Kathleen Lorengel würde ihrer Tochtern gern mehr bieten. Deshalb sucht die 32-Jährige nun eine Zuverdienststelle.
Kathleen Lorengel würde ihrer Tochtern gern mehr bieten. Deshalb sucht die 32-Jährige nun eine Zuverdienststelle. Claudia Marsal
Hartz IV

„Mama, warum ist unser Portemonnaie leer?“

Kathleen Lorengel hat nach der Förderschule nie Fuß fassen können. Geld ist bei der Mutter einer kleinen Tochter immer knapp. Das soll sich ändern.
Prenzlau

Kathleen Lorengel möchte eine gute Mutter sein. Die 32-Jährige setzt alles daran, dass es ihrer kleinen Larissa an nichts fehlt. Große Sprünge machen können die beiden aber nicht. Die Alleinerziehende lebt von Hartz IV. Die Miete für ihre kleine Wohnung trägt zwar das Amt. Aber für die Kosten für Strom, Internet, Versicherung, Kleidung und Lebensmittel muss sie selbst aufkommen. „Das ist manche Monate richtig schwer.” Auf ihrem Konto gehen monatlich ALG II-Bezüge in Höhe von 476 Euro ein. Dazu gibt es 219 Euro Kindergeld für die Tochter. „Anspruch auf Unterhaltsvorschuss vom Amt habe ich aber nicht, weil sich der Papa trotz unserer Trennung um Larissa kümmert”, erklärt die Prenzlauerin, so habe es jedenfalls im Ablehnungsbescheid des Jugendamtes gestanden. Dass Kümmern Alimente nicht ersetzen könne, interessiere dabei nicht. Um den guten Kontakt zum Kindsvater nicht aufs Spiel zu setzen, macht Kathleen Lorengel keinen Druck.

Bezüge vom Jobcenter

„Er hat ja auch nur Hartz IV zur Verfügung und gibt, was er kann”, stellt sich die junge Frau auf seine Seite. Auch von der Familie sei nicht viel Unterstützung möglich, setzt sie entschuldigend hinzu. Da bleibe am Monatsende von den Bezügen des Jobcenters ebenfalls kaum etwas übrig.

Meistens komme sie mit dem Geld ja auch hin, versichert die Kreisstädterin schnell: „Es dürfen halt nur keine ungeplanten Kosten entstehen.”

Kostenbefreiung beantragt

Sie spielt damit auf eine Nachforderung des Rathauses an, das 356 Euro von ihr haben will. Es handelt sich dabei um zwei nicht gezahlte Elternbeiträge für die Kita-Betreuung der Vierjährigen. 174 Euro für Juni und 174 Euro für Juli soll sie berappen. „Das Geld habe ich aber nicht”, stellt die Single-Mama fest. Außerdem sehe sie nicht ein, „für Fehler der Behörde einzustehen”, setzt sie nachdrücklich hinzu. „Ich habe die Verlängerung der Kostenbefreiung rechtzeitig beantragt”, behauptet Kathleen Lorengel. Im Beisein von Zeugen habe sie die mit ihrer Familienhelferin ausgefüllten Unterlagen in den Briefkasten vorm Rathaus geworfen.

++ Besondere Auszeichnung für die Max-Lindow-Schule ++

Die verantwortlichen Mitarbeiter der Stadt hingegen versichern, dass kein neuer Antrag eingegangen ist. Der habe trotz schriftlicher Erinnerung nicht vorgelegen, weshalb eine Nachberechnung erfolgte, begründet die Behörde. Kathleen Lorengel bestreitet, einen Erinnerungsbrief von der Stadtverwaltung im Kasten gehabt zu haben. Erst mit der nun eingegangenen Zahlungserinnerung sei ihr klar geworden, dass es ein Problem mit der Beitragsbefreiung gebe. Selbiges ist mittlerweile aus der Welt geschafft, ab August 2021 gilt die Befreiung wieder. Aber die beiden Monate davor wird die Frau begleichen müssen, stellt man im Rathaus auf Nachfrage klar. Kathleen Lorengel könne sich das Warum gern nochmal in einem persönlichen Gespräch erklären lassen, betont die Pressesprecherin.

Zuverdienst gesucht

Doch das sieht die alleinerziehende Mutter nicht ein. Sie will in Widerspruch gehen: „Ich kann das auch nicht abstottern.”

Darüber hinaus ist in ihr aber der Entschluss gereift, sich eine Zuverdienststelle zu suchen, um dem permanenten Geldmangel vorzubeugen. Leider habe sie nach dem Abschluss der Förderschule Max-Lindow keine Ausbildung gemacht, bedauert sie rückblickend. Dadurch sei es ihr nie gelungen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das will sie nun mit 32 Jahren ändern. Kathleen Lorengel traut sich einfache Arbeiten im Handel zu. Auch putzen gehen könnte sie. „Ich habe zwar keinen Führerschein, aber mit dem Bus kommt man überall hin. Und bei Spätschichten könnte sich mein Ex-Freund um unsere Tochter kümmern.” Als sie noch in Schwedt gewohnt habe, sei eine Fastfood-Kette ihr Arbeitgeber gewesen, erzählt sie weiter: „Da war man zwar oft nicht vor halb drei nachts zu Hause, aber der Zuverdienst war gut.” Wer der Mama von Larissa eine Job-Chance geben möchte, kann sich per Email in der Redaktion melden. Wir vermitteln den Kontakt zu der jungen Frau.

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