Der 24-Jährige beklagt, dass im Internet eine Hertzkampagne gegen ihn laufe. Er hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet.
Der 24-Jährige beklagt, dass im Internet eine Hetzkampagne gegen ihn laufe. Er hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Claudia Marsal
Syrer bestreitet Tat

Flüchtling wehrt sich gegen Vorwurf der sexuellen Belästigung

Ja, er habe die 14-jährige Prenzlauerin geküsst, räumt der Asylbewerber ein. Aber die Initiative sei von dem Mädchen ausgegangen, sagt der 24-Jährige.
Prenzlau

„Das habe ich nicht getan!” Mit diesen Worten setzt sich ein 24-jähriger Asylbewerber gegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zur Wehr. Laut Polizeibericht vom Wochenende soll er eine minderjährige Besucherin des Prenzlauer Jugendhauses sexuell belästigt und zwei weitere Kinder geschlagen beziehungsweise bedroht haben, der Uckermark Kurier berichtete. Beim Gespräch in der Redaktion verwahrte sich der Syrer entschieden gegen diese Version.

Lesen Sie hier: 23-Jähriger belästigt Mädchen im Jugendhaus

Der seit anderthalb Jahren in Deutschland lebende Mann stellte in seiner Schilderung dar, dass die Initiative an besagtem Tag von dem Mädchen ausgegangen sei. Warum dessen Familie später Anzeige gegen ihn erstattet habe, wisse er nicht. Der Flüchtling beschwörte, dass die 14-Jährige vor der Einrichtung am Georg-Dreke-Ring seine Hand genommen und ihn zum Betreten des Jugendclubs ermuntert habe. „Drinnen hat sie mich dann gefragt, ob wir uns küssen wollen. Ich hatte nichts dagegen, so ist es passiert.”

Nicht auf Sex aus

Gefragt, ob er nicht wisse, dass sich nach deutschem Recht Erwachsene, die über 21 Jahre sind, strafbar machen, wenn sie eine sexuelle Beziehung mit Jugendlichen unter 16 führen, so sie dabei deren mangelnde Reife oder Fähigkeit zur Selbstbestimmung ausnützen, entgegnete der Beschuldigte, dass es keine sexuellen Handlungen gegeben habe, „sondern nur Küsse, weil es das Mädchen so wollte.” Auch dessen Begleiterinnen hätten ihn gern zum Freund gehabt, erklärte der Migrant weiter: „Ich vermute, dass es danach einen Streit um mich gab und die Sache deswegen eskaliert ist.”

Der Heimbewohner bekräftigte weiter, nicht auf Sex ausgewesen zu sein: „Für mich als Moslem käme das nicht infrage. Ich möchte lieber heiraten und eine Familie gründen.” Den ihm nach dem Zwischenfall zur Last gelegten Faustschlag gegen einen Freund des besagten Mädchens räumte er ein.

Auch interessant: Iraker berichten von gefährlicher Flucht

Aber auch daran trage er keine Schuld: „Der andere hat mich verfolgt und bedroht. Als er zuschlagen wollte, habe ich mich nur gewehrt.” Besonders schlimm findet der gelernte Bäcker, dass seitdem ein „Täter”-Foto von ihm im Internet kursiert. Alle Versuche, den Verfasser des gegen ihn gerichteten Schmäh-Posts zu finden, seien aber gescheitert, beklagt der Mann. Er habe deshalb Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Feindseligkeit erlebt

Darüber hinaus stellte der Flüchtling dar, sich von Anfang an nicht wohlgefühlt zu haben in der Stadt. Warum er gerade nach Prenzlau musste, obwohl ihm eine Großstadt lieber gewesen wäre, verstehe er nicht. Die Menschen hier seien feindselig gegenüber Ausländern eingestellt und würden Fremde bewusst provozieren, so sein Eindruck: „Ich weiß nicht, warum. Ich will mir hier nur in Ruhe ein neues Leben aufbauen.” Polizeiangaben zufolge ist der 24-Jährige in der Vergangenheit bereits als Tatverdächtiger in unterschiedlichen Ermittlungsverfahren in Erscheinung getreten. „Diese Verfahren sind aber zum Teil noch nicht rechtskräftig abgeschlossen. Da durch uns die Persönlichkeitsrechte von Beteiligten in Ermittlungsverfahren zu achten sind, können wir keine näheren Ausführungen dazu machen, wegen welcher Tatbestände und in wie vielen Fällen gegen den Mann ermittelt wurde bzw. wird”, hieß es auf Nachfrage der Redaktion aus der Polizeidirektion Frankfurt/Oder.

zur Homepage