FILMREIFE FLUCHT

Fitte Krankenschwester verfolgt Dieb in Prenzlau

Das war filmreif: Als Susanne Brauchler sieht, wie ein Fremder ihr Fahrrad nimmt, sprintet die junge Mutter los. Ihre Hilferufe verhallen leider.
Halt, stopp! Susanne Brauchler sprintete sofort los.
Halt, stopp! Susanne Brauchler sprintete sofort los. Claudia Marsal
Das Diebstahlsopfer war dem Ganoven dicht auf den Fersen.
Das Diebstahlsopfer war dem Ganoven dicht auf den Fersen. Claudia Marsal
Auch hinter dem Supermarkt kam die Frau nicht außer Puste.
Auch hinter dem Supermarkt kam die Frau nicht außer Puste. Claudia Marsal
Manfred Ritter griff als Einziger ein und nahm Susanne Brauchler das Rad ab. „Hinterher rennen konnte ich aufgrund meines Rückenleidens nicht.”
Manfred Ritter griff als Einziger ein und nahm Susanne Brauchler das Rad ab. „Hinterher rennen konnte ich aufgrund meines Rückenleidens nicht.” Claudia Marsal
Prenzlau.

Susanne Brauchler hatte mit ihrem kleinen Sohn einen entspannten Dienstag verbringen wollen. Mit Felix (2) im Rücken radelte die 37-Jährige gegen Mittag in die Innenstadt. Die letzte Besorgung erledigte die junge Mutter noch schnell bei Rossmann. Ein Paket Windeln und ein kleines Spielzeugauto für den Knirps – so kamen die beiden wenig später aus der Innenstadt-Drogerie heraus. Doch vor der Tür traf die Prenzlauerin fast der Schlag. Der Ständer, in dem sie ihr blaues Damenrad angeschlossen hatte, war nämlich leer. Von ihrem erst im vergangenen Jahr angeschafften Drahtesel fehlte jede Spur. In ihrer Not griff die junge Frau zum Handy und rief beim Uckermark Kurier an. „Können Sie schnell einen Suchaufruf online veröffentlichen”, fragte sie bei Reporterin Claudia Marsal an. In diesem Moment war Susanne Brauchler schon fast zu Hause.

In den Ständer gestellt

Doch vor ihrem Hausaufgang stoppte die Kreisstädterin jäh. In diesem Moment erblickte das Diebstahlsopfer nämlich das gestohlene Fahrrad. Jemand hatte es in den Ständer vorm Rewe-Markt hinein gestellt. In dieser Situation roch die Mutter des kleinen Felix den Braten sofort. „Ich werde mich jetzt hier auf die Lauer legen und warten, wer heraus kommt und damit losfahren will. Den schnappe ich mir”, mit diesen Worten legte sie auf. Zwischenzeitlich informierte der Uckermark Kurier die Polizei in Prenzlau. Der Diensthabende in der Wache Vincentstraße schickte auch sofort einen Streifenwagen los. Parallel dazu machte sich die Redakteurin auf den Weg. Vor Ort angelangt, überschlugen sich die Ereignisse dann. Denn kurz nachdem die bestohlene Frau und die Redakteurin ein Wort gewechselt hatten, verließ ein junger Mann den Supermarkt und marschierte zielstrebig auf das Rad zu.

Flucht ergriffen

„Das kann doch nicht wahr sein”, entfuhr es Susanne Brauchler jäh. Sie zögerte eine Zehntelsekunde, dann sprintete die Krankenschwester los. Der ertappte Ganove schaffte es nicht mehr, in die Pedale zu treten. Er warf das Fahrrad um und ergriff die Flucht. In diesem Moment eilte Manfred Ritter herbei. Er fing den Drahtesel auf, damit Susanne Brauchler die Verfolgung aufnehmen konnte. Dem Dieb um Haaresbreite auf den Fersen, wetzte die fitte Prenzlauerin die Steinstraße runter. In diesem Moment bogen dann auch schon die Beamten um die Ecke.

Handschellen klicken

Sie trafen Täter und Opfer an einem Zaun an, er war mehr als sie außer Atem. Wenig später klickten die Handschellen. Nach der Verfolgungsjagd war Susanne Brauchler den Tränen nah. Vermutlich durchlebte sie ein Wechselbad der Gefühle, der Adrenalinschub tat sein Übriges. „Ich wollte ihn nicht damit durchkommen lassen”, sagte sie zum Motiv: „Auf dieses Rad habe ich lange sparen müssen. Das kann der doch nicht so einfach klauen.” Enttäuscht sei sie allerdings von den Augenzeugen der Tat. „Obwohl ich laut um Hilfe geschrien habe, hat mir niemand geholfen, den Mann zu stoppen. Das finde ich traurig.” Was mit dem Dieb weiter passiert, stand zunächst noch nicht fest. Die Polizisten nahmen ihn zunächst mit auf die Wache.

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Kommentare (6)

Wenn man so dicht, an der Grenze, wohnt

der taffen Mutti - ein gutes Fahrrad ist was wert - - gebt dem Kerl Sozialstunden 500Stk. auf der Station wo die Frau arbeitet - Schieberdienst - Toiletten reinigen lassen - open end

Das ist noch, zu Human, es geht noch schärfer

Der Dieb wird die Polizeidienststelle schneller wieder verlassen als die Frau sich von dem Vorfall erholt hat. Dann hat der Dieb bestimmt noch eine schlechte Kindheit gehabt und bekommt, falls es zu einer Hauptverhandlung überhaupt kommt, noch mildernde Umstände.
Klingt komisch, ist aber wahr.

durfte man bis vor hundert Jahren einfach so erschießen. Im wilden Westen! Leider sind wir im wilden Osten. Da passiert den Dieben heutzutage nichts.

Angesichts dessen, was man in den letzten Jahren über Menschen lesen musste, die Zivilcourage bewiesen hatten, nicht sehr verwunderlich. Solange das Hätscheln der Täter Vorrang vor der Fürsorge für die Opfer hat, wird sich das wohl auf Dauer kaum ändern. Traurig aber Realität.