WILDEREI

Habicht verliert im Tellereisen seine Krallen

Das war das Todesurteil für einen Jungvogel: Das Tier geriet vermutlich in eine Fangeinrichtung. Der so verstümmelte Habicht wäre qualvoll verhungert, wenn ein Ehepaar in Templin ihn nicht gefunden hätte.
Dieser Habicht ist vermutlich im Juni erst aus dem Ei geschlüpft. Als ihm die Fänge abgeschnitten wurden, war das se
Dieser Habicht ist vermutlich im Juni erst aus dem Ei geschlüpft. Als ihm die Fänge abgeschnitten wurden, war das sein Todesurteil.Fotos: Monika Strehlow
Günter und Marianne Harms mit einer jungen Elsterkröpfer in rot, die sie per Hand aufziehen mussten. Das Templiner P
Günter und Marianne Harms mit einer jungen Elsterkröpfer in rot, die sie per Hand aufziehen mussten. Das Templiner Paar hat keine Angst vor dem Habicht.
Paul Sömmer, Leiter der Naturschutzstation Woblitz, hat Anzeige erstattet.
Paul Sömmer, Leiter der Naturschutzstation Woblitz, hat Anzeige erstattet.
Templin ·

Ein Habicht mit glatt abgetrennten Fängen wurde am Mittwoch auf einem Templiner Grundstück gefunden. Die mit scharfen Krallen bewehrten Füße an den Ständern, den Beinen, des Vogels, der zu den wendigsten Jägern der Lüfte gehört, gab es nicht mehr. Der bedauernswerte Jungvogel aus einer diesjährigen Brut lebte noch, als er von Marianne Harms gefunden wurde. Es hatte sich im verzweifelten Versuch, Beute zu schlagen, um dem Hunger zu entkommen, in den Keller des Hauses verirrt. Bis dorthin konnte er eine junge Taube aus der Zucht von Günter Harms treiben. Doch der Greifvogel war seiner wichtigsten Werkzeuge beraubt worden und hatte keine Chance auf Nahrung.

Tier versuchte zu jagen

Diese Begegnung werden Marianne und Günter Harms wohl nicht mehr vergessen. „Ich hatte ein seltsames Pfeifen gehört und bin raus, um nach den Tauben zu sehen“, sagt sie und zeigt auf die zum Lagerraum umfunktionierte Garage. „Dort unten sah ich, wie der Habicht die Taube in den Hobbyraum trieb. Es sah seltsam aus und war merkwürdig. Ich konnte ja nicht sehen, dass er nicht mehr stehen konnte. Er versuchte, auf den ausgebreiteten Flügeln vorwärtszukommen.“

Ein Woche lang gequält

Sie holte die Taube heraus und sperrte den kleinen Greifvogel im Raum ein, um Hilfe zu holen. „Ich war froh, dass mir der Tierarzt die Verbindung zur Naturschutzstation Woblitz aus dem Internet heraussuchen konnte.“ Das, was dessen Leiter Paul Sömmer, dann vorfand, erschütterte selbst den erfahrenen Ornithologen und Tierschützer. Nach den eingetrockneten Wunden zu urteilen, könnte der Habicht vor etwa einer Woche in eine Falle, vermutlich ein Tellereisen, geraten sein. Ob das verbotene Fanggerät oder der Wilderer die Fänge letztlich abgetrennt hatte, lässt sich nur vermuten. „Doch das Tier, das derart verstümmelt nicht mehr jagen kann, seinem Schicksal zu überlassen, ist verbrecherisch. So wäre er zum qualvollen Hungertod verurteilt“, sagt Paul Sömmer, das Geschehen noch immer nicht fassend. Er musste das Tier einschläfern lassen.

Anzeige bei der Polizei

Noch am Abend erstattete er Anzeige bei der Polizei. Nach Information des Pressesprechers der Inspektion Uckermark werden solche Straftaten zur Ermittlung an das Landeskriminalamt weitergeleitet. Die Aufklärung dieser Delikte sei schwierig, weiß Gerald Pillkuhn. „Ich kenne zumindest noch kein Urteil, das wegen Wildtiertötung in der Uckermark gefällt worden ist.“ Ähnlich wie es auch kaum Fortschritte bei der Verfolgung der Täter gibt, die in geplanten Windkraftgebieten Bäume fällen, auf denen Adler brüteten.

In Schwerin wurde ein Hund mit einer Tellerfalle schwer verletzt.

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