Trauringe haben zurzeit zum Glück wieder Hochkonjunktur im Prenzlauer Schmuckladen von Horst Greese. Mit im Bild: Verk&au
Trauringe haben zurzeit zum Glück wieder Hochkonjunktur im Prenzlauer Schmuckladen von Horst Greese. Mit im Bild: Verkäuferin Birgit Marquardt, die seit 2001 im Unternehmen ist. Claudia Marsal
Geschäftsleben

Juwelier steht nach 40 Jahren fast allein da

Nur seine seit Jahren bei ihm tätige Angestellte Birgit Marquardt ist Horst Greese geblieben. Sie hat mit ihm zwei harte Corona-Jahre durchgestanden.
Prenzlau

In der DDR waren selbstständige Firmen eher rar. Das Wirtschaftsleben dominierten ganz klar die volkseigenen Betriebe, Kombinate und Konsumgenossenschaften. Bei den Goldschmieden allerdings gab es wie in der Kfz- und Lebensmittelbranche vereinzelt schon Private. „Auch meine damalige Frau hatte sich im April 1982 zur Betriebsgründung entschlossen“, denkt Horst Greese zurück. Bis 2002 zogen sie an einem Strang, dann schied die Gründerin aus.

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Seit 2003 führt der Uckermärker das Unternehmen allein. Weshalb es nun auch dem 66-Jährigen obliegt, an die 40 Jahre wechselhafter Geschichte zu erinnern. Lachend erzählt der Prenzlauer von den 20 Gramm Feingold, die den Goldschmieden pro Jahr in der DDR als Arbeitsmaterial zugestanden wurden. „Das hat natürlich hinten und vorn nicht gereicht.“ Doch das Geschäft lief trotzdem gut. 1989 eröffneten die Greeses ihren ersten Prenzlauer Laden in der Stettiner Straße. 2000 stand dann der Umzug in die Friedrichstraße an, wo das Fachgeschäft bis heute zu finden ist.

1996 erster Prenzlau-Laden

Parallel dazu eröffneten die Greeses 1996 eine Niederlassung in Pasewalk und zwei Jahre später in Ueckermünde. Dort haben sich die Türen allerdings aus den unterschiedlichsten Gründen wieder geschlossen. Horst Greese möchte trotzdem die Chance nutzen, anlässlich des Firmenjubiläums nochmals allen Kollegen zu danken, die an den Standorten gearbeitet haben. In Hochzeiten war er Chef von zehn Mitarbeitern. Doch der heutige Personalstamm könnte überschaubarer nicht sein. Im April 2022 stehen nur noch der Juwelier selbst und seine seit 21 Jahren bei ihm tätige Angestellte Birgit Marquardt zusammen hinterm Tresen. Sie habe mit ihm, so der Geschäftsmann, auch die zwei harten Corona-Jahre durchgestanden. Vor allem der Einbruch im Trauringgeschäft habe ihnen sehr zu schaffen gemacht, setzt er leise hinzu.

Endlich wieder Trauringe

„Aber auch aller anderer Schmuck ging nicht so gut, weil ja kaum noch Feiern stattfanden“, resümiert der Kreisstädter. Hinzu kam die lockdownbedingte Schließung der Niederlassung und diverse Zugangsbeschränkungen wie 2G. „Das zu verkraften war hart“, gibt der Vater von zwei Kindern zu. Den Laden zu schließen, dazu hat sich der Juwelier aber bis heute noch nicht durchringen können. „Aktuell können wir uns ja auch nicht beklagen. Die Umsätze stimmen.“ Er selbst bekomme zwar schon Rente, habe aber immer noch die Hoffnung, dass sich vielleicht ein Nachfolger findet: „Es täte mir leid für die Stadt, wenn dieses Angebot in der Friedrichstraße wegfiele.“

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Tochter Sandra hat zwar als eine von drei Azubis noch ihre Lehre im Betrieb gemacht. Doch die junge Goldschmiedin lebt längst mit ihrer Familie in Dresden und hat sich dort nach einem Design-Studium selbstständig gemacht. Ihren Bruder Robert wiederum hat es in den Stuttgarter Raum verschlagen, wo er als Fahrzeuglackierermeister tätig und hochzufrieden ist. „Die beiden kommen nicht nach Prenzlau zurück“, ist Horst Greese fast sicher: „Also mache ich noch ein bisschen weiter, immer in der Hoffnung, dass vielleicht jemand anklopft, der die Firma übernehmen möchte.“

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