KLINIKÄRGER

„Mein Schwiegervater wurde einfach an der Tür abgeladen“

Sünke Peris aus Prenzlau ärgert sich, dass der Patient (89) entlassen wurde – ohne dass es eine Information der Angehörigen gab. Die Klinik prüft das.
In diesem Zustand fand Sünke Peris ihren Schwiegervater vor. Nachbarn hatten ihm da schon eine Jacke umgelegt und ihn mit
In diesem Zustand fand Sünke Peris ihren Schwiegervater vor. Nachbarn hatten ihm da schon eine Jacke umgelegt und ihn mit einer Decke vor der Kälte geschützt. privat
Sünke Peris hofft, dass sich so etwas nicht wiederholt.
Sünke Peris hofft, dass sich so etwas nicht wiederholt. Claudia Marsal
Dauer.

Trotz seiner knapp 90 Lenze und des Pflegegrades 4 möchte Karl-Horst Peris aus Dauer noch nicht ins Heim. Die Familie hat Verständnis dafür. „Ohne seinen Hof würde er kaputtgehen“, ist die Schwiegertochter sicher. Sie muss es wissen. Denn weil der eine Sohn des alten Herrn weit weg wohnt und der andere, ihr Mann, unter der Woche auf Montage ist, obliegt es ihr als dessen Ehefrau, sich um den betagten Verwandten zu kümmern. So oft es geht schaut die 52-jährige Prenzlauerin bei ihm vorbei.

Auch die Schwestern vom Pflegedienst sehen regelmäßig bei dem 89-Jährigen nach dem Rechten. „Manchmal ist er sogar dienstlich auf meiner Tour“, freut sich die als Pflegekraft bei der Volkssolidarität (VS) angestellte Uckermärkerin. „Die Betreuung ist nötig, weil er wegen seiner Herzschwäche vier Stents bekommen hat“, erklärt Sünke Peris: „Aber ansonsten ist er noch recht gut drauf. Man merkt ihm sein Alter nicht an.“ Trotzdem sei es in kürzester Zeit mehrmals vorgekommen, dass er wegen akuten Unwohlseins sofort in die Klinik musste, berichtet sie weiter.

Die VS-Schwestern hätten jedes Mal den Krankentransport gerufen, der ihn dann in die Notaufnahme nach Pasewalk brachte. „Mit dabei hatte er stets den so genannten Überleitungsbogen, auf dem alle persönlichen Daten stehen, auch die Info, dass ich als Angehörige zu informieren bin.“

Vom Fahrdienst gebracht

Leider habe das nicht geklappt, schimpft unsere Leserin: „Mein Schwiegervater wurde nach der ersten Untersuchung mit einem Fahrdienst postwendend nach Hause geschickt. Dort fanden ihn Stunden später dann Nachbarn, die seine Tiere versorgen sollten, auf der Bank vor, nur mit einem Unterhemd bekleidet und zu schwach, um ins Haus zu gehen. Weil er nicht in der Lage war, aufzustehen, zogen sie ihm eine Jacke über und deckten ihn zu, damit er sich nicht erkältet.“

Die Schwiegertochter ist diesen Leuten dankbar, dass sie danach sofort alarmiert wurde.„Ich war zu diesem Zeitpunkt ja noch in der Annahme, dass er im Krankenhaus liegt.“ Verärgert über dieses Ereignis setzte die Frau noch am selben Abend einen Beschwerdebrief an das Krankenhaus auf. Doch es vergingen bis zu dessen schriftlicher Antwort gut drei Wochen; Zeit, in der sich das Ganze noch zweimal wiederholt haben soll, wie die Angehörige versichert.

Die Asklepios-Klinik versichert auf Nachfrage, dass man ständig bestrebt sei, die Versorgung der anvertrauten Patienten fachgerecht und mit einem hohen Qualitätsanspruch durchzuführen. Dazu gehöre auch die Verfahrensweise bei der Entlassung von Patienten.

Entlassung analysiert

„Zu den beschriebenen Situationen möchten wir wie folgt Stellung nehmen: Wie bereits in dem Schreiben von uns an die Familie übermittelt, haben wir die Entlassung des Patienten aus der Notaufnahme nach einer ambulanten Behandlung analysiert. Gemeinsam mit dem Team der Notaufnahme wurde die Beschwerde von Frau Peris besprochen und das grundsätzliche Entlassungsprozedere noch einmal diskutiert. Grundsätzlich werden die Angehörigen eines Patienten informiert, wenn er dazu nicht selbst in der Lage ist. Hierfür ist es selbstverständlich notwendig, dass entsprechend die Telefonnummern vorliegen und der Angehörige erreichbar ist. Unsere Mitarbeiter verfügen über langjährige Erfahrung und sind auch in der Kommunikation mit Angehörigen geschult. Es ist ausgesprochen selten, aber es kann dennoch in der Hektik des Alltages, insbesondere in einer Notaufnahme, vorkommen, dass ein Anruf ausbleibt, vor allem bei Patienten wie Herrn Peris, die ihren Haushalt selbstständig führen und kognitiv in der Lage sind, sich zu Hause zu versorgen beziehungsweise nicht in einer Pflegeeinrichtung untergebracht sind.“

Informationen über einen erneuten Zwischenfall lägen der Klinik aber bis dato nicht vor, versichert die Leitung: „In diesem Zusammenhang haben wir das Stationsteam befragt und die Patientenakte geprüft. Unsere Mitarbeiter können sich noch gut an Herrn Peris als Patienten erinnern. Für uns ist nach den vorliegenden Informationen nicht nachvollziehbar, dass Herr Peris nach einem Transport durch einen externen Transportdienstleister seine Häuslichkeit nicht betreten konnte.“

Anspruch auf Management

Bei einem stationären Aufenthalt greife das Entlassmanagement nach Paragraf 39 SGBV. Danach hätten Versicherte nach der Krankenhausbehandlung auch einen „Anspruch auf ein Entlassmanagement zur Unterstützung einer sektorenübergreifenden Versorgung beim Übergang in die Versorgung nach Krankenhausbehandlung“. Dies schließe die Organisation eines Transportes bei Bedarf sowie zum Beispiel die Vermittlung von ambulanten oder stationären Pflegeleistungen ein.

„Unsere Mitarbeiter wurden im Zuge der Einführung des neuen Gesetzes vor einigen Jahren im Entlassmanagement gesondert geschult und entsprechend für die Bedürfnisse unserer Patienten sensibilisiert. Daher können wir sicher sagen, dass mögliche Versäumnisse bei Herrn Peris nicht unseren üblichen Abläufen entsprechen“, versicherte Steffi Kapell vom Qualitätsmanagement/Marketing der Asklepios-Klinik Pasewalk abschließend.

Die Pflegedirektorin hatte zuvor in dem Brief an die Familie bereits versichert, dass der Vorfall dazu geführt habe, dass „wir den Prozess einer ambulanten Vorstellung mit anschließendem Transport noch einmal überarbeitet und standardisiert haben, so dass so ein Problem nicht noch einmal vorkommen sollte.“ Die Klinik bot der Familie zudem ein persönliches Gespräch an.

 

 

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Kommentare (2)

Nun stelle man sich mal vor da draußen hätte es geschneit und 5 Grad minus. Der Mann wäre unterkühlt und erfroren. Man kann doch einen zuvor geltenden Intensiv-Patienten nicht wie ein Gepäckstück vor der Haustür abladen, ohne das Angehörige oder weiteres Pflegepersonal sich der Sache annehmen können. Das Krankenhaus hat den Mann zu früh entlassen und falsch behandelt. Ich hätte zumindest wegen Vorsatz eine Anzeige bei der Polizei gestellt.

Schlimmer geht es nicht.Habe dieses Jahr auch schon 2mal beschwerden geschrieben nach Pasewalk und Eberswalde,möchte jetzt nicht alles schreiben,würden den Rahmen sprengen,aber diese Krankenhäuser sind mehr als gefährlich in allen belangen,von den Ärzten bis hin zu den Schwestern und Pflegern usw.,besonders Pasewalk nenne ich schon gefährlich.Was dieses Jahr alles einer Bekannten widerfahren ist,war ein Albtraum.Habe auch bis heute von beiden Krankenhäusern nichts gehört und werde erstmal zur Kassenärztlichen Vereinigung schreiben.
Bin schon drauf und dran sogar zur Zeitung zu gehen und in 2 Fällen wäre sogar ein Anwalt angebracht wegen Unterlassener Hilfeleistung.Von Prenzlau aus gibt es was einige Notärzte betrifft auch nichts gutes zu berichten,da kam auch nie eine Reaktion vom Kh.Wünsche Herrn Peris und seiner Familie alles erdenklich Gute.
Anmerkung:Viele Kliniken im Osten sind warum auch immer unter aller Kanone,mehr als imWesten,weis ich aus eigener Erfahrung und auch durch Freunde aber auch Bekannte und aus dem Familienkreis wo viele in Krankenhäusern arbeiten oder selbst gelegen haben,können das von hier nie so glauben.