Jens Koeppen hat sein Amt an der Spitze der CDU-Uckermark an Karina Dörk abgegeben.
Jens Koeppen hat sein Amt an der Spitze der CDU-Uckermark an Karina Dörk abgegeben. Kai Horstmann
Kreisvorsitzender

Jens Koeppen blickt auf 21 Jahre als Chef der CDU-Uckermark zurück

Die CDU-Uckermark hat mit Landrätin Karina Dörk eine neue Vorsitzende. Reporter Sven Wierskalla sprach mit Amtsvorgänger Jens Koeppen.
Prenzlau

Der CDU-Kreisparteitag hat am Sonnabend mit Landrätin Karina Dörk eine neue Kreisvorsitzende gewählt. Der bisherige Vorsitzende Jens Koeppen trat nicht mehr an. Reporter Sven Wierskalla befragte den 59-jährigen Bundestagsabgeordneten.

 

Herr Koeppen, am Wochenende gaben sie nach 21 Jahren den CDU-Kreisvorsitz ab. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Ich durfte den Kreisverband der CDU-Uckermark seit 2001 über 21 Jahre führen und konnte mich alles in allem auf engagierte und ergebnisorientierte Mitstreiter verlassen. Was wir in dieser Zeit alles aufgebaut haben, hätte ich seinerzeit nicht für möglich gehalten. Unser Kreisverband war nicht nur finanziell schwer angeschlagen, er war auch durch seine verkrusteten Strukturen kaum arbeits- und kampagnefähig. Im Verlauf der Zeit konnte das mit Beharrlichkeit und Engagement geändert werden. Bereits 2003 konnte die CDU-Uckermark die stärkste Fraktion im Kreistag stellen und entwickelte sich zu einer starken kommunalpolitischen Kraft. Im Jahr 2005 wurde aus unseren Reihen zum ersten Mal ein „echter“ Uckermärker in den Deutschen Bundestag gewählt. Dieser Erfolg konnte bis heute vier Mal in Folge wiederholt werden. Auch im Landtag Brandenburg waren wir bis 2019 kontinuierlich vertreten, und die Wahl unserer Landrätin ist als einer der jüngsten Erfolge noch jedem gut in Erinnerung. Auch wenn wir ein verhältnismäßig kleiner Kreisverband sind, wird unsere Meinung im Landesverband gehört und ich denke auch geschätzt. Die Kontakte zu anderen Kreisverbänden sind geknüpft und es erfolgt ein regelmäßiger freundschaftlicher Austausch. Alles aber keine Selbstverständlichkeiten, sondern Ergebnis konzentrierter und transparenter Arbeit im Team.

 

Welche Veränderungen haben Ihre Arbeit an der Spitze der CDU-Uckermark in den vergangenen 21 Jahren am stärksten geprägt?

Mit dem Bundestagsmandat seit 2005 hatten sowohl die Mitglieder als auch die Uckermärker einen anderen Blick auf die uckermärkische CDU. Wie konnte dieser kleine Verband in Nordosten diesen Erfolg einfahren und sogar dem Wettbewerber das Direktmandat abringen? Mit einem Mal war die Uckermark in Potsdam und Berlin kein weißer Fleck mehr. Das prägt die Arbeit, und verpflichtet zugleich zu professioneller Kontinuität in der Parteiarbeit.

 

Was waren die schönsten Momente in Ihrer Zeit als CDU-Kreisvorsitzender, welches waren die bittersten?

Die schönsten Momente sind die, wenn man gemeinsam Wahlerfolge feiern kann, und die bittersten, wenn man Niederlagen eingestehen muss. In einer Gemeinschaft gewinnt man gemeinsam und verliert man gemeinsam. Wobei es bei Niederlagen schon mal einsam werden kann. Dann ist die Zuständigkeit schnell geklärt. Schöne Momente sind aber auch die gemeinsamen Treffen, Feste, Veranstaltungen und Ausflüge neben der politischen Arbeit. Das gehört für mich auf jeden Fall dazu.

 

Welche Sorgen macht Ihnen die aktuelle politische Lage mit dem Krieg in der Ukraine, und wie sehr treibt Sie die Sorge um das PCK um, das vollständig mit russischem Öl versorgt wird, vor dem Hintergrund des angekündigten Ölembargos?

Die Forderung nach einem Ölembargo gleicht den Ritt auf der Rasierklinge. Ich empfehle daher dringend, vom Ende her zu denken. Wem schadet es, wem nützt es? Wir können uns nicht schwächen, wenn wir anderen helfen wollen. Mit der Zustimmung zu einem Ölembargo hat die Bundesregierung den gesamten Osten Deutschland vor vollendete Tatsachen gestellt. Es wird immer offensichtlicher, dass 12 Millionen Tonnen Jahresproduktion in Schwedt – ähnlich hoch in Leuna – nicht substituiert werden können, und es ist zu befürchten, dass es erhebliche Versorgungsengpässe im gesamten Osten geben wird, was Auswirkungen bis hin zur Auslieferung von Lebensmitteln oder beispielsweise zur Müllabfuhr hätte – von der Mobilität der Menschen und dem Betrieb des BER ganz zu schweigen.

 

Sie bleiben ja Bundestagsabgeordneter. Wie wollen Sie sich nach Ihrem Ausscheiden aus dem Amt in die CDU-Uckermark einbringen?

Mitglieder des Deutschen Bundestages oder des Landtages sind automatisch in den Kreisvorstand kooptiert. Die Auswirkungen der Entscheidungen in Berlin und Potsdam auf unsere Heimatregion werden auch weiterhin vor Ort in die Debatte einfließen. Wenn darüber hinaus der oder die neue Kreisvorsitzende sowie die neuen Vorstandsmitglieder meinen Rat oder meine Meinung wünschen, stehe ich selbstverständlich gern mit meiner Erfahrung zur Verfügung – nicht aus der ersten Reihe, aber nicht minder engagiert.

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