Keramiker erwerben erst in ihrer mehrjährigen Ausbildung die praktischen Fertigkeiten, die sie befähigen, in Produkt
Keramiker erwerben erst in ihrer mehrjährigen Ausbildung die praktischen Fertigkeiten, die sie befähigen, in Produktion zu gehen. Sigrid Werner
Damit der Rand gleichmäßig gelingt, braucht es viel Gefühl. Anna Schattka-Steinbruch aus Thomsdorf ist Meister
Damit der Rand gleichmäßig gelingt, braucht es viel Gefühl. Anna Schattka-Steinbruch aus Thomsdorf ist Meisterin ihres Faches. Sigrid Werner
Keramikwerkstatt Thomsdorf

Keramikerin sieht ihren Beruf in Gefahr

Die Ausbildung im Kunsthandwerk ist aufwendig. Lehrlinge brauchen viel Übung, ehe sie fit sind. Doch die Handwerker bilden wohl bald nicht mehr aus.
Thomsdorf

Keramikerin Anne Schattka-Steinbruch aus Thomsdorf in der Uckermark sieht ihren Beruf in Gefahr. Wenn sie ihre jetzigen beiden Azubis zum Gesellenstand gebracht hat, wird sie keine Lehrstelle mehr anbieten. „Ich kann es mir schlichtweg nicht mehr leisten auszubilden“, sagt sie. Wie ihr gehe es immer mehr Berufskollegen in den bundesweit 1752 Keramikbetrieben. Die Ausbildungsquote tendiere allmählich gegen Null, so die Meisterin, die sich auch in ihrer Innung engagiert. Schuld seien nicht nur die Nachwirkungen von Corona und Energiepreissteigerungen. Hintergrund ist vor allem die Einführung der Mindestausbildungsvergütung 2020. „Aber kaum ein Betrieb schafft es, die Lehrvergütung im zweiten und dritten Lehrjahr aufzubringen. Im dritten Lehrjahr sind 860 Euro im Monat plus Lohnnebenkosten fällig“, sagt die Uckermärkerin. Da müsste in der Produktion vom Azubi schon richtig was rumkommen. Doch das sei fern der Wirklichkeit in diesem empirischen Beruf. „Lehrlinge müssen lernen und können, und nicht schon im Akkord produzieren“, sagt sie. Es brauche einfach drei Jahre, um handwerkliche Meisterschaft für die geforderte Qualität zu erlangen.

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Die Keramikerin versteht, dass der Gesetzgeber, dem Mindestlohn folgend, auch den Azubis ein Mindestmaß an Auskommen garantieren wollte. Im Töpferhandwerk sei das für Betriebe aber selten wirtschaftlich darstellbar. Früher hätten die Azubis neben ihrer Ausbildungsvergütung Berufsausbildungsbeihilfe bekommen. Doch zur Mindestausbildungsvergütung gebe es nun keine Schlupflöcher mehr. Die Konsequenz: Die Zahl der Ausbildungsstellen in dem traditionsreichen Handwerk sinke von Jahr zu Jahr. Damit sei die Zahl der Lehrlinge bundesweit auf 15 (Stand 1.9.2022) gefallen, obwohl es mehr Bewerber gebe. Damit seien auch die letzten Berufsschulen, die diesen Ausbildungszweig noch anbieten, in Gefahr. Nur noch die Berufsschulen in Heide, Landshut und Meißen stünden zur Verfügung, so Schattka-Steinbruch. In einem „Brandbrief“ forderte die Uckermärkerin politische Unterstützung, damit ihr Handwerk bestehen bleibt und Betriebe weiter ausbilden können. „Wir fordern entweder finanzielle Unterstützung für Ausbildungsbetriebe oder die Aufhebung der Mindestausbildungsvergütung für Keramikwerkstätten“, so die Thomsdorferin. Im Übrigen betreffe das Thema auch andere kunsthandwerkliche Gewerke.

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