Das Plakat gehört zum vierten Roman von Johanna Koers.
Das Plakat gehört zum vierten Roman von Johanna Koers. Privat
Wenn ihre sechs Kinder im Alter von ein bis 14 Jahren schlafen, fängt die 30-Jährige zu schreiben an.
Wenn ihre sechs Kinder im Alter von ein bis 14 Jahren schlafen, fängt die 30-Jährige zu schreiben an. Privat
Die Schriftstellerin lässt die Polizei den Wald bei Prenzlau und bei Temmen durchkämmen. (Symbolfoto)
Die Schriftstellerin lässt die Polizei den Wald bei Prenzlau und bei Temmen durchkämmen. (Symbolfoto) Dennis Lloyd Brätsch
Die Story ist reine Fiktion.
Die Story ist reine Fiktion. Privat
Vermisstenfall

Jannikas Spur verliert sich am Uckerstadion

Johanna Koers war noch nie in der Uckermark. Die 30-Jährige kennt niemanden hier. Trotzdem siedelt die Autorin ihren Psychothriller in Prenzlau an.
Prenzlau

VERMISST steht in dicken, schwarzen Lettern auf dem weißen Fahndungsplakat. Darunter der Name der verschwundenen Person: Jannika Maier. 19 Jahre alt. 170 Zentimeter groß und schlank. Braune, lange Haare. Zuletzt gesehen am 20. Februar 2020 gegen 17 Uhr am Prenzlauer Uckerstadion. Daneben ein Foto der jungen Frau, das sie beim Tanzen mit Freunden zeigt. Gänsehaut beschert der letzte Satz auf dem Flyer: Die Polizei bittet um Hinweise, denn sie geht von einem Gewaltverbrechen aus.

Das Poster erstellen lassen hat Johanna Koers, eine 30-jährige Sechsfach-Mutter aus dem Emsland. Das Kuriose daran: Die bei Osnabrück lebende Sozialpädagogin hat gar keinen Bezug zur uckermärkischen Kreisstadt, und sie kennt auch niemanden hier. Auch keine Jannika Maier. Trotzdem haben sich ihre Gedanken in den letzten Monaten fast ausschließlich um diesen Namen gedreht. Die Niedersächsin ist nämlich Buchautorin und hat ihren jüngsten Roman kurzerhand nach Prenzlau verlegt. „Ich mag es, wenn die Handlung einen lokalen Bezug hat. Diesmal sollte der Plot in einer Gegend mit vielen Seen und Wald spielen.“ Beim Blick auf die Karte wurde die Schriftstellerin in der Uckermark fündig. Kurzerhand ließ sie ihre Hauptfigur in der Kreisstadt leben und Volleyball spielen. Später tauchte das Entführungsopfer dann in einer Hütte bei Temmen auf.

Ins Zeugenschutzprogramm

Ab Seite 300 wechselte die Szenerie allerdings nach München, wohin die Protagonistin durch das Zeugenschutzprogramm kam. Aber konnte sie das retten?

+++ Polizeihubschrauber über Uckersee unterstützt Suchaktion +++

Neugierig geworden? Nun, dann müssen Sie sich noch ein paar Wochen gedulden. Das Manuskript von Johanna Koers ist gerade aus dem Endlektorat des Tribusverlages gekommen und soll in acht Wochen erscheinen. Spätestens dann will sich die Autorin selbst auf den Weg nach Prenzlau machen und den Weg der Vermissten gehen. Sie sattelt das Pferd bewusst von hinten auf, „so habe ich das bislang immer gehandhabt.“

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Einen Auszug aus dem Klappentext des Psychothrillers „Mea“ hat die Verfasserin schon mal geschickt: „Er nannte es Liebe. Doch er meinte Besitz. Nikki hatte es verstanden: Endlich war sie bereit, Sascha zu verlassen. Doch diese Rechnung hatte sie ohne ihn gemacht: Niemals war er bereit, seine ‚Mea‘ gehen zu lassen. Getrieben von seinem Wahnsinn, eine abgelegene Hütte im tiefsten Wald zu ihrem Zuhause zu machen, wird Nikkis Leben zu einem Albtraum. Denn Saschas Besessenheit kennt keine Grenzen. Kann Nikki diesem Albtraum jemals entkommen?“

Vier fertige Romane

Mit dem Schreiben begonnen habe sie einst aus folgendem Grund, sagt die Schriftstellerin und zitiert die afroamerikanische Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison: „Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.“ Viermal hat Johanna Koers das schon getan und zur Veröffentlichungsreife gebracht. Zwei weitere Bücher liegen fertig in der Schublade. Sie sagt: „Liebe und Dramen, die schreibt das Leben. Aber Psychothriller, die schreibt der verborgene Teil der Seele. Das Schreiben ist neben meiner Familie und meiner Arbeit als Erzieherin meine größte Leidenschaft.“

Gut verkauft haben sich bereits die ersten im Tribusverlag erschienenen Bücher, u.a. „Und da oben sind wir glücklich“, das die Geschichte von Ellie, einer temperamentvollen Italienerin mit einem perfekten Leben, einer glücklichen Beziehung, einer erfolgreichen Band, voller Leidenschaft und mit so vielen Plänen erzählt. Ein Roman über den Feind in ihrem Kopf: mächtig, zerstörerisch, bedrohend. Eine Erzählung über einen unerbittlichen Kampf zwischen Leben und Tod, Hoffnung und Resignation. Mit Liebe, Charme und viel Gefühl. Berührend, ernst und doch voller Liebe. Ein Buch über das Leben einer Krebspatientin. Das allerdings nicht in Prenzlau spielt.

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