SPENDENAKTION

Hilfe aus der Uckermark ist bald unterwegs

Im Urlaub erreichte zwei Templinerinnen die Nachricht von der Flutkatastrophe. Sie zögerten nicht lange, um Betroffenen in Rheinland-Pfalz zu helfen. Nicht allein.
Michaela Neumann (links) und Ina Redetzke-Hertrich sortieren gespendete Kleidung für Opfer der Hochwasserkatastrophe. Bei
Michaela Neumann (links) und Ina Redetzke-Hertrich sortieren gespendete Kleidung für Opfer der Hochwasserkatastrophe. Beide Frauen isind noch immer von der Spendenbereitschaft vieler Uckermärker beeindruckt. Michaela Kumkar
Templin ·

Richard Redetzke und Michael Neumann planen, sich am 28. Juli auf den Weg in die Grafschaft Vettelhoven im Landkreis Ahrweiler zu machen. Mit einem Lkw, der mit Hilfsgütern ist beladen: diverse Möbelstücke und zig Kartons mit Bekleidung, bestimmt für Menschen, die die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz um ihr ganzes Hab und Gut gebracht hat. Die Templinerin Ina Redetzke-Hertrich kann noch immer nicht fassen, wie unendlich groß die Spendenbereitschaft von Uckermärkern gewesen ist. „Dass unsere spontane Idee, unbedingt helfen zu wollen, solche Ausmaße annimmt, hätten wir nicht vermutet“, sagt sie.

Mit dieser Reaktion nicht gerechnet

Auch ihre Freundin Michaela Neumann ist überwältigt. Die beiden Frauen waren im Urlaub, als sie die Bilder der Katastrophe aus dem Ort per Handy erreichten. „Die Schwester meiner Schwiegertochter wohnt in der Grafschaft Vettelhoven. Ihre Familie gehört zu den Betroffenen, anderen Menschen dort geht es noch schlechter. Sie stehen vor dem Nichts“, erzählt Ina Redetzke-Hertrich. „Wir waren uns einig, dass wir etwas machen müssen“, so Michaela Neumann.

Beide stellten die Bilder in ihren Facebook-Status. „Wir dachten, vielleicht spendet je jemand etwas. Und dann ging alles ganz schnell, zuerst meldeten sich Freunde, die wissen wollten, was die drei jungen Familien brauchen. Dann kamen pausenlos Nachfragen. Ich saß nur noch am Handy, um zu koordinieren“, so Ina Redetzke-Hertrich.

Spenden im Wohngebiet gesammelt

Michaela Neumann machte sich mit einer Spendendose in ihrem Wohngebiet auf den Weg. „490 Euro kamen dabei zusammen. Jeder, den ich angesprochen habe, hat etwas gegeben.“ Darüber hinaus sei ein Spendenkonto eingerichtet worden. „Binnen kürzester Zeit sind 2600 Euro eingegangen.“ Birgit Schulz, Inhaberin des Modeschäftes „by Schulz“ in Templin, habe fünf Kartons mit Damen- und Herrenbekleidung aus ihrem Geschäft zusammengepackt. „Dort steht jetzt auch eine Sammelbüchse für die Flutopfer“, berichtet Michaela Neumann. Ebenso wie in der Sprint-Tankstelle Templin. Pächterin Manjana Neumann hat sie aufgestellt. „Durch sie wurde die Spendenaktion auch in Prenzlau und Berlin bekannt. Dort wurden ebenfalls Pakete mit dringend benötigten Dingen gepackt.“

Olaf Gürtler von der Firma Uckermark-Grün habe sich mit einer größeren Spende an der Aktion beteiligt. „Chris Rodenhagen vom Autozentrum Rodenhagen stellt den Lkw zur Verfügung“, ergänzt Ina Redetzke-Hertrich. „Bereits am Sonnabend hatten sich Simon Weber von der Fahrschule Weber und drei Helfer mit einem Transporter und einem Mini-Bagger auf den Weg nach Rheinland-Pfalz gemacht.“

Erschütternde Bilder aus dem Katastrophengebiet

Sichtlich bewegt berichten die beiden Templinerinnen von den Nachrichten, die die junge Frau aus dem betroffenen Ort geschickt hat. „Sie erzählte zum Beispiel von Feuerwehrleuten, die im Dauereinsatz waren und vor Erschöpfung auf der Straße geschlafen haben. Von toten Tieren, die in den Wassermassen vorbeigetrieben sind.“ Umso wichtiger sei es deshalb zu helfen, so Michaela Neumann.

Dass die Bereitschaft dafür so groß sei, habe wohl auch damit zu tun, dass die Leute wissen, dass sie direkt da ankomme, wo sie gebraucht werde, vermuten sie und ihre Freundin. Ina Redetzke-Hertrich spielt eine Sprachnachricht vor, die sie aus der Grafschaft Vettelhoven erhalten hat: „Ich danke euch“, sagt die Schwester ihrer Schwiegertochter. „Ihr seid der Wahnsinn!“

 

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