Dr. Reinhart Müller-Zetzsche spricht von Verleumdung.
Dr. Reinhart Müller-Zetzsche spricht von Verleumdung. Kai Horstmann
Pfarrer Thomas Dietz fürchtet um den sozialen Frieden.
Pfarrer Thomas Dietz fürchtet um den sozialen Frieden. Archiv
Verleumdungsvorwurf

Heftige Reaktion auf Corona-Protest des Schönfelder Pfarrers

Superintendent Dr. Reinhart Müller-Zetzsche stellt klar, dass das Statement nicht die Meinung der Kirche ist. Er geht sogar noch einen Schritt weiter.
Prenzlau

Der Schönfelder Pfarrer Thomas Dietz hat sich im Uckermark Kurier dazu bekannt, bei der großen Corona-Demo in Berlin gewesen zu sein. Als Gründe nannte er unter anderem Enttäuschung und Empörung über die „totale Panikmache” der Regierung. Die Reaktion der Kirche ließ daraufhin nicht lange auf sich warten. Wenige Stunden nach Erscheinen des Beitrages, in welchem der 60-Jährige seine Gründe dargelegt hatte, meldete sich Superintendent Dr. Reinhart Müller-Zetzsche zu Wort.

Nicht Kirchenmeinung

Der Prenzlauer übersandte der Redaktion folgende Stellungnahme: „Eine ganze Seite mit der Meinung eines Pfarrers, da muss zumindest klargestellt werden, dass es nicht die Meinung der Kirche ist. Das weiß Pfarrer Dietz auch aus den Antworten des Bischofs. Menschen geraten in Nöte sowohl durch Corona als auch durch die Schutzmaßnahmen. Na klar! Verantwortliche sind in einer neuen Situation erst einmal unsicher. Na klar! Da hilft aber kein undifferenzierter Protest. Die Kirche hat einen Auftrag zum Trösten und zu mutiger Verkündigung: Fürchtet Euch nicht!“

Nicht mehr Menschen gestorben

Auch in Gemeinden und unter Mitarbeitenden der Kirche würden manche Angelegenheiten verschieden beurteilt, räumte der leitende Kirchenmann ein: „Aber Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass polarisierende und unzutreffende Behauptungen unwidersprochen hingenommen werden. Die Maßnahmen sind übertrieben? Bei uns sind tatsächlich nicht mehr Menschen gestorben als in anderen Jahren – aber gerade wegen der Hygienemaßnahmen und des guten Gesundheitswesens. Nein, wir befinden uns nicht in einer Situation, wo ein kirchliches Bekenntnis gegen einen totalitären Staat gefordert ist. Darum ist die Bezugnahme auf die Kirche zu DDR-Zeiten unlauter. Die demokratisch gewählte Regierung will natürlich keinen Niedergang der Wirtschaft und der Bildung. So etwas auch nur anzudeuten, entbehrt jeder Plausibilität.“

Es sei verleumderisch, so Dr. Reinhart Müller-Zetzsche, die Vorsicht und das Eindämmungskonzept der Verantwortlichen als „totale Panikmache“ zu bezeichnen.

Kein Vorsatz

„Das unterstellt nämlich eine unlautere Absicht – vorsätzlich Panik zu erzeugen“, betonte der Pfarrer. Es sei zwar nicht verboten, aber politisch äußerst kurzsichtig, mit Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern demonstrieren zu gehen, stellte er seinen Ausführungen nach: „Man kann nämlich nicht die eigene Teilnahme damit rechtfertigen, dass auch vernünftige Leute da waren. Entscheidend ist, wer die Initiatoren sind, denen man mit einer Teilnahme den Rücken stärkt.“ Eine Parallele zu den Demonstrationen der Wendezeit bestehe seiner Meinung nach da überhaupt nicht.

„‚Nicht jeder hat die Erkenntnis… Seht aber zu, dass diese eure Freiheit für die Schwachen nicht zum Anstoß wird.‘ (1. Korinther 8) Wenn also jemand in seiner Überzeugung ganz sicher ist, dann soll er doch die anderen nicht abwerten oder unter Druck setzen“, heißt es abschließend in der Stellungnahme des Superintendenten.

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