ANGST IN WG

Hilflose Schlaganfallpatientin in Prenzlau bestohlen

Die Diebe hantierten nur wenige Schritte von ihrer Mama entfernt – dieser Gedanke beschert nicht nur Tochter Corinna Schneider ein ganz mulmiges Gefühl.
Nur das Unterteil von einer der gestohlenen Laternen blieb stecken.
Nur das Unterteil von einer der gestohlenen Laternen blieb stecken. privat
Tochter Corinna Schneider ist entsetzt.
Tochter Corinna Schneider ist entsetzt. Claudia Marsal
Prenzlau ·

Die Mutter von Corinna Schneider aus Prenzlau konnte nach ihrem zweiten schweren Schlaganfall nicht mehr alleine leben. Zum  Glück fand die Tochter schnell einen Platz in einer Senioren-WG in der Klosterstraße. Doch das kleine Zimmer mit Terrasse, welches die alte Wohnung zwar nicht ersetzen konnte, dafür aber allen Beteiligten Sicherheit brachte, erscheint der Familie jetzt nicht mehr ganz so sicher. Die Seniorin wurde nachts bestohlen.

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Aber der Reihe nach: Corinna Schneider war sehr froh, dass die 74-Jährige dort seit einem Jahr sehr liebevoll und empathisch betreut sowie trotz ihrer Spracheinschränkung gut verstanden wurde. "Sie lebte sich langsam ein und kam auch mit den anderen elf Bewohnern gut klar. Um meiner Mutti das Leben dort zu erleichtern und zu verschönern, bin ich täglich vor Ort und gestalte ihr ihre Terrasse mit Blumen und Dekoartikeln. Darüber freut sie sich immer sehr."

Bewohner in Angst

Man kann sich vorstellen, wie groß das Entsetzen war, als die Tochter nach nicht mal einer Woche den Diebstahl der neuen, 80 Zentimeter hohen Solarlaternen feststellen musste. "Da die Diebe wahrscheinlich durch Licht gestört wurden, blieb das eine Unterteil vor Ort." Das Ganze geschah nicht mal vier Schritte vom Fenster der Patientin entfernt. "Das macht nicht nur ihr, sondern auch den anderen Bewohnern und Pflegekräften Angst", hat die Lehrerin erfahren.

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Die besorgte Tochter wundert sich: "Der Zugangsweg dorthin ist von der Straße nicht einzusehen, also müssen es Personen gewesen sein, die diesen Weg kennen. Und was ist dann das Nächste? Die Blumenkästen, die Gartenmöbel? Im Sommer schlafen die Bewohner oft mit angeklapptem Fenster. Ist das nun auch nicht mehr möglich? Die Menschen, die dort wohnen, halten über so viele Monate schon durch, empfangen so wenig Besuch wie möglich, um sich zu schützen. Muss man ihnen jetzt noch diese Freuden nehmen? Was sind das für Menschen, die so etwas tun? Die Gleichen, die auf Friedhöfe gehen und stehlen?"

Sie würde sich wünschen, dass die Diebe wenigstens den Mumm haben, das Gestohlene zurückzubringen. "Einfach an die Hecke legen, das würde reichen." Und Corinna Schneider hofft, mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit den stillen Opfern eine Stimme zu geben - "denn dort hat es wirklich die Schwachen getroffen, die, welche die Gesellschaft eigentlich behüten und beschützen sollte."

 

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Kommentare (1)

Mir wurde mal ein Herrnhuther Stern Außenbeleuchtung gestohlen, ich frage mich bis Heute wie sich Menschen dann daran erfreuen können, wo anderen Freude genommen wird. Den Dieben wünsche ich eine richtig mies juckende Ekzem Krankheit an die Hände. Schlimm wenn man eigentlich frei wohnen möchte mit Fenster auf und durch sowas Blödes fremd von Außen gezwungen wird wieder einen Riegel mehr zu zu schieben.