Hermann Mändle führte den Uckermark Kurier an den Platz des Geschehens.
Hermann Mändle führte den Uckermark Kurier an den Platz des Geschehens. Claudia Marsal
Die Hakenkreuze wurden notdürftig übermalt.
Die Hakenkreuze wurden notdürftig übermalt. Claudia Marsal
„Hitler hat nichts falsch gemacht” ist auf Englisch zu lesen.
„Hitler hat nichts falsch gemacht” ist auf Englisch zu lesen. Claudia Marsal
Schlimme Entdeckung

Hakenkreuze an Windanlage geschmiert

„Was geht in den Köpfen dieser Menschen bloß vor?“ fragt sich Rentner Hermann Mändle aus Hohengüstow, nachdem er eine schlimme Entdeckung gemacht hat.
Hohengüstow

Als Hermann Mändle geboren wurde, war Adolf Hitler schon vier Jahre an der Macht. „Wir Kinder sind damit groß geworden, dass wir mit den Pimpfen durchs Dorf liefen und unsere Anführer mit benagelten Schuhen übers Pflaster donnerten“, erinnert sich der Rentner aus Hohengüstow. Erst später habe er begriffen, wie viel Leid der Zweite Weltkrieg gebracht habe, setzt der 84-Jährige nachdenklich hinzu. Nie im Leben hätte er erwartet, dass Jahrzehnte später junge Leute wieder Hitler bejubeln und Hakenkreuze schmieren. Aber genau das geschehe zurzeit in seiner Nachbarschaft, beklagt der pensionierte Landwirt.

Auf Radrunde gesehen

„Ich fahre abends mit dem Rad immer Richtung Blankenburg, damit der Hund etwas Auslauf bekommt. Bei einer dieser Gassirunden habe ich entdeckt, dass eins der großen Windräder am Verbindungsweg mit Hassbotschaften beschmiert worden ist“, schildert der vierfache Vater. Auf Englisch stand da doch tatsächlich „Hitler hat nichts falsch gemacht“ geschrieben. Völlig empört habe er sich sofort ans zuständige Amt gewandt, erklärt Hermann Mändle weiter. „Das ist jetzt bestimmt schon sechs Wochen her, doch getan hat sich nichts, außer dass die Hakenkreuze mit einem roten Signalstift übermalt wurden und dadurch noch auffälliger geworden sind.“

Diese unsäglichen Botschaften einfach stehen zu lassen, findet der langjährige Vorarbeiter des LPG-Kartoffellagers unerhört. „Es ist ja nicht so, dass nur ich hier vorbeikomme und vielleicht ab und an mal ein Techniker. Nein, die Straße wird rege genutzt als Abkürzung zur Tankstelle. Auch Urlauber sieht man hier“, sagt der Uckermärker, der ein paar hundert Meter weiter wohnt. „Was sollen die Touristen denn von uns denken? Unser Landstrich hat eh schon den Ruf als Nazigegend weg, weil so viele Rechts wählen.“

Sofort entfernen

Er würde sich freuen, wenn die Schmierereien noch vor den Wahlen wegkämen. Das wäre seiner Meinung nach das einzig richtige Signal. „Und vielleicht können sich ja mal ein paar Experten von der Polizei damit beschäftigen. Man sagt doch immer, dass die Sprayer ihre eigene Handschrift haben. Diese Graffitis hier sind unverwechselbar, dass man die Schmierfinken unter Umständen sogar identifizieren kann.“ Käme er dazu, wie jemand ein Loblied auf Adolf schreibt, der alte Mann würde den Täter sofort zur Rede stellen: „Ich weiß nicht, was in den Köpfen solcher Menschen vorgeht.“ Ordnungsamtsleiterin Antje Lemmer bestätigte, dass das Amt Gramzow über die Schmierereien in Kenntnis gesetzt wurde: „Wir haben daraufhin in Abstimmung mit der Polizei zeitnah den Eigentümer informiert. Dort wurde uns die Beseitigung zugesagt.“ Bei der Firma Energiekontor zeigte man sich überrascht, dass der Schaden noch nicht behoben ist. Der Parkmanager habe sofort eine Malerfirma beauftragt und sich auf die schnelle Ausführung verlassen. Man werde nochmals nachhaken, versicherte Pressesprecher Peter Alex.

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