Besuchsverbot

Jetzt darf Henry endlich geknuddelt werden

Das Besuchsverbot gilt auch für Babystationen. Für eine Familie aus Schönermark bedeutete das vier harte Tage, vor allem Schwesterchen Pia (5) litt.
Pia möchte ihren kleinen Bruder am liebsten gar nicht mehr loslassen.
Pia möchte ihren kleinen Bruder am liebsten gar nicht mehr loslassen. Privat
Prenzlau

Die fünfjährige Pia und ihr Bruder Henry sind ein Herz und eine Seele. Wann immer die Kleine darf, schmust sie mit dem erst vier Wochen alten Baby – lange und innig. Vor allem Mama Nicole Paul freut das sehr. Weiß die 33-Jährige doch, wie schwer es ihr kleines Mädchen hatte, als der Nachwuchs kam. Coronabedingt durfte die frischgebackene Mutter im Krankenhaus nämlich keinen Besuch empfangen. Ehemann Martin Paul wurde nur während der Geburt und in den Stunden danach zu seinen Lieben gelassen. Im Anschluss blieb deren Tür zum Klinikzimmer verschlossen. „Das war schon hart, vor allem für Pia, die sich so sehr auf ihr Brüderchen gefreut hatte”, reflektiert die gelernte Krankenschwester das Geschehen. Auch sie hätte sich für ihren Henry einen anderen Empfang im Schoße der Familie gewünscht.

Keine Ausnahmen gemacht

„Aber an das Besuchsverbot mussten wir uns natürlich halten. Da gab es keine Ausnahmen.” Die zweifache Mama beeilte sich im Gegenzug mit dem Nachhausekommen. Nur vier Tage blieb sie in Neubrandenburg, danach hielt der süße Junge in Schönermark sein erstes Schläfchen. Anders als bei Pia, die ebenfalls im Klinikum der Vier-Tore-Stadt zur Welt gekommen war, durfte der Papa die zwei nicht mal von der Neugeborenenstation abholen. „Eine Mitarbeiterin hat mich bis zum Empfang gebracht, wo dann die 'Übergabe' erfolgte”, erinnert sich die Uckermärkerin zurück. Während der vier Tage Besuchsabstinenz lernte die ganze Familie die modernen Medien besonders schätzen. Per Videotelefonie hielt man den Kontakt zu Mutter und Sohn. Ein bisschen so wird es wohl auch noch in den nächsten Wochen bleiben, stellt Nicole Paul in Aussicht.

Isoliert auf dem Dorf

Sie hat mit ihrem Mann (33, Serviceberater bei „Dein Autozentrum”) entschieden, die empfohlenen Kontaktbeschränkungen ernst zu nehmen. Ihre eigene Mutter hat den Enkel zwar schon im Arm gehalten, weil sie alterstechnisch nicht zur Risikogruppe zählt, aber der Rest der Angehörigen wird sich noch ein bisschen gedulden müssen. „Gesundheit geht vor”, betont die in einer Dialysepraxis beschäftigte Frau. Für ihre eigene Gesundheit und die ihrer Kinder habe sie schon während der Schwangerschaft alles Erdenkliche getan, versichert die Schönermarkerin. Aufgrund des früh verordneten Beschäftigungsverbotes war die 33-Jährige lange vor der Geburt schon zu Hause und konnte sich in der Abgeschiedenheit des Dorflebens erholen. Angst vor Ansteckung hatte sie deshalb kaum; „wir haben uns schon ein bisschen isoliert in diesen Wochen.”

15 Monate Mutterschutz

Gefragt, ob sie sich angesichts der Coronakrise trotzdem für ein zweites Kind entschieden hätte, antwortet Nicole Paul schnell: „Als Henry entstanden ist, war davon ja noch nichts zu ahnen. Deshalb kann ich das gar nicht mit Bestimmtheit sagen. Aber ich glaube schon ja, denn Pia sollte immer ein Geschwisterchen bekommen. Jetzt ist unsere kleine Familie komplett. Und wenn sich alle ein bisschen an die Bestimmungen halten, werden wir auch diese Corona-Krise überstehen.” Sie selbst hat bei ihrem Arbeitgeber 15 Monate Mutterschutz beantragt, danach holt die vierköpfige Familie dann der hektische Alltag wieder ein. In besonders anstrengenden Momenten werden sie sich dann vielleicht nach Zeiten wie den aktuellen sehnen, wo Kontakte auf ein Minimum beschränkt waren. Wer weiß...

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