Christian Becker (links) und Andreas Reingruber gehören zu den langjährigen Ausstellern, die sich an der Schau betei
Christian Becker (links) und Andreas Reingruber gehören zu den langjährigen Ausstellern, die sich an der Schau beteiligen. Claudia Marsal
Gerd Gottschalk freut sich mit seinem Verein auf das traditionelle Event am Wochenende in Prenzlau.
Gerd Gottschalk freut sich mit seinem Verein auf das traditionelle Event am Wochenende in Prenzlau. Claudia Marsal
Die drei Preisrichter kamen aus dem Nachbarland.
Die drei Preisrichter kamen aus dem Nachbarland. Claudia Marsal
164 Tiere sind zu sehen.
164 Tiere sind zu sehen. Claudia Marsal
Tolles Hobby

Im Kaninchenstall wird die Zeit nie lang

Die 31. Kreisjungtierschau lockt am Wochenende nach Prenzlau. In der Kreisstadt ist der schönste Nachwuchs zu sehen. Züchter stehen Rede und Antwort.
Prenzlau

Langeweile – diesen Zustand kennt Christian Becker nicht. Seit der Prenzlauer vor 13 Jahren mit der Rassekaninchenzucht begonnen hat, sind seine Abende ausgeplant. Mindestens eine Stunde am Tag braucht der 38-Jährige, um seine Langohren zu versorgen. 30 Tiere zu füttern und zu pflegen sowie den Stall sauberzumachen, das dauert eben, räumt der Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes ein: „Aber die Zeit nehme ich mir gern. Es macht mir Spaß. Und bei Ausstellungen wie der am kommenden Wochenende erntet man dann ja bestenfalls die Früchte.“ Der Kreisstädter ist guter Dinge, mit seiner Rasse Sachsengold abermals gute Ergebnisse einheimsen zu können. Auch sein Töchterchen Loreen ist diesmal mit am Start.

Dramatische Geschichte: Kaninchen-Rettung in letzter Sekunde

Seit drei Jahren schon widmet sich das Mädchen der Zucht von chinchillafarbenen und schwarzgrauen Zwergwiddern. Die Achtjährige ist 2019 dem Prenzlauer Verein beigetreten und gehört diesmal zu den vier vertretenen Jungzüchtern aus Brandenburg, Barnim und Mecklenburg-Vorpommern.

In 20 Rassen

Insgesamt 164 Tiere sind am kommenden Wochenende im Vereinshaus in der Neubrandenburger Straße zu sehen. Sie präsentieren 20 Rassen und verschiedenste Farbschläge. Dahinter stehen 34 Aussteller, traditionell viel mehr Männer als Frauen und mehr Alte als Junge. Christian Becker, der dem Vereinsvorstand angehört, bedauert das. Leider habe sich die Hoffnung, dass während der Coronazeit mehr Menschen zur Zucht finden, nicht erfüllt, bedauert der Familienvater. Er kennt den Grund: „Die Leute haben durch die zahlreichen Veranstaltungs- und Reiseverbote zwar prinzipiell mehr Freizeit gehabt. Aber was nützt einem das, wenn das Geld knapp ist.“ Nach der Kurzarbeiterphase, die viele durchleben mussten, sei jetzt nun die Inflation zu merken, bestätigt der junge Mann: „Wenn ich mich entscheiden muss, ob ich Lebensmittel kaufe und meine Miete nebst gestiegenen Nebenkosten begleiche oder einem teuren Hobby fröne, dann haben die meisten die Antwort schnell parat.“

Kaum Neuzugänge

Schließlich sei es ja nicht nur das Futter, für das man aufkommen müsse. Ins Geld gehe auch das Impfen und die tierärztliche Betreuung der Tiere, nicht zu vergessen Standgebühren bei Ausstellungen und vieles mehr. Er persönlich könnte sich zwar nicht vorstellen, seine Leidenschaft wieder aufzugeben, sagt der Züchter: „Und so denken vermutlich die meisten von uns. Aber Neuzugänge werden wir in so schwierigen Zeiten wahrscheinlich kaum gewinnen können.“

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Die Hoffnung hat der Verein natürlich trotzdem. Deshalb öffnen sich nach der Leistungsbewertung der Kaninchen durch die gestrenge Jury, die am Donnerstag stattfand, die Türen zur 31. Kreisjungtierschau am Sonnabend und Sonntag jeweils ab 9 Uhr. Besucher können sich nicht nur bei den Tieren umsehen, sondern auch an einer Tombola teilnehmen und viele Tiere käuflich erwerben. Für die kleinen Besucher gibt es draußen Kinderbelustigungen wie eine Hüpfburg und vieles mehr. Auch für das leibliche Wohl wird an beiden Tagen gesorgt sein.

Weil die Meteorologen fürs Wochenende bestes Sommerwetter prophezeien, soll der Grill angeschmissen werden. „Und vielleicht findet der eine oder andere ja doch Gefallen an unserem Hobby“, sagt Christian Becker: „Da im Herbst die nächsten Schließungen von Kultureinrichtungen und Gaststätten drohen, wird den Leuten dann abends wenigstens die Zeit nicht so lang.“

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