DEMO IN PRENZLAU

„Marktberg nicht der AfD überlassen”

Am Sonnabend wurde in Prenzlau bei einer Demo auf fehlende Solidarität in der Coronakrise, wachsenden Rechtsextremismus und Judenhass aufmerksam gemacht.
Die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes” hatte Sonnabend zur Kundgebung eingeladen.
Die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes” hatte Sonnabend zur Kundgebung eingeladen. Claudia Marsal
Rund um den Prenzlauer Marktberg hatten sich am Nachmittag zur Absicherung Polizeikräfte postiert.
Rund um den Prenzlauer Marktberg hatten sich am Nachmittag zur Absicherung Polizeikräfte postiert. Claudia Marsal
Mit einer Schweigeminute und Kerzen wurde der zehn Opfer des Hanau-Anschlags gedacht.
Mit einer Schweigeminute und Kerzen wurde der zehn Opfer des Hanau-Anschlags gedacht. Claudia Marsal
Lothar Priewe vom „Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten” mahnte Solidarität in der Coronakrise an un
Lothar Priewe vom „Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten” mahnte Solidarität in der Coronakrise an und ging mit der AfD hart ins Gericht. Claudia Marsal
Zahlreiche Plakate und Banner machten auf die Ziele aufmerksam.
Zahlreiche Plakate und Banner machten auf die Ziele aufmerksam. Claudia Marsal
Auch Marion Denniz von der Kinder-Service-Stelle war dabei.
Auch Marion Deniz von der Kinder-Service-Stelle war dabei. Claudia Marsal
Eingangs gab es ein Foto mit allen Beteiligten.
Eingangs gab es ein Foto mit allen Beteiligten. Claudia Marsal
Die Teilnehmerzahl war von der Genehmigungsbehörde im Vorfeld auf 100 begrenzt worden.
Die Teilnehmerzahl war von der Genehmigungsbehörde im Vorfeld auf 100 begrenzt worden. Claudia Marsal
Prenzlau ·

Rund um den Marktberg zog die Prenzlauer Polizei am frühen Sonnabendnachmittag verstärkt Kräfte zusammen. Die Beamten sicherten eine im Vorfeld angemeldete Kundgebung ab, die unter dem Motto „Aus der Krise lernen – ohne Solidarität ist alles doof” stand und circa 50 Frauen und Männer in die City brachte. Mitinitiator Lothar Priewe vom „Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten” stand als Uckermark-Vertreter der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes” (VVN) auf der Bühne. Am Mikrofon mahnte er Mitmenschlichkeit in der derzeitigen Situation an. Vor allem aber ging er mit den Uckermark-Spitzen der AfD hart ins Gericht. Dass der Landkreis Corona-Hotspot geworden sei, habe man maßgeblich dieser Partei zu verdanken, betonte Lothar Priewe unter lautem Applaus der Anwesenden. Der Grund dafür sei deren ständige Hetze gegen die notwendigen Corona-Maßnahmen der Regierung, führte Priewe weiter aus.

Stimmung gegen Schwule

Auf das Konto der AfD gehe zudem die Tatsache, dass die Uckermark bei rechtsextremen Vorfällen hinter Cottbus jetzt auf Platz 2 im Land Brandenburg liege. Es werde auch gegen Schwule und Fachärzte Stimmung gemacht, bilanzierte der VVN-Vertreter des Weiteren. In Berlin seien Freunde von ihm nach einer Anti-Corona-Demo wie Hunde durch die Stadt gehetzt worden.

Der Landkreis sei ein Abbild dieser Entwicklungen. Priewe rief auch das tragische Geschehen von Potzlow in Erinnerung, wo vor 19 Jahren der erst 16-jährige Marinus von Einheimischen aus rechtsextremen Motiven heraus ermordert wurde: „Die Täter zwangen ihn zu sagen, dass er Jude ist.” Und eben dieser Judenhass mache sich auch in der Coronakrise wieder breit, ebenso wie der Massenmord des Nazi-Regimes verniedlicht werde. Ans Rednerpult trat ebenfalls Isabelle Czok-Alm.

Anschlag in Hanau

Die 47-Jährige erklärte, dass sie sich nicht erst seit dem Anschlag von Hanau, das sich in der Nacht zum 20. Februar jährte, die Frage stelle: „Wo wart ihr?” Die Co-Kreisvorsitzende von DIE LINKE aus dem Barnim schilderte Erlebnisse aus ihrem Erzieher-Alltag, wo schon kleine Kinder merkelfeindliche Sprüche äußerten und alle nur betreten zu Boden schauten. „Wo sind die Menschen, die sich trauen, dem etwas entgegen zu setzen?” Sie wünsche sich, dass mehr Leute den Mut finden, Stopp zu sagen und den Kindern zu erklären, wie die Dinge wirklich sind und dass nicht Frau Merkel schuld am Coronavirus ist. Isabelle Czok-Alm betonte außerdem, wie froh sie sei, dass man an diesem Sonnabend nicht der AfD den Marktberg überlassen habe, sondern selbst aktiv geworden sei.

Pandemie ist Brennglas

„Tausend Dank für diese wundervolle Idee.” Gleich zu Beginn lud sie die Teilnehmer ein, in einer Schweigeminute der zehn Opfer von Hanau zu gedenken. Es wurden die Namen aller Opfer verlesen und Kerzen für die Toten entzündet. Bezug nehmend auf die Coronakrise stellte sie klar, dass niemand von den Menschen Kritiklosigkeit erwarte. „Mir selbst ist bei meiner Tätigkeit an einer Schule aufgefallen, wie zermürbend das ständige Hin und Her bei den Regelungen ist. Niemand weiß richtig, wie es weitergeht. Das verunsichert Lehrer und Kinder gleichmaßen.” Schlimm finde sie auch, dass die Krise zunehmend auf dem Rücken der Schwachen ausgetragen werde, beispielsweise den Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen, weil deren Betreuungs- und Beratungsangebote weggebrochen seien. „Die Pandemie ist wie ein Brennglas, das alle Probleme verstärkt, die vorher schon da waren. Aber jetzt fehlt der nötige Zusammenhalt.”

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Prenzlau

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Kommentare (14)

...man man da hat der Lothar ja auf jede Frage der Schuld die passende Antwort gefunden...da hat er bestimmt ewig drüber gegrübelt...komisch finde ich nur die Tatsache, dass hier in Berlin zum Beispiel der größte Teil des wahrnehmenbaren Antisemitismus von Muslimen und aus dem linken Spektrum kommt...und keine Ahnung auf welcher Demo seine Kumpels waren aber hier wurde niemand wie Hunde durch die Straßen gejagt, obwohl auch das hier mehr die Taktik der extremen Linken in dieser Stadt ist...

...Lothar hat wohl etwas zu viel Zeit auf Indymedia & Co verbracht um solchen Blödsinn zum Besten zu geben...

Es gab hier 7 kräftige und wertvolle Redebeiträge und nur 1 wird erwähnt.
Wer zählen konnte, kam auch auf eine Zahl um 100 Teilnehmende an der Kundgebung. Nicht nur 50.
Kein Wort zu Verschwörungsmythen.

So sieht dann wirklich an Inhalten interessierte und neutrale Berichterstattung aus, die dann auch noch von der Redaktionsleitung verteidigt wird.

Mensch darf ja fast dankbar sein, dass zumindest die Inhalte der einen Rede korrekt wiedergegeben wurden.

Ein Trauerspiel diese Zeitung.

...wie die Polizei mit 4 Einsatzfahrzeugen einen Kessel um die Kundgebung gezogen hat. Auf alle Fälle im ersten Absatz mit dieser Intensität zu erwähnen. Stark...manipulierend...oder?

Wenn Ihre 100 Teilnehmer mit nur 4 Autos eingekesselt werden?!

Passt schon...

hinterfragt die Handlungen eurer Regierung

...länger dageblieben wäre, hätte sie ja auch davon berichten können.
In sämtlichen Redebeiträgen ging es nämlich darum...
Aber das Burgeressen am Uckersee war dann wohl doch wichtiger.

Dass Regierungen und Staatsmächte von Haus aus autoritär und auf Wirtschaftskonformormität aufgebaut sind, sollte hinlängst bekannt sein.
Dass unverantwortliches Handeln, wie bsp. von AfD (...), Querdenker*innen oder auch einfach so nicht achtsamen Bürger*innen diese Regierungen dazu legitimiert, noch autoritärer zu agieren und weiter die Macht zu bündeln sollte vielleicht mal in die Köpfe....

Wenn das stimmt, was Lothar Priewe wegen der lokalen Ausbreitung von Corona sagt, wäre die AfD-Informationspolitik erfolgreicher als die bundesweit sehr gut vernetzte, regierungstreue Informationspolitik. Insbesondere die zwei erwähnten regionalen AfD-Gebietsorganisationen müssten einen exorbitant hohen Einfluss auf viele Nicht-AfDler-Wähler in den beiden Regionen haben. Wie die "erfolgreicheren" Kommunikationswege aussehen, wäre für andere Parteien und AfD-Gebietsorganisationen interessant, um besser an die Bürger zu kommen und zudem bessere Hörigkeit zu erzielen. Wie man Informationen nennt, Propaganda, Hetze oder Information, ist Ansichtssache. Das Wort "Solidarität" im Zusammenhang mit Corona ist zwar nicht auf Herrn Priewes Mist gewachsen, zeigt aber, dass mit einem Virus Politik gemacht wird. Virenverbreitung ist das einfachste in und mit der Natur. Die kommenden 50, 200 oder wer weiss wie lange Jahre sämtliche Generationen kontaktlos zu machen und den MNS zu einer evolutionären Errungenschaft zu verklären, ist eher ein berauschender Solidaritäts-Kick vieler Diktaturfreunde, die die Corona-Gesundheit vorschieben. Denn spätestens hier entlarvt sich die propagierte Solidarität, da niemand solidarisch wegen anderer tödlicher Krankheiten ist, die schon länger existieren und laut vieler Ärzte derweil öffentlich angemahnt werden, weil Corona-Maßnahmen und Corona-Maßnahmensolidarität andere gesundheitsbedingte Maßnahmen lahm legen. Für die an anderen schweren Krankheiten betroffenen Bürger wiegt denn auch die Aufforderung "Bleiben Sie gesund!" verhöhnend und idiotisch. Früher wünschte man bei Weihnachts- und Geburtstagsgrüßen viel Gesundheit. In Corona-Zeiten wird Gesundheit eine Aufforderung. Nicht auf blauen Dunst schreibe ich immer wieder, dass man sich konsequent in eine Gesundheitsdiktatur bewegt.

...die nicht mitmachen und eine Gesellschaft auseinanderbrechen lassen. Und schwups steht der Staat da und wird noch autoritärer.
Danke AfD und Konsort*innen!

Ist das wirklich so schwer?

Eine freie und demokratische Gesellschaft bricht nicht auseinander, wenn man Regierungsmaßnahmen in Frage stellt und diskutiert. Für Diktaturen stimmt Ihre Feststellung.

Nicht wenn die Regierungsmaßnahmen in Frage gestellt und diskutiert werden bricht eine Gesellschaft auseinander.
Im Gegenteil, der Staat unerstützt die gespaltene Gesellschaft ja in grandioser und routinierter Art und Weise.

Eine Gesellschaft bricht dann auseinander, wenn ein paar Wenige und Laute eine diskriminierende Politik verfolgen und ein Virus verbreitet sich, wenn ein paar Wenige und Laute es nicht ernst nehmen.
Dummerweise sind es meistens die selben Menschen ohne Verantwortungsbewusstsein, Selbsteinsicht und destruktiver Teilhabe.

weichen in vielen Punkten erheblich von den Erfahrungen vieler Durchschnittsbürger, denen man keine AfD-Nähe vorwerfen kann, ab. Schon allein bei dem Satz, "Gleich zu Beginn lud sie die Teilnehmer ein, in einer Schweigeminute der zehn Opfer von Hanau zu gedenken", drängt sich die Frage auf, warum man (nicht nur hier) nur Opfern verabscheuungswürdiger rechter Mordanschläge wiederkehrende Gedenkfeiern, Schweigeminuten und Gedenktafeln zugesteht? Die dauerbetroffenen Politiker sind bisher die Antwort schuldiggeblieben, warum die Opfer vom Breitscheid-Platz und zahlreiche Opfer religiöser Morde nicht eine gleiche Anteilnahme erfahren. In diese Rubrik der offenen Fragen läßt sich auch das Ansteigen des Antisemitismus einordnen, wo nur ungern davon gesprochen wird, daß wir uns dieses Problem zum überwiegenden Teil "eingeladen" haben. Die großzügige Vergabe der deutschen Staatsbürgerschaft läßt den Anteil der Deutschen an antisemitischen Taten selbstverständlich in ungünstigem Licht erscheinen. Hier gilt es, immer die Täter immer beim Namen zu nennen, zur Rechenschaft zu ziehen und unabhängig vom kulturellen Hintergrund, im gleichen Maße zu bestrafen. Auch bei folgender Passage habe ich so meine Schwierigkeiten, wenn es heißt:" Die Co-Kreisvorsitzende von DIE LINKE aus dem Barnim schilderte Erlebnisse aus ihrem Erzieher-Alltag, wo schon kleine Kinder merkelfeindliche Sprüche äußerten und alle nur betreten zu Boden schauten." Ich finde es auch sehr bedenklich, wenn Kinder "merkelfeindliche Sprüche äußerten" - dazu fällt mir nur ein, warum man nicht über Kinder spricht, die Todesdrohungen gegenüber Lehrern und Mitschülern äußern, die ganz offen und nachdrücklich ihren Haß auf unsere Gesellschaft ausdrücken und dabei noch die Unterstützung ihrer Eltern genießen oder wo die Eltern der Schule die Verantwortung geben. Solange man von Seiten der Politiker nicht bereit ist, über alle Probleme zu sprechen und Lösungen herbeizuführen, wird sich die Spaltung unserer Gesellschaft fortsetzen.

Es gab zum Jahrestag des Anschlags am Breitscheidplatz 2020 eine Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer, an der auch der Bürgermeister von Berlin teilnahm, und Menschen stellten vor der Gedächtniskirche Kerzen auf und legten Blumen nieder.
https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2020/12/stilles-gedenken-opfer-breitscheidplatz-berlin-terror.html

daß der regierende Bürgermeister an einem "stillen Gedenken" für die Opfer teilgenommen hat und auch Blumen und Kerzen niedergelegt wurden. Der Unterschied, der jedoch gegenüber Gedenkveranstaltungen für Opfer rechter Gewalt besteht, ist die geringe Präsenz aller Parteien, die sich sonst mit markigen Sprüchen und berechtigterweise unter Benennung der "geistigen Brandstifter" hervortun. Auch hier gebietet es der Anstand und die Wahrheit, anstatt allgemein von Terror zu sprechen, ebenfalls die Quellen der Motivation zu nennen.

Schade nur, dass die Reporterin nicht richtig zugehört hat, sonst wüsste sie zu berichten, dass nicht 10 sondern 9 Menschen gedacht wurde.
Da sieht mensch mal wieder worin schnell hingekritzelte Artikel und halbherzige Recherche münden...
Auch die weiteren inhaltlich niveaustarken Redebeiträge der Veranstaltung (ohne Bezug auf die AfD) bleiben unerwähnt. Hauptsache wieder Stimmung machen Frau Marsal, mehr ist wohl journalistisch nicht drin?
Es könnte fast der Eindruck entstehen, es handele sich um eine persönliche Fehde gegen den ersten Redner Lothar P.?
Höchst interessant. Da dieser ja in einem kürzlich erschienen Leserbrief die einseitige und effektheischende Berichterstattung der CM verdeutlichte. Nun bekommen wir wieder ein Paradebeispiel vorgesetzt. "BILD"-ähnliche Überschriften ohne wirklichen Bezug zum Kern der Veranstaltung.
Übrigens eine der besten Veranstaltungen, die es seit langem hier in der Region gab! Hut ab vor den Organisatorinnen!
Und dass Polizei bei solchen genehmigten Veranstaltungen zugegen ist, muss sowas erwähnt werden? Ist doch ganz normal.