GUTE NACHBARSCHAFT

Hier bringt der Hausmeister sogar Geburtstagsbrötchen

Alleinstehende drohen im Alter häufig zu vereinsamen. Doch es gibt viele Leute, die so etwas verhindern wollen. Das durfte Irmgard Feldhahn erfahren.
Das Geburtstagskind (vorn sitzend) freute sich über viele Gratulanten.
Das Geburtstagskind (vorn sitzend) freute sich über viele Gratulanten. Claudia Marsal
Prenzlau.

Ihr erster Mann starb 1952. Den zweiten trug sie vor 23 Jahren zu Grabe. Die Ziehtochter lebt im tiefsten Westen. Die geliebte Enkelin hat es nach Sachsen verschlagen. Nur der Enkelsohn wohnt noch in Prenzlau. „Doch der hat viel zu tun. Er wird wohl erst abends zum Gratulieren kommen können”, sagte Irmgard Feldhahn am Mittwochvormittag – ohne Groll in der Stimme. „So wichtig ist ein 90. Geburtstag ja nun auch wieder nicht”, setzte sie leise hinzu. Was die Seniorin zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass sich die Verwandtschaft da schon längst auf den Weg zu ihr gemacht hatte. Auch der von den Kindern vorab organisierte Besuch des Uckermark Kurier kam völlig unerwartet. Doch auf ein leeres Nest traf die Reporterin nicht. In Irmgard Feldhahns kleiner Wohnung herrschte gegen 11 Uhr bereits Hochbetrieb.

In Schale geschmissen

Als einer der ersten Gratulanten erschienen war ihr langjähriger Hausmeister. Heiko Schütte, angestellt bei dem in Berlin ansässigen Immobilienunternehmen Grand City Property, hatte sich in Schale geschmissen und sogar mehrere Platten mit belegten Brötchen mitgebracht: „Frau Feldhahn gehört zu unseren treuesten Mietern. Sie lebt seit 1987 in diesem Haus. Über diese lange Zeit baut man Beziehungen auf. Und da weiß man dann natürlich, wenn so ein Jubiläum ansteht.”

Ähnlich argumentierte Nicole Meyer. Die junge Mitarbeiterin der Volkssolidarität (VS) war lange mit der ambulanten Pflege der Jubilarin betraut gewesen. „Wir haben so manches Käffchen zusammen getrunken und viele Kekse verspeist”, verriet sie lachend: „so viel Zeit muss im ambulanten Dienst schließlich sein.”

Nicht absagen wollen

Dann habe es aber leider einen Wechsel der Touren gegeben, woraufhin die alte Frau nicht mehr zu ihren Klienten gehörte. „Der Kontakt ist trotzdem geblieben. Zumindest an den Geburtstagen schaue ich noch vorbei”, versicherte die Pflegerin. Am Mittwoch opferte sie dafür sogar ein paar Stunden ihres Urlaubstages: „Ich hätte nicht absagen mögen.” Neben ihr in der Küche stand an diesem Tag Ute Bethke. Sie betreut das Geburtstagskind einmal wöchentlich. „Wir gehen spazieren, nehmen Arztbesuche wahr, spielen Mensch-ärger-dich und andere schöne Sache. Oberstes Ziel ist es, die alten Menschen nicht vereinsamen zu lassen.”

Alte Kollegen kommen

Auch Gerda Krawietz kam mit einem Blumenstrauß vorbei. Sie arbeitet ebenfalls bei der VS und kennt Irmgard Feldhahn noch aus den Zeiten des Seniorenclubs. Viel länger zurück liegt der Beginn der Freundschaft zu Evelin Conrad und Hubert Czeslick. Mit den beiden schauten nämlich ehemalige Kollegen aus der Glasfabrik zum Gratulieren vorbei. Obwohl die Seniorin schon so lange in Rente ist, riss der Kontakt nie ab. Auch zu den Geburtstagen besucht man sich noch. „Sie sehen also, dass für mich gut gesorgt wird.” Wie wahr.

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