Holzlaster, aber auch andere Lkw mit schweren Anhängern, sind beinahe täglich – wie hier in Lychen – auf
Holzlaster, aber auch andere Lkw mit schweren Anhängern, sind beinahe täglich – wie hier in Lychen – auf den Straßen der Uckermark unterwegs. Immer wieder sind Verkehrsbelastungen wie Lärm oder kaputte Straßen ein Thema, das unter Bürgern und Politikern in den Kommunen diskutiert wird. Horst Skoupy
Schwerlasttransport

Für ihre Sicherheit riskiert Templiner Radlerin sogar Strafen

In Templin wird viel über Radler und Laster auf einer Straße diskutiert. Doch es ändert sich nichts, kritisierte Gunda Hauf nach einem schweren Unfall.
Templin

Die Kritik an den tonnenschweren Brummis, vor allem den Holztransportern, die durch die Städte und Dörfer fahren, reißt nach dem schweren Verkehrsunfall vor Wochenfrist in Templin nicht ab. Eine 63-jährige Radfahrerin war dabei lebensgefährlich verletzt worden. Unmittelbar nach diesem Unglück hatten sich Bürger, Fachleute und Politiker zu den Gefahren geäußert, die mit Lkw und Radlern auf einer Straße einhergehen, der Uckermark Kurier berichtete.

Bahn wäre eine Alternative gewesen

„In Bezug auf Lychen sind es wohl überwiegend die polnischen Holzlaster, die voll beladen aus Richtung Hardenbeck regelrecht einfliegen und leer zurück nach der Filter-Müller-Kurve aufs Gaspedal treten, um an der Feuerwehrausfahrt bereits im Tiefflug zu sein“, gab Ronald Boshold seine Erfahrungen auf Facebook wieder. Den Holztransporten auf den Straßen steht auch Steffan Lemke kritisch gegenüber. „Da ist schon viel passiert. In Hennigsdorf rollt ein Autozug mit Holz nach dem anderen lang. Da muss man staunen. Hätten die nicht so viele Bahnstrecken stillgelegt, hätten wir vielleicht auch nicht so viele Holztransporte auf der Straße. Wobei das eh verrückt ist, was die an Holz durch die Gegend fahren. Viele sind auch nach Wittstock unterwegs. Da wird es manchmal richtig eng.“

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Auch die Templinerin Gunda Hauf nahm den tragischen Unfall zum Anlass, daran zu erinnern, worüber in Templin schon ewig diskutiert werde, ohne das etwas passiere: „Es geht mir um die Sicherheit von Radfahrern.“ Nirgendwo sei es in der Stadt so, dass, wenn Radfahrer auf der Straße fahren, ausreichend Sicherheitsabstand zum motorisierten Verkehr gegeben ist. „Die Platzverhältnisse sind einfach nicht danach. Schon gar nicht, nachdem beispielsweise in der Mühlenstraße Mittelinseln auf der Fahrbahn angelegt wurden. Dadurch ist es noch enger geworden. Ich habe kein Verständnis für denjenigen, der sich so etwas ausgedacht hat“, meinte die Templinerin bei ihrem Anruf in der Redaktion. Der Unfall, der sich vor Kurzem am Beethovenplatz ereignet habe, sei nicht der erste dieser Art gewesen. „Wie oft haben wir in der letzten Zeit schon etwas von Befragungen über mehr Sicherheit für Radfahrer in Templin gehört oder gelesen. Das ist sicher notwendig. Allerdings frage ich mich, was das bringt, wenn diesen vielen Worten nicht endlich Taten folgen“, kritisierte die Uckermärkerin.

Bürgerworkshop zum Radverkehrskonzept

Erst im Dezember vergangenen Jahres hatte ein Bürgerworkshop zum Radverkehrskonzept in Templin stattgefunden. Das Konzept soll Verkehrsflüsse beinhalten, Problemstellen analysieren und zeigen, was zu tun ist. Mit den Teilnehmern des Workshops wurden unter anderem Möglichkeiten diskutiert, wie Radfahrer sicherer durch die Innenstadt zu führen wären. Dem Workshop waren Bürgerbefragungen und Befahrungen durch Experten des Mobilitätswerkes vorausgegangen, der Uckermark Kurier berichtete.

Gunda Hauf fährt schon lange nicht mehr mit dem Rad auf der Straße, sondern benutzt die Gehwege. „Natürlich muss man dabei Rücksicht auf die Fußgänger nehmen.“ Dass sie damit gegen die Straßenverkehrsordnung verstößt, weiß die Templinerin. „Ich bin auch schon öfter von der Polizei angehalten worden und musste Strafe zahlen. In solchen Momenten ärgert mich die unbefriedigende Situation in der Stadt besonders.“

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Alexander Köppen, Fachgebietsleiter in der Stadtverwaltung, verwies in diesem Zusammenhang auf die nächste Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung der Stadtverordnetenversammlung. Sie findet am 24. Januar statt. Dort soll es um das große Thema Radverkehrskonzept für Templin gehen, kündigte er an. Was den Unfall am Beet­hovenplatz angehe, so sei man auch in der Stadtverwaltung erschüttert darüber. „Noch laufen die Ermittlungen zur Unfallursache.“ Alexander Köppen machte deutlich, dass es sich dort um eine Bundesstraße handele, für die der Landesbetrieb Straßenwesen zuständig sei. Die Stadt werde ihn nach ihren Möglichkeiten unterstützen, sollten bauliche Veränderungen an der Stelle nötig sein.

+++ Radfahren in Templin – Lust oder Frust? +++

Harald Engler will das Thema am heutigen Dienstag in der Sitzung seiner Fraktion – wieder einmal – zur Sprache bringen. Schon oft sei in der Stadtverordnetenversammlung darüber diskutiert worden, so der Vertreter der Fraktion Uckermärker Heide /WBv. Er persönlich ist der Ansicht, dass das Holz aus der Region auch hier verarbeitet werden sollte, nicht zuletzt, um lange Transportwege zu vermeiden. Dass das illusorisch ist, weiß er. Das Thema Holztransporte betreffe aber nicht nur die Stadt Templin. „Gefühlt fahren täglich Holztransporter durch Groß Dölln, oft mit überhöhter Geschwindigkeit“, so der Ortsvorsteher. „Wenn das Thema zur Sprache kommt, muss man auch über Geschwindigkeitskontrollen reden.“ Das zum einen. Um Lösungen vor allem für die Radfahrer zu finden, ist es aus seiner Sicht notwendig, dass sich alle Beteiligten – Straßenträger, Kommunen, Politiker und nicht zuletzt Bürger – an einen Tisch setzen. „Das ist kein Thema nur für Wahlkampfzeiten“, appellierte Harald Engler an alle Kommunalpolitiker.

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Kommentare (1)

In jeder Kommune muß es heißen: Sicherheit für Radfahrer geht VOR dem Kraftfahrzeug-Verkehr. SICHERHEIT FÜR RADFAHRER HIER UND JETZT!!!!!