GROßE TIERE

In der Uckermark knutscht einen wirklich der Elch

Es gibt sie wieder in Brandenburg, sogar in freier Natur: Elche. Doch die weltweit größte Hirschart ist relativ scheu. Wer richtig dicht ran will, ist auf einer Farm im äußersten Norden der Mark richtig.
dpa
Thomas Golz, Inhaber vom Wildgehege Golz Elch und Rentierfarm, steht neben dem ein Jahr alten Elchbullen Juri.
Thomas Golz, Inhaber vom Wildgehege Golz Elch und Rentierfarm, steht neben dem ein Jahr alten Elchbullen Juri. Patrick Pleul
Mehrere Bisons, darunter ein Kalb, sind ebenfalls im Wildgehege von Thomas Golz im Uckermark-Ort Kleptow zu sehen.
Mehrere Bisons, darunter ein Kalb, sind ebenfalls im Wildgehege von Thomas Golz im Uckermark-Ort Kleptow zu sehen. Patrick Pleul
Thomas Golz steht neben dem ein Jahr alten Elchbullen Juri, der keine Scheu vor dem Wildgehege-Besitzer zeigt.
Thomas Golz steht neben dem ein Jahr alten Elchbullen Juri, der keine Scheu vor dem Wildgehege-Besitzer zeigt. Patrick Pleul
Der sieben Jahre alte Elchbulle Fabian hat weniger Lust auf menschliche Nähe und guckt lieber neugierig aus der Ferne.
Der sieben Jahre alte Elchbulle Fabian hat weniger Lust auf menschliche Nähe und guckt lieber neugierig aus der Ferne. Patrick Pleul
Thomas Golz beobachtet Elchmädchen Jette, die lieber ein Bad nimmt, als den Gehege-Besitzer zu begrüßen.
Thomas Golz beobachtet Elchmädchen Jette, die lieber ein Bad nimmt, als den Gehege-Besitzer zu begrüßen. Patrick Pleul
Schenkenberg.

Thomas Golz zuckelt im offenen Wagen über das 40 Hektar große Gelände seines Wildgeheges im Schenkenberger Ortsteil Kleptow (Uckermark). „Juri! Jette!“, ruft er mehrfach mit lauter Stimme durch die weitläufigen Gehege. Und tatsächlich nähert sich kurz darauf ein etwa ein Jahr altes Elchmädchen gemächlichen Schrittes. Doch statt zum Wagen steuert es lieber einen Wassergraben an, um zu baden. Anders als der gleichaltrige Juri, der mit unverhohlener Neugier die Menschen im Auto beschnuppert und sich streicheln lässt.

Beide Kinder mit der Flasche aufgezogen

„Die beiden haben wir mit der Flasche aufgezogen, deshalb haben sie keine Scheu“, erklärt Golz, während er mit dem jungen Elchbullen schmust. Der 52-jährige Landwirt kennt sich aus mit der weltweit größten Hirschart. Er züchtet sie seit Jahren. „Ich bin ein Schwedenfan, wäre nach der Wende gern dorthin gezogen, aber meine Frau spielte nicht mit. Also musste ich Schweden zu uns holen“, erzählt er. Zunächst hatte er eine Wildfleischproduktion mit einer Dammwildherde aufbauen wollen. Später holte er Rentiere dazu. Zudem spezialisierte Golz sich auf Tiertransporte.

Und dann kamen die Elche. Vor 16 Jahren hatten belgische Interessenten ein Pärchen bei Freunden von Golz in Lappland bestellt. „DieAuftraggeber konnten letztlich nicht zahlen, also blieben die Tiere bei mir“ erinnert sich der Uckermärker, der zwei Jahre später zwei Elch-Waisenkinder aus dem Rostocker Zoo mit der Flasche aufzog. Er begann zu züchten und ließ die Wildfleischproduktion sein. „Die rentiert sich nur bei Massentierhaltung und das wollte ich nicht.“

120 Tiere leben heute auf seiner Elch- und Rentierfarm, daneben auch amerikanische Wapitis und Bisons sowie europäisches Rotwild. Der 52-Jährige züchtet und beliefert Tierparks, Zoos sowie Wildgehege in ganz Europa und übernimmt für diese auch Transporte, wie er erzählt.

„Golz ist tatsächlich ein Fachmann in Sachen Elchzucht. Er macht das mit Herz und seine Elche sind den Umgang mit Menschen gewöhnt“, bestätigt Imke Heyter, Chefin des Wildparkes Schorfheide (Barnim). Auch bei ihr leben Elche in weiträumigen Gehegen. Die bekommen Besucher allerdings nur mit etwas Glück zu sehen, meist in gehörigem Abstand, versteckt hinter Bäumen oder Gebüsch. In Kleptow hingegen dürfen Gäste der Elch- und Rentierfarm ganz nah ran an die imposanten Tiere, zumindest drei Monate im Jahr.

„Wir sind ein Landwirtschaftsbetrieb und kein Zoo“, stellt Golz klar. Bisons vermehrten sich „quasi von allein“, die Zucht bei Elchen und Rentieren sei hingegen nicht so einfach. Zuchtbücher müssen geführt und Tiere nach strengen Kriterien ausgewählt werden, um Inzuchten zu vermeiden.

Drei Tiere seit 2012 bei Unfällen getötet worden

Rund 3000 Besucher kommen jedes Jahr zwischen Juni und Anfang September zur Elch- und Rentierfarm nach Kleptow. Nicht alle sieben Elche der Herde sind so zutraulich wie Jette und Juri. Der sieben Jahre alte Zuchtbulle Fabian hält sich lieber im Hintergrund. Rund 800  Kilogramm schwer, macht das Tier mit seinem mächtigen Schaufelgeweih auch so mächtig Eindruck.

Golz würde es begrüßen, wenn die einst in Deutschland ausgerottete Tierart hierzulande wieder heimisch würde. Doch der Elch-Fan bleibt realistisch. „Die sanften Riesen haben durch die dichte Besiedlung und die vielen Straßen bei uns kaum eine Chance.“

Tatsächlich wurden in Brandenburg in den vergangenen fünf Jahren immer mehr Elche gesehen. Allein in diesem Jahr seien schon vier gesehen worden, sagt Kornelia Dobiás, Leiterin der Forschungsstelle Wildökologie im Landesbetrieb Forst. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass mehr Tiere aus Polen zu uns wandern und dass jeder gesichtete Elch ein großes Medienecho erzeugt“, sagt die Wissenschaftlerin.

Nach ihren Angaben leben Elche wieder in der Mark. Es gebe bisher aber keinen Nachweis, dass die imposanten Tiere in Brandenburg eine eigene Population aufgebaut hätten oder sich vermehren würden. „Wir gehen davon aus, dass drei bis fünf Tiere durchs Land streifen, sich hier eine gewisse Zeit aufhalten und dann weiter wandern“, sagt Dobiás. Doch die Riesenhirsche sind dabei besonders gefährdet. Nach Angaben der Forschungsstellenleiterin starben seit 2012 drei Tiere bei Unfällen auf Brandenburger Straßen.

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