Gastkommentar

„Herdenimmunität im Vertrauen“

„Ausgrenzung ist ein großer Verlust für unsere Gesellschaft“ schrieb Pfarrer Dietz am 7. Dezember. Nun reagiert Generalsuperintendent Kristóf Bálint darauf.
Kristóf Bálint, Generalsuperintendent im Sprengel Potsdam: Er reagiert mit dieser Erwiderung auf den Gastkomment
Kristóf Bálint, Generalsuperintendent im Sprengel Potsdam: Er reagiert mit dieser Erwiderung auf den Gastkommentar des Pfarrers Thomas Dietz. EKMD
Prenzlau

Mit Interesse las ich den Gastkommentar von Herrn Dietz, der als Privatperson seine persönliche Meinung kundtut, allerdings mit seinem Beruf benannt wird und damit als Vertreter der Kirche in Erscheinung tritt. Allein deshalb antworte ich auf diesen Beitrag, der weder die Haltung der Evangelischen Landeskirche (EKBO) wiedergibt, noch der eigenen Überschrift gerecht wird. Es entspricht nicht dem Auftrag eines Pfarrers, „Menschen auszugrenzen“.

Ohne auf die Argumentation im Einzelnen einzugehen, möchte ich meine Haltung als Generalsuperintendent des Sprengels Potsdam und als Theologe hinzustellen. Die Leserinnen und Leser mögen sich ihr Urteil selbst bilden.

Gesellschaft verunsichert

Die derzeitige gesellschaftliche Situation ist geprägt von großer Unsicherheit. Ist es richtig, sich impfen zu lassen oder nicht? Sind die Impfdurchbrüche ein „Beweis“ fehlender Wirksamkeit oder gerade nicht? Jeder findet Quellen, die sein (Vor-)Urteil bestätigen. Daher ist es gut, sich auf Fakten zu beschränken, die nachweisbar sind.

Ich habe im Bekanntenkreis Menschen, die dringend eine OP benötigen, beispielsweise wegen Krebs. Sie bekommen keinen Termin, weil auf den vollen Intensiv-Stationen viele Ungeimpfte liegen, die oftmals die Wirkung des Virus nicht wahrhaben wollten. Ich finde es zudem unbegreiflich, dass in dieser Zeit Urlaube in alle Welt gebucht werden und nicht Selbstverzicht zum Wohle aller an erster Stelle steht. Geimpft oder nicht ist dabei völlig egal. Regeln wie 2G in Frage zu stellen ist leicht, wenn nicht zugleich nachweislich wirksamere Möglichkeiten vorgeschlagen werden. Ich würde mir Mäßigung von allen Seiten wünschen, damit wir wieder das „Alle“ in den Blick nehmen und das „Ich“ stärker zurückstellen.

Entscheidung für die Impfung

Ich habe für mich entschieden und mich impfen lassen. Ich vertraue auf Gott und darauf, dass er Menschen die Vernunft gibt, gute Lösungen zu finden. Die befinden sich in den Impfstoffen. Andere werden derzeit erprobt. Alle Ansätze sind gut, wenn sie helfen, die Pandemie zu beherrschen. Aber wir werden nicht unser Leben beherrschen können, das liegt allein in Gottes Hand. Wer Recht hat, ist unerheblich. Es wird sich in den Krankenhäusern zeigen – nur leider für viele Menschen leidvoll und hoch ansteckend.

Ich wünsche mir, nicht nur für die Weihnachtszeit, einen viel mehr umeinander besorgten Umgang, Verständnisvoll und ohne gegenseitige Unterstellungen. Ich wünsche mir eine Herdenimmunität im Vertrauen.

Kristóf Bálint, Generalsuperintendent im Sprengel Potsdam

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