SPITZENSCHÜLER ERZÄHLT

Mit dem 1,0er Abi direkt aufs Feld

Tommy Mausolf hätten nach dem Abitur viele Wege offen gestanden. Doch der Wolliner ließ sich nicht von seinem Berufswunsch aus Kindertagen abbringen.
Die Leidenschaft für große Maschinen entwickelte sich bei Tommy Mausolf schon sehr zeitig.
Die Leidenschaft für große Maschinen entwickelte sich bei Tommy Mausolf schon sehr zeitig. privat
Wollin.

Wie sieht jemand aus, der als Einziger seines Jahrgangs ein Abitur von 1,0 hingelegt hat? Wie ein Nerd mit Brille und Laptop unterm Arm? Weit gefehlt, zumindest was den aktuell Besten des Prenzlauer Christa-und-Peter-Scherpf-Gymnasiums anbelangt. Tommy Mausolf, dem dieses Meisterstück 2020 hier gelang, kommt erfrischend bodenständig daher. Man nimmt dem jungen Mann sofort ab, dass seine große Leidenschaft die Landwirtschaft ist.

Nach Hobbys gefragt, nennt der 18-Jährige zuerst seine Affinität zur Landwirtschaft. Der Wolliner betreibt seit längerem eigene Feldversuche auf einem Stück Acker hinter dem elterlichen Grundstück, quasi als Vorbereitung auf seine Lehre zum Landwirt, die am 1. August beginnt. Mit dem Superabschluss in der Tasche hätte Tommy Mausolf auch direkt zum Agrarwirtschaftsstudium an eine Hochschule gehen können, so wie ihm wahrscheinlich unzählige andere Möglichkeiten offen gestanden hätten.

Zwei Lehrbetriebe

Doch er entschied sich nach reiflicher Überlegung für den längeren Weg und stellte eine Ausbildung vornan. In der Phase der Entscheidungsfindung hatte Tommy Mausolf sowohl mit Studenten als auch Azubis gesprochen, um das Für und Wider abzuwägen.

Dabei kristallisierte sich heraus, dass praktische Erfahrungen wichtig sind, wie er sagt. Mit seinen beiden Ausbildungsbetrieben in Eickstedt (Pflanzenbau) und Funkenhagen (Viehzucht) glaubt der Bauer in spé eine ausgesprochen gute Wahl getroffen zu haben. Der angehende Landwirt freut sich schon auf die Arbeit in den Firmen. Und zwar so sehr, dass er bewusst auf Ferien nach dem Abi verzichtet, um die dortigen Kollegen als Erntehelfer zu unterstützen. Wann genau es auf den Feldern losgeht, kann der technikaffine junge Mann beim Interview am Dienstagmorgen noch nicht sagen. Sein Sachverstand lässt ihn aber vermuten, dass ab Ende der Woche bereits Wintergerste gedroschen wird.

Kein Faulenzen mehr

Dass es ab diesem Tag mit Ausschlafen und Faulenzen vorbei ist, stört ihn nicht. Im Gegenteil. Im Gespräch mit dem Uckermark Kurier lässt Tommy Mausolf keinen Zweifel daran, dass er es kaum erwarten kann, mit von der Partie zu sein. Müßiggang ist nicht sein Ding. Er würde sich eher als einen zielstrebigen Menschen beschreiben, wobei die Zukunftsperspektive noch nicht fest zementiert ist. „Mal schauen, wo die Reise hingeht“, antwortet er auf die Frage, wo er in zehn Jahren steht: „Fragen Sie mich das am besten in zehn Jahren noch mal.“ Mit dem Studienabschluss in der Tasche seien mehrere Szenarien vorstellbar, spielt Tommy Mausolf Zukunftsmusik.

Was er allerdings schon ziemlich sicher weiß, ist, dass seine Vorlieben eher im Bereich Pflanzenproduktion liegen, er sich aber trotzdem auf die Arbeit mit den Tieren während der Ausbildung freut. Lust auf Landwirtschaft hat der junge Mann übrigens schon, seit er zurückdenken kann.

Papas „Schuld”

Das mag mit am Vater gelegen haben, der als Landtechnikverkäufer tätig ist und ihn schon als Kind oft mit zur Arbeit nahm. Später durfte er dann bei Freunden und Bekannten mit auf die Maschinen steigen. Das hat ihn geprägt. Spaß gemacht habe ihm aber auch immer Schule, sagt Tommy Mausolf. Sehr gern denkt er an die Grundschuljahre in Schmölln und Gramzow zurück. Später am Gymnasium förderten ganz besondere Lehrer dann sein Interesse an Mathematik, Technik und Erdkunde.

Dass es letztlich zum 1,0er Abi reichen würde, konnte Tommy Mausolf am Ende selbst kaum fassen, wie er nüchtern bilanziert: „Ich hatte mit 1,1 oder 1,2 gerechnet und war dementsprechend positiv überrascht.“ Seine Freude über das tolle Ergebnis teilte er erst abends mit seinen Eltern. „Also in der Schule bin ich jedenfalls nicht ausgeflippt, sie steht schließlich noch“, stellt er lächelnd klar. Ausgesprochen schade findet der Spitzenabiturient, dass seinem Jahrgang coronabedingt sowohl der festliche letzte Schultag als auch Mottowoche und Abiball verwehrt blieben.

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Kommentare (1)

Toll, ganz prima gemacht. Herzlichen Glückwunsch!
Vielleicht liest man ja von so einem netten jungen Menschen in 10 Jahren wieder was. 😉 Weiter so.