müssen wir jedoch weiterhin gewährleisten können, dass Strom und Kraftstoffe in allen Bereichen unseres Landes bezahlbar und für alle verfügbar bleiben.

 

Die Corona-Pandemie ist nach fast zwei Jahren immer noch nicht überwunden. Im Gegenteil: Das Land Brandenburg fällt durch hohe Infektionszahlen und eine vergleichsweise niedrige Impfquote der Bevölkerung auf. Was ist aus Ihrer Sicht zu tun, damit die Lage endlich dauerhaft besser wird?

Die aktuelle Pandemielage beobachte ich mit großer Sorge. Hier gilt es, mehr Transparenz und Aufklärung besonders in Bezug auf die Impfung zu schaffen. Eine allgemeine Impfpflicht halte ich an dieser Stelle für das falsche Werkzeug. Bei allen Maßnahmen, die Bund und Länder ergreifen, müssen wir ein besonderes Augenmerk darauf legen, eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern. Ebenso müssen Existenzen geschützt werden, um die Wirtschaft – besonders im ländlichen Raum – nicht weiter zu schädigen. Wir müssen unsere Unternehmerinnen und Unternehmer dabei unterstützen, sich weiter zu entwickeln und so die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Des Weiteren dürfen wir uns nicht auf den bereits gewonnenen Erkenntnissen ausruhen. Wir haben täglich die Chance, mehr über das Virus zu lernen. Diese Chancen müssen genutzt werden, um in naher Zukunft wieder zur bekannten Normalität – ohne Diskussion um 2G – zurückkehren zu können.

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