CORONAFOLGE

Ferkel-Stau in der Uckermark beklagt

Der Bestand in seinen Ställen bereitet Knut Büttner-Janner Kopfzerbrechen. Weil die Tönnies-Schlachtung stillsteht, bekommt er die Ware nicht los.
Normalerweise bleiben die Ferkel nur bis zum Alter von zehn Wochen in Schapow. Jetzt werden sie wohl länger gefütter
Normalerweise bleiben die Ferkel nur bis zum Alter von zehn Wochen in Schapow. Jetzt werden sie wohl länger gefüttert werden müssen. Claudia Marsal
Knut Büttner-Janner ist Landwirt mit Leib und Seele. Aber die aktuelle Entwicklung macht ihm Sorgen.
Knut Büttner-Janner ist Landwirt mit Leib und Seele. Aber die aktuelle Entwicklung macht ihm Sorgen. Claudia Marsal
Schapow.

Der Schweinezuchtbetrieb von Knut Büttner-Janner platzt zurzeit aus allen Nähten. Auch das Futter wird vielleicht bald knapp, bilanziert der Bauer aus Schapow. Der Grund dafür ist in 550 Kilometern Entfernung zu suchen. Seit im Tönnies-Werk von Rheda-Wiedenbrück tausende Menschen positiv auf Corona getestet worden sind, steht die Schlachtung dort still. Viele Schweinemäster im Land bleiben demzufolge auf ihrer Ware sitzen und nehmen Ferkelproduzenten wie Büttner-Janner keinen Nachschub mehr ab. 440 knapp zehn Wochen alte Tiere hätte der Uckermärker eigentlich schon letzte Woche zu seinem langjährigen Abnehmer nach Cottbus bringen sollen.

300.000 Tiere überfällig

„Doch von dort kam ein Stopp”, erklärt der Landwirt aus Schapow. Durch den Tönnies-Skandal würden aktuell pro Woche 150 000 Schweine weniger in Deutschland geschlachtet, rechnet der Tierzüchter vor. Über 300 000 ständen mittlerweile schlachtbereit bei den Mästern und würden nicht abgeholt, zeigt der ortsansässige Ferkelproduzent die Dimension auf. Diese Größenordnung könnten andere Fabriken nicht kompensieren, ist er sich bewusst. Für die Schapower bedeutet das, dass die 440 überzähligen Ferkeln die nächsten 120 Tage weiter durchgefüttert werden – so als ob sie beim Mäster ständen, also bis zu einem Lebendgewicht von 120 Kilo. Die 28 000 Euro, die sie aktuell beim Verkauf eingebracht hätten, kommen somit erstmal nicht rein.

750 neugeborene Schweine

Dafür schlagen für sie Versorgungskosten wie Futter, Energie und Personal zu Buche. Seit dem vergangenen Wochenende müssen sie sich zudem die Zuwendung mit weiteren 750 neugeborenen Schweinen teilen, die in Schapow zur Welt gekommen sind. Einen Monat lang sei so eine Doppelbelastung wohl durchzuhalten, resümiert Büttner-Janner auf Nachfrage, „aber dann wird es eng. Zum Glück steht die Ernte schon auf dem Halm, ist also das Futter gesichert, insofern war der Zeitpunkt noch günstig.”

So man überhaupt von günstig reden könne, wie der Landwirt sagt: „Wir kämpfen jetzt schon seit 27 Jahren an der Schweinezuchtfront und sind krisenerfahren. So richtig gut waren die Preise in den letzten Jahren nie, aber das hier hat eine neue Dimension.”

Sauer auf Politik

Knut Büttner-Janner ist trotzdem vorsichtig zuversichtlich, was die Entwicklung anbelangt. Noch rechnet er mit einer Entspannung der Lage. Woran der einheimische Bauer aber nicht glaubt, ist, dass sich die Haltung der Regierung zur hiesigen Landwirtschaft ändert. Die weitere Verschärfung der Sauenhaltungsbedingungen sei für ihn Beweis genug, dass die Politiker nur ein Ziel hätten, nämlich die Tierhaltung aus Deutschland zu verbannen. Wenn es so weitergehe mit den immer strengeren Regularien, würden noch mehr Betriebe aufgeben. „Es traut sich nur niemand, das laut und deutlich zu sagen”, echauffiert sich der Familienvater. Aber ob den Menschen bewusst sei, dass das Fleisch dann von irgendwoher komme und unter fragwürdigen Bedingungen produziert werde, wagt Knut Büttner-Janner zu bezweifeln. „Diese Entwicklung ist es, die mir wirklich Sorgen bereitet”, sagte er abschließend im Interview.

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