FAMILIENPROJEKT

Junge Mutter lädt das ganze Dorf zum Frühstück ein

Sie ärgern sich, dass in Ihrem Dorf wenig los ist? Dann ist dieses Projekt vielleicht die Lösung. In Göritz gibt es heute schon ein Büfett für alle.
Dörthe Zeidler ist selbst Mutter von drei Kindern, hier mit ihren Zwillingsmädchen.
Dörthe Zeidler ist selbst Mutter von drei Kindern, hier mit ihren Zwillingsmädchen. privat
Göritz.

Dörthe Zeidler lebt in Vierraden, einem Ort mit etwa 1000 Einwohnern, drei Kilometer von der „Großstadt“ Schwedt entfernt. Die gebürtige Prenzlauerin hat sich mit ihrer Familie bewusst fürs Dorfleben entschieden. Ihre drei Kinder wachsen behütet als „Landeier“ auf. Doch das hat nicht nur Vorteile, räumt die 40-Jährige ein.

Hier erlebt sie nämlich am eigenen Leib, womit sie sich im Beruf beschäftigt: Im ländlichen Raum gibt es viel weniger Angebote für Familien als in den Städten, wo quasi an jedem Tag etwas los ist, beispielsweise Krabbelgruppen und kreative Workshops. Das will die Erziehungs- und Entwicklungspädagogin ändern und mehr Kultur und gesellschaftliches Miteinander in die Dörfer bringen.

Sie setzt sich aktuell im Rahmen eines Bundesgroßprojektes für bessere Strukturen und Vernetzungen ein. Ihr Arbeitgeber ist der Arbeitskreis „Neue Erziehung“.

Vorhaben „Familienband”

„Aber das würde nicht ohne die vielen Partner vor Ort funktionieren“, versichert Dörthe Zeidler. Gemeinsam mit dem DRK als Träger des Netzwerks Gesunde Kinder, Profamilia, Sozialkonzept Brandenburg und dem Uckermärkischen Studienzentrum Leuchtfeuer e.V. hat sie das Vorhaben „Familienband“ aus der Taufe gehoben.

Los geht es am Mittwoch, dem 6. November, in Göritz. Ab 9.30 Uhr sind die Bewohner der umliegenden Orte zu einem großen Familienfrühstück in die dortige Gaststätte eingeladen. Wirtin Kathleen Helmholz, selbst Mutter von zwei Kindern, unterstützt das Projekt und kredenzt das Büfett.

Menschen nach Bedarf fragen

„Wir werden bei dieser Veranstaltung unsere Pläne vorstellen und erfragen, was sich die Landbevölkerung an Höhepunkten wünscht“, klärt Dörthe Zeidler auf. Denkbar wären – passend zur Vorweihnachtszeit – beispielsweise gemütliche Bastel- und Backnachmittage. „Wir kommen auch gern abends oder an den Wochenenden zu ihnen raus“, verspricht die Pädagogin mit Verweis auf die eher schwierige Anfangszeit des ersten Treffens.

Berufstätige Eltern beispielsweise hätten hier gar keine Chance gehabt, zu kommen – diesen Einwand kann sie nicht von der Hand weisen.

„Die nächsten Veranstaltungen planen wir so, wie der Bedarf vor Ort ist“, verspricht die Projektverantwortliche. Aber sie verweist auch darauf, dass gerade auf dem Land viele Eltern arbeitslos oder in der Erziehungszeit sind beziehungsweise die Mütter noch verkürzt arbeiten. „Für Göritz hatte unsere Recherche ergeben, dass der Vormittag die beste Zeit für ein Treffen ist.“ Stattfinden sollen die „Familienband“-Events ausnahmslos in Räumen auf den Dörfern.

Schlechter Nahverkehr

„Wir wissen, wie problematisch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr vielerorts ist und dass längst nicht alle Eltern mobil sind“, sagt Dörthe Zeidler. Ein erster Rundruf bei den Kommunen habe bereits ergeben, dass die Gemeinschaftssäle kostenfrei genutzt werden können. Am Geld für Zubehör wie Bastelmaterial oder Plätzchenteig soll es ebenfalls nicht hapern, stellt die Initiatorin heraus. Es gebe so viele Fördertöpfe, aus denen man für Familienprojekte schöpfen könne, hat sie die Erfahrung gemacht. „Leider ist vieles nicht bekannt, beziehungsweise wird mangels Interesse gar nicht abgerufen. Das soll sich ändern.“

Sie führt als ein Beispiel die fehlende Resonanz auf die Familienurlaub-Bezuschussung an. „So preiswert verreist man sonst nie, aber wenn das nicht bekannt ist beziehungsweise die Ansprechpartner die falschen sind, weil die Menschen Scheu haben, sich bei ihnen zu offenbaren, dann geht das nach hinten los.“

Kein Weg zu weit

Dörthe Zeidler ermuntert die Landbevölkerung, Kontakt zu ihr aufzunehmen. „Kein Dorf ist zu klein und kein Weg zu weit für uns. Selbst wenn wir nur mit drei oder vier Familien am Tisch sitzen, werte ich das Erfolg. Denn das sind dann wieder drei oder vier Familien, denen wir Abwechslung bescheren konnten.“

Ihr Ziel ist es, die Menschen auf dem Land wieder besser zu vernetzen und Eigeninitiative zu befördern, „so wie es früher einmal war“.

Kontakttelefon: 0176 54660845

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