KOSTENÜBERNAHME

Kinderreiches Paar streitet mit Jobcenter um Miete

Jessica Kormann und ihr Lebensgefährte bekommen für ihr Miethaus auf dem Land aktuell 1400 Euro monatlich vom Amt. Doch es steht eine Veränderung an.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Jessica Kormann und Christian Schittek, hier mit zwei ihrer vier Söhne, suchen ein neues Zuhause.
Jessica Kormann und Christian Schittek, hier mit zwei ihrer vier Söhne, suchen ein neues Zuhause. Claudia Marsal
Prenzlau.

Seit ein paar Wochen sind Jessica Kormann und ihr Lebensgefährte auf Wohnungssuche. Noch ist das Paar mit seinen vier Kindern in Klein Sperrenwalde beheimatet. Doch ihr Miethaus lässt sich schlecht beheizen, beklagt der 30-jährige Vater: „Deshalb müssen wir schleunigst raus.” Ein weiterer Grund dürfte sein, dass sie vom Jobcenter zur Kostensenkung aufgefordert worden sind. „Aktuell überweist uns das Amt 1400 Miete pro Monat für 100 Quadratmeter”, rechnet Vater Christian Schittek vor. Laut Sozialgesetzbuch II stehen einer sechsköpfigen Familie für eine Wohnung im ländlichen Raum aber nur 800 Euro für Mietkosten zu. In einer Stadt wie Prenzlau läge die Obergrenze bei 1077 Euro für maximal 110 Quadratmeter warm.

Umzug scheitert

Die Behörde habe ihnen daraufhin mehrere Angebote unterbreitet, bestätigt die 25-jährige Mutter. Aber die vorgeschlagenen Adressen – beispielsweise Georg-Dreke-Ring – wolle sie ihren Jungs im Alter von elf, sieben, zwei und einem Jahr nicht zumuten. Bei anderen Vermietern wiederum hätten sie Absagen bekommen. Sie denkt, dass der Nachwuchs der Grund dafür war. „Wenn die Eigentümer hören, dass wir eine sechsköpfige Familie sind, winken sie meistens gleich ab.” Eine Zusage gab es allerdings, fügt der vierfache Vater hinzu: „Doch diesmal scheitert der Umzug daran, dass es keine Einigung mit dem Jobcenter gibt.”

1400 Euro warm

Seiner Rechnung nach würde die Behörde bei der neuen Unterkunft 300 Euro sparen, dafür hätten sie dann sogar 70 Quadratmeter mehr. Doch das lässt außer Acht, dass es die 1400 Euro für sie perspektivisch ohnehin nicht mehr gibt, weil sie weit über dem liegen, was ihnen zusteht. Letztlich sind es genau 23 Euro, die nicht gedeckelt werden. „Unser Angebot, dass wir diese Summe selbst übernehmen würden, wurde vom Vermieter leider abgelehnt. Er weicht von 1100 Euro Miete nicht ab”, setzt Jessica Kormann hinzu. Der Leiter des Jobcenters, Michael Steffen, warb auf Nachfrage um Verständnis, dass man zu konkreten Einzelfällen keine Daten herausgeben dürfe. Aber er betonte, dass die Kosten der Unterkunft hinsichtlich der Größe und der Miete in jedem Einzelfall auf ihre Angemessenheit geprüft würden.

Gespräch angeboten

„Wenn sich herausstellt, dass sie unangemessen hoch sind, wird ein Kostensenkungsverfahren durchgeführt. Das heißt, der Kunde wird aufgefordert, sich innerhalb von maximal sechs Monaten um eine angemessene Wohnung zu bemühen.” Dem Umzug könne nach Vorgaben des SBG II nur zugestimmt werden, wenn er erforderlich und Mietkosten sowie Wohnungsgröße angemessen seien. „Das Jobcenter steht den Betroffenen selbstverständlich gern für ein Gespräch zur Verfügung, um eine Lösung zu finden”, sagte er abschließend hinzu. Die jungen Eltern hoffen, dass ihnen der Gang an die Öffentlichkeit noch weitere Mietangebote bringt, und es vielleicht doch noch eine Einigung gibt.

Kontakt: 0152 25242196

 

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Kommentare (8)

Ich kann nicht beurteilen ob es von den Behörden gerechtfertigt ist. Da ich seit 1990 im Osten als Berater tätig war, weiß ich wie die Behörden noch immer ticken. Es wurden Personen eingestellt,die nie die richtige Ausbildung für diese Planstelle hatten. Nach meiner Einschätzung ist das heute auch noch so . Habe als Schöffe Prozesse erlebt wo diese Behörden ( HarzIV ) völlig falsch gelegen haben. Ich als Polizeibeamter im g.D und leitender Funktion ,sehe die Demokratie durch die Macht der lokalen Behörden gefährdet . Hier sollten wir ansetzen und die Missstände aufgreifen und die Mitarbeiter öffentlich beim Namen nennen.

Andere namentlich an den Pranger stellen und selbst den eigenen richtigen Namen verschweigen.Auf solch Helden des Alltags wartet die geschundene Demokratie. Am Anfang schreiben Sie, Sie können die Arbeit der Behörden nicht beurteilen. Am Ende Ihres Textes rhabarbern Sie dann von Demokratiegefährdung durch Behördenwillkür. Berater, Schöffe und Polizeibeamter im gehobenen Dienst - das war drei Spuren zu dick aufgetragen.

Und ist der Ruf erst ruiniert dann lebt es sich ganz ungeniert...

Soll man sich die Frage stellen was der Grund ist, für wenigsten einen von beiden, keiner geregelten Arbeit nach zu gehen! Diese Selbstverständlichkeit beim Staat die Hand aufzuhalten obwohl es heutzutage ein leichtes ist einen Job zu finden.

Mit unseren Neuankömmlingen wird sicher nicht so rabiat und kleinkariert umgegangen..... Dort regiert die Großzügigkeit....

@Ony.... was auch immer...... Dann machen Sie doch dem 4-fachen Vater mal ein Angebot.....

Geld vom Amt bekommen aber eine Wohnung am Georg-Dreke-Ring ist nicht gut genug ist das ernst gemeint von dieser Familie? Am besten wäre wohl ein großes Eigenheim mit toller Aussicht und Spielplatz was sich viele arbeitende Menschen nicht leisten können- für mich ist das eine Frechheit.

Ich kenne Sie nicht persönlich und weiß nicht was Sie beruflich machen. Ihre Kommentare sind für mich grenzwertig,da sie nur polarisieren . Anscheinend ist es Ihnen wichtig unfähige Mitarbeiter zu schützen,da die Parteien ja diese Ämter pp als Versorgungsposten für ihre Mitglieder ansehen. .

Bei einem vermeintlichen Polizeibeamten im gehobenen Dienst und Schöffen erwarte ich mehr soziale Kompetenz als Angriffe gegen Arbeitnehmer anderer Berufszweige (hier Hartz-IV-Behörden). Die Sachbearbeiter in Hartz-IV-Behörden (Schleudersitz-Jobs ohne Parteibuch) entscheiden nach geltenden Gesetzesgrundlagen.