Jugendamt in Kritik
Großeltern haben Angst um ihre drei Enkel

Oma und Opa sind mittlerweile total verzweifelt.
Oma und Opa sind mittlerweile total verzweifelt.
Claudia Marsal

Wenn die drei Kinder weiter in Obhut der Mutter bleiben, wird etwas Schlimmes passieren, sagen Oma und Opa. Das Jugendamt Uckermark ist anderer Meinung.

Die Vorwürfe der Großeltern sind so krass, dass sie einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Vom Drogenkonsum eines Fünfjährigen ist die Rede, von einem wenig älteren Mädchen, das im Schlafzimmer mehr mitbekommt, als gut ist und von einem Baby, das mit eitrigem Windelbereich tagelang unversorgt bleibt. Fotos liegen der Redaktion vor.

Dabei soll das, wenn man Helga und Martin M. (Namen geändert) Glauben schenkt, nur die Spitze des Eisberges sein. Dass die beiden Uckermärker damit jetzt an die Öffentlichkeit gegangen sind, hat mit ihrer Ohnmacht zu tun. Sie fühlen sich ungehört von den Behörden, insbesondere vom Jugendamt des Landkreises, welches sie über mehr als vier Jahre immer wieder auf die schrecklichen Zustände angesprochen haben wollen.

Selbst das vorm Familiengericht erkämpfte Umgangsrecht für die Enkel habe nicht dazu geführt, dass man ihnen in der Kreisverwaltung mehr Gehör schenke, beklagen die Großeltern. Ihnen ist bewusst, dass sie mit dem Gang an die Presse jetzt alle Register ziehen und sich unter Umständen großen Ärger einhandeln. Aber das sei der Mut der Verzweiflung, sagt Helga M.. Es habe mit ihrer riesengroßen Angst zu tun, dass den Enkelkindern etwas Schlimmes widerfährt, wenn die zuständigen Stellen nicht eingreifen.

Sie sehen das Kindswohl der drei Kleinen mittlerweile akut in Gefahr, wenn sie weiter in der Obhut der ihrer Meinung nach drogenabhängigen Mutter bleiben. Aktuell ist das Trio an den Wochenenden meist bei Oma und Opa, weil der Kindsvater, ihr Sohn, seit der Trennung mit bei ihnen mit im Haus lebt.

Nur unter Tränen abgegeben

„Jedesmal, wenn wir sie abholen, bekommen wir einen noch größeren Schreck, was die Verwahrlosung anbelangt”, erklärt die 58-jährige Großmutter unter Tränen: „Und wenn wir sie am Sonntagabend wieder abgeben, geht das nie ohne Weinen ab. Vor allem die beiden Großen klammern sich an uns und wollen nicht wieder nach Hause.” Geschockt habe sie in der vergangenen Woche die Beobachtung, dass der mittlere Junge sich schon wie selbstverständlich Zigaretten rolle und zu rauchen beginnen wolle.

Seine Schwester habe ihnen dann erzählt, dass er zu Hause auch schon einmal weißes Pulver rein getan und dann wie verrückt durch die Wohnung getorkelt sei, setzt der geschockte Großvater hinzu. Nach dieser Schilderung hätten sie schweren Herzens gegen die Kindsmutter, die das Aufenthaltsbestimmungsrecht hat, Anzeige bei der Polizei erstattet.

„Wir wollen dieser Frau nicht schaden”, versichert das Paar: „Aber ihr muss dringend geholfen werden, sonst gehen die Kinder mit ihr endgültig vor die Hunde.” Die Großeltern wären bereit, für die Dauer eines Entzuges ganz und gar für die drei Geschwister zu sorgen. „Wir kennen das ja schon, haben seit der Geburt der Ältesten unsere Bedürfnisse immer für sie hinten an gestellt, haben Arztbesuche absolviert und mit den Kindereinrichtungen in Kontakt gestanden.”

Jugendamt sieht keine Gefährdung

Aber sie könnten nicht länger ertragen, dass sie die drei übers Wochenende immer aufpäppelten und satt machten, während sie unter der Woche dann verwahrlosten und hungern müssten, „weil selbst das Kindergeld vermutlich für Drogen drauf geht.” Der Frührentner weiß nicht, wohin er sich noch wenden soll.

Der Vorwurf der Großeltern lautet: „Das Jugendamt unternimmt nichts. Wir sehen kommen, dass etwas Schlimmes passiert, aber die Behörde schaut weg.” Eine Mitarbeiterin habe ihnen beim letzten Gespräch wortwörtlich gesagt, sie mögen sich endlich raushalten, das gehe sie nichts an.

Mit diesen Behauptungen konfrontiert, kam vom Landkreis am Dienstagnachmittag folgende Antwort: „Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen wir Ihnen leider keine konkreten Auskünfte erteilen. Das Jugendamt hat jedoch sowohl mit der Familie als auch mit dem sozialen Umfeld der Kinder Gespräche geführt und eng zusammen gearbeitet.” Eine akute Gefährdung der Kinder könne dabei zurzeit nicht festgestellt werden, hieß es weiter. „Die Familie wird weiterhin durch das Jugendamt begleitet und betreut”, erklärte Heiko Stäck, der stellvertretende Jugendamtsleiter, abschließend.

Kommentare (2)

Wie die Betreuung ist liest man ja

Die Zahl der jährlichen Inobhutnahmen lag 2005 bei rund 25.664 und stieg bis zum Jahr 2016 kontinuierlich, auf 84.230 an.[14] Die Kosten verdoppelten sich in dieser Zeit auf inzwischen neun Milliarden Euro pro Jahr.[15] Angestiegen sind insbesondere die Inobhutnahmen der sehr jungen Kinder unter drei Jahren. Gründe hierfür sind unter anderem die Reaktionen der Öffentlichkeit bei Extremfällen wie Kindstod, die Beschäftigte des Jugendamtes veranlassen, eine jederzeit rechtlich abgesicherte Strategie zu verfolgen.[16] Überwiegend finden sich in den vorläufigen Schutzmaßnahmen aber nach wie vor Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren – immer häufiger auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Jedes vierte der Kinder bzw. Jugendlichen, die in Obhut genommen werden, sucht selbst um Hilfe nach.[17] und Während der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 wurden den Jugendämtern wesentliche Aufgaben entzogen und der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt oder der Hitlerjugend zugewiesen. Erbbiologische und rassehygienische Ausleseverfahren bestimmten die Arbeit dieser Organisationen. Das eigenständige Erziehungsrecht des Kindes galt nicht länger, es wurde durch die „Erziehung zur deutschen Volksgemeinschaft“ ersetzt. Heranwachsende Jungen und Mädchen wurden in der Hitlerjugend bzw. im Bund Deutscher Mädel zwangsorganisiert und damit unter die Kontrolle des Staates gestellt. Ab 1939 wurde die Geschäftsführung der Jugendämter, die nur noch als Rumpfämter existierten, den Bürgermeistern und Landräten übertragen. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendamt