Friedhelm Rogasch ist Geschäftsführer des Bauernverbandes Uckermark.
Friedhelm Rogasch ist Geschäftsführer des Bauernverbandes Uckermark. Monika Strehlow
Martin Mandelkow gehört zu den nur noch wenigen Schweinehaltern in der Uckermark.
Martin Mandelkow gehört zu den nur noch wenigen Schweinehaltern in der Uckermark. Monika Strehlow
Immer mehr Kühe werden abgeschafft.
Immer mehr Kühe werden abgeschafft. Monika Strehlow
Tierhalter in Not

Kostenexplosion auch bei Uckermärker Landwirten

Während der Pandemie gab es einen Schlachtstau und nun steigen die Betriebskosten ins Unermessliche.
Prenzlau

Den uckermärkischen Tierhaltern steht das Wasser bis zum Hals. Vor Corona hatten sie noch um Milch- und Fleischpreise gekämpft, die ihren Familien und Betrieben ein erträgliches Auskommen ermöglichen. Dann kamen die Afrikanische Schweinepest, kurz darauf begann der erste Pandemie-Lockdown. Schweinefleisch zum Beispiel wurde im Ausland nicht mehr abgenommen. Seit Corona schlossen die ersten Schlachthöfe, der sogenannte Schlachtstau wuchs an. Plötzlich standen die meisten Tierhalter vor der sprichwörtlichen Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder sie fütterten die schlachtreifen Tiere weiter oder sie nahmen die unter die Schmerzgrenze gefallenen Erlöse in Kauf. In der Folge waren immer mehr Landwirte gezwungen, sich von der Tierproduktion zu trennen und sich auf Marktfruchtanbau zu konzentrieren. Vor einem Jahrzehnt noch arbeiteten in der Uckermark rund 53 Milchviehbetriebe, erinnert Friedhelm Rogasch, Geschäftsführer des Bauernverbandes Uckermark. „Heute sind es noch 21. Und die Zahlen könnten weiter zurückgehen.“ Bei den Schweinehaltern sieht es nicht besser aus. In der Gemeinde Nordwestuckermark etwa steht der Name Büttner-Janner für eine Familientradition gestandener Landwirte mit sowohl Pflanzen- als auch Tierproduktion. Bislang hatten sie Absatzkrisen – zum Beispiel vor 25 Jahren durch den sogenannten Rinderwahnsinn (BSE) – gemeistert. Mittlerweile aber mussten sich die Brüder Bört und Knut Büttner-Janner von ihren Schweinen verabschieden und betreiben nur noch Ackerbau.

Unter 1,20 Euro pro Kilo

In der Gemeinde Uckerland versucht Martin Mandelkow durchzuhalten. Der Schweinehalter ist das einzige uckermärkische Mitglied der bundesweiten Initiative Tierwohl. 2017 hatte er einen nach neuesten EU-Richtlinien gebauten Schweinestall in Betrieb genommen. Um die dafür aufgenommenen Kredite, Tilgungen und Zinsen aufbringen zu können, müsste er ihn 20 Jahre lang betreiben. Wobei die Kalkulation noch aus Vorkrisenzeiten stammt, als die Abnehmer für ein Kilo Schlachtfleisch zwei Euro zahlten. In den letzten zwei Jahren jedoch bekam er nur noch teilweise unter 1,20 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht.

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Auf die Politik sind die meisten Landwirte nicht gut zu sprechen. Sie vermissen wirksame Unterstützung für ihre Arbeit, ohne die es viele Grundnahrungsmittel in Deutschland kaum gäbe. „Fast alle Branchen in Deutschland können auf staatliche Hilfen hoffen. Nur in der Lebensmittelproduktion geht das nicht. Bei Getreide, Milch und Fleisch bestimmen die Aufkäufer die Preise“, schimpft Martin Mandelkow. Darüber hinaus engt der gesetzliche Rahmen die Produktion immer weiter ein, macht Friedhelm Rogasch deutlich. Viele Landwirte sehen mit der nächsten, 2023 beginnenden EU-Förderperiode wenig Gutes auf sich zukommen. Rogasch verweist auf Ungereimtheiten, die fachlich kaum nachvollziehbar seien. So soll etwa die Winterfurche verboten werden, um einer möglichen Erosion vorzubeugen. Doch die schweren Böden der Uckermark brauchen die Herbstbearbeitung, bei der aufkeimende Unkräuter unterdrückt werden. Durch die Frostgare wird dann die Bodenstruktur krümeliger, dadurch ist der Acker besser zu bestellen. „Auch sind neue Bestimmungen für Dunglager im Gespräch. Viele Milchvieh- und Rinderhalter müssten neu investieren. Doch die kleinen Betriebe haben kaum noch Mittel übrig.“

Futtergetreide für den eigenen Bedarf

Es braucht keinen Weitblick, um die Geldknappheit bei den Landwirten nachzuvollziehen. Längst schlagen sie sich mit den durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine verursachten Preisexplosionen herum. Die Transportkosten und Futterpreise haben sich mehr als verdoppelt. Die Ernte von Martin Mandelkow hätte ihm 2021 etwa 160 Euro pro Tonne Futtergetreide eingebracht. Inzwischen könnte er die Tonne für rund 340 Euro verkaufen. Doch natürlich hat er sein Futtergetreide nicht abgesetzt, sondern es im Betrieb verbraucht. Besser gestellt sind jetzt jene Landwirte, die ihre Ernte über den Winter einlagern konnten und nun verkaufen. Pflanzenschutzmittel sind in einem Jahr um ein Drittel teurer geworden. Mineraldünger gibt es derzeit nicht mehr unter 900 Euro pro Tonne. 2021 kostete die Tonne Dünger noch 280 bis 350 Euro. „Fachleute wissen, dass die Energiekosten nur einen Bruchteil der Gesamtkosten für den Mineraldünger ausmachen. 2021 waren es maximal 50 Euro pro Tonne. Warum also diese Preisexplosion“, fragt sich Mandelkow. Klar ist, dass die regionalen Erzeuger auch den Schwankungen an der Börse ausgesetzt sind, an der sich Spekulanten tummeln. Der Landwirt aus Uckerland weiß derzeit nicht, wie es für seinen Betrieb und die Familie weitergehen wird. Und das geht vielen seiner Kollegen so.

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