SEENPLATTE ABGESCHNITTEN

Fehlerkette bei Sanierung der Schleuse Zaaren

Warum dauern die Bauarbeiten an der Schleuse Zaaren so lange? Warum fällt eine ganze Saison für den Bootstourismus buchstäblich ins Wasser? Die Antworten verblüffen.
Die Schleuse Zaaren bleibt wegen Bauarbeiten voraussichtlich bis August dieses Jahres gesperrt. Damit ist die Obere-Havel-Wasserstraße als Verbindung zwischen Berlin, Brandenburg und der Mecklenburgischen Seenplatte für die Schifffahrt nicht passierbar.
Die Schleuse Zaaren bleibt wegen Bauarbeiten voraussichtlich bis August dieses Jahres gesperrt. Damit ist die Obere-Havel-Wasserstraße als Verbindung zwischen Berlin, Brandenburg und der Mecklenburgischen Seenplatte für die Schifffahrt nicht passierbar. Lisa Ducret
Zaaren ·

Die befürchteten Einnahmeverluste gehen nach ersten Schätzungen der Industrie- und Handelskammer in die Millionen: Die bis zum 1. August prognostizierte Sperrung der Schleuse Zaaren im südwestlichen Zipfel des Landkreises Uckermark ist für Boots-Charterer, Gastronomie und Touristen der Super-Gau. Denn mit dem Ausfall der Schleuse ist der stark frequentierte Wasserweg aus dem Großraum Berlin in die Wassersportparadiese an der Mecklenburgische Seenplatte aufs Trockene gelegt.

Dass die Schleuse über Monate außer Dienst ist, hat Gründe, die jetzt erst Stück für Stück ans Tageslicht kommen. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. So geht aus einer Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion an das Verkehrsministerium hervor, dass im Bereich der Schleusenbaustelle insgesamt mehr als 8300 Quadratmeter Boden mit „1798 Störpunkten“ geräumt werden mussten. Dabei wurden laut Ministerium 18 Munitionsfunde geborgen. Eine Bergung, die mehr Zeit als ursprünglich geplant in Anspruch genommen hat. Und auch entsprechend die Kosten für die Sanierung der Schleuse in die Höhe getrieben hat. Nach aktuellen Berechnungen dürften die Gesamtkosten für das Projekt von 3,46 auf 3,7 Millionen Euro steigen.

Doch nicht nur die umfangreichen Munitionsfunde verzögerten die Bauarbeiten – dass Verkehrsministerium räumte in der Zwischenzeit ein, dass es weitere Gründe für die Verlängerung der Baumaßnahme gibt. So teilte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im von Andreas Scheuer (CSU) geführten Verkehrsministerium mit, dass „die im Zuge der Vergabe eingereichten Angebotspreise zu einer längeren Prüf- und Genehmigungsdauer geführt haben“. Erschwerend kam hinzu, dass der Baufortschritt ebenfalls durch Witterung und schlechten Baugrund behindert worden sei.

Optimistische Kalkulation

Und noch etwas ließ der Staatssekretär anklingen: „Bei einigen Gewerken war der durch die beauftragten Unternehmen abgeschätzte Umsetzungszeitraum zu optimistisch kalkuliert.“ Damit nicht genug der Fehleinschätzungen: Ursprünglich war geplant und auch ausgeschrieben worden, dass das notwendige Einbringen von Spundbohlen an der Schleuse per Pressverfahren realisiert werden sollte. Vor Ort in der Praxis aber stellte sich laut Staatssekretär Ferlemann heraus, „dass das Pressen zwar möglich war, aber Probleme bereitete“. Konsequenz: „Das Einbringverfahren musste geändert werden.“

Um all diese Defizite zu kompensieren, hat das Ministerium nun alle „Beschleunigungsmaßnahmen getroffen, die einen Effekt auf die Nachfolgegewerke auslösen“. Vor diesem Hintergrund hofft Ferlemann, dass die Verkehrsfreigabe der Schleuse auch wirklich zum avisierten 1. August gegeben werden kann.

Die Schleuse in Zaaren ist in den vergangenen Jahren jeweils von rund 10.000 Schiffen passiert worden.

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